11. Dezember 2017 (Muttermilch und Wachstum)

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    • 11. Dezember 2017 (Muttermilch und Wachstum)

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      Muttermilch und Wachstum


      „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen“ (Matthäus 18:3).

      Über diesen Satz Jesu ist viel nachgedacht und viel gelehrt und geschrieben worden. Über kindliches Vertrauen, Reinheit und Unschuld und vieles dergleichen mehr. Wir wissen nun nicht, wie alt das Kind war, das Jesus hier in die Mitte gestellt hatte, aber wenn wir zwei kleine Kinder in einen Raum stecken, der voller Legoteile ist, aber mit nur einer einzigen Playmobil-Figur, können wir davon ausgehen, dass Stress vorprogrammiert ist. So unschuldig und rein, wie man meint, sind Kinder nämlich nicht und bereits bei ihrem Säugling kann eine gute Mutter unterscheiden, ob sein Weinen einem kläglichen Mangel oder purem Zorn entspringt. Auch das bedingungslose Vertrauen in die Eltern beginnt ab dem Kindergartenalter zu bröckeln und spätestens ab der Pubertät glauben die Kiddies, alles besser zu wissen, als die Eltern. Wir sollten also bei aller Idealisierung der Kinder nicht vergessen, dass die „gefallene Schöpfung“ nicht erst in der Pubertät greift, sondern bereits bei der Empfängnis. Das wusste auch David, als er schrieb:

      „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“ (Psalm 51:7)

      und Gott selbst erklärt im Buch Genesis:

      „...Ich will künftig den Erdboden nicht mehr verfluchen um des Menschen willen, obwohl das Trachten des menschlichen Herzens böse ist von seiner Jugend an... (1.Mose 8:21)

      Die Psychologen sagen, dass der Mensch gut geboren wurde und dann durch Einflüsse von außen verdorben wird. Wir müssen uns entscheiden, wem wir glauben wollen, denen oder dem Wort Gottes. - Wenn wir uns den Kontext anschauen, dann geht es um einen Streit der Jünger, wer wohl der Größte von ihnen im Himmelreich sein wird. Jeder von ihnen betrachtete sich als besonders geistlich, also besonders reif und Jesus sollte hier das Urteil sprechen. Aber den Gefallen tat er ihnen nicht. Er musste ihnen mit anderen Worten sagen: „Wenn ihr euren Stolz über eure vermeintlich größere Geistlichkeit weiterhin nährt und pflegt, werdet ihr da überhaupt nicht reinkommen.“ Krass, das sagte er denen, die zu Aposteln werden sollten und auf denen die gesamte Apostelgeschichte, ja die gesamte Christenheit letztendlich aufbaut. Und dabei stellt er ihnen dieses Kind als Beispiel der richtigen Herzenshaltung vor Augen. Der Unterschied? Nun, die Jünger dachten, sie hätten ihre Schule bereits hinter sich und hielten sich geistlich für reif und erwachsen. Aber dem Kind war bewusst, dass es eben ein Kind war und dass es noch einen weiten Weg bis zum erwachsen werden zu gehen hatte. Es geht in dieser Begebenheit also, so wie ich das empfinde, in erster Linie um den Wachstumsprozess, den es zu erkennen und dankbar anzunehmen gilt. Wenn wir also meinen, wir wären die geistlichen Supercracks und alle anderen wären blöd oder eben geistlich weit unter uns, befinden wir uns definitiv nicht auf dem Weg zum Himmel, sondern auf sehr dünnem Eis. Das ist es, was Jesus uns hier doch wohl sagen will und sicherlich nicht nur uns, sondern auch den Predigern, Pastoren, Evangelisten, Lehrern sowie auch den Propheten und sonstigen Leiterfiguren. Nur in dieser kindlichen Wachstumshaltung können wir wirklich Demut lernen und auch echte von falscher Demut unterscheiden und unter diesem Gesichtspunkt können wir es dann auch verstehen, was Jesus in der sogenannten Bergpredigt sagt:

      „Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ (Matthäus 5:3)

      Wird ein Kind geboren, so wird ab dem Moment der Geburt aufmerksam beobachtet, ob sich das Neugeborene gut entwickelt. Entdecken die Eltern Wachstums- und Entwicklungsstörungen, so werden sie alles unternehmen, um die Störungen zu beseitigen. Trifft das, was im natürlichen Leben selbstverständlich ist, im geistlichen Leben nicht genauso zu? Wünscht unser himmlischer Vater nicht auch geistliches Wachstum bei seinen Kindern? Und hat er nicht alles gegeben, um Wachstum zu ermöglichen? Er freut sich über jeden Fortschritt, den er in unserem geistlichen Leben sieht. Das spornt an, über die folgenden Verse aus dem 1. Petrusbrief nachzudenken:

      "So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil...“ (1.Petrus 2:1+2)

      Der Startschuss zum Ablegen der Bosheiten sollte eigentlich bereits bei der Bekehrung bzw. Wiedergeburt gefallen sein, aber in der Schule Jesu geht es dann um die Praxis. Petrus schreibt hier sicherlich keine vollständige Liste, sondern greift halt vier wichtige Punkte heraus. Jeder hat andere Baustellen und an jedem arbeitet der Heilige Geist ganz individuell. Wenn allerdings mein Lebenswandel nach ein paar Jahren „Christ sein“ immer noch derselbe ist, wie vor der Bekehrung, dann kann man davon ausgehn, dass eine Wiedergeburt noch nicht stattgefunden hat. Wir wollen an dieser Stelle mal eher unser Augenmerk auf diese „vernünftige, lautere Milch“ legen, von der Petrus schreibt.

      Eine lange Fußnote in der Elberfelder Übersetzung erklärt, was wohl mit vernünftig oder geistig (Griechisch logikos) gemeint sein könnte und kommt zu dem Schluss, dass es dabei wohl um die unverfälschte Milch des Wortes Gottes geht. Die meisten Übersetzer und Ausleger kommen auch zu diesem Schluss, obwohl „Wort Gottes“ nicht direkt dasteht. Denn im Vers vorher (1:25) wird das Wort des Herrn in seiner Ewigkeit von Petrus groß herausgestellt. Die beste und wirklich unverfälschte Milch für Neugeborene ist nicht die von der Kuh, sondern die von der eigenen Mutter, also die Muttermilch. Deshalb sollte man hier auch so übersetzen. Und die Muttermilch steht in erster Linie für das unverfälschte Wort Gottes, ähnlich wie in 1.Korinther 3:2 und Hebräer 5:12. Ich würde diesen Satz des Petrus also folgendermaßen wiedergeben:

      „Verlangt stattdessen wie Neugeborene nach der reinen Muttermilch. Ihr braucht sie, um in die ewige Rettung hineinzuwachsen.“ ( 1.Petrus 2:2)

      Wie bereits gesagt, wird gelehrt, dass sich dieser Begriff „Muttermilch“ auf das Wort Gottes bezieht und selbstverständlich trifft das auch zu, aber es ist nach meiner Einschätzung nur ein Aspekt dieses Begriffes. Wichtig ist, dass ich diese „Muttermilch“ nicht nur durch Lesen darüber kenne, sondern dass ich Erfahrungen damit sammle, wie sie mich stärkt und meinem Wachstum dient. Eine junge Frau gab darüber mal Zeugnis:

      "Gott begeistert mich, weil er jeden Tag mit mir von Neuem beginnt. Jeden Tag schenkt er mir seine Gnade und Liebe. Gerade dann, wenn ich mich über mich und meine Fehler ärgere, schenkt Gott mir ein heilsames Wort und ich erkenne, dass ich sein geliebtes Kind bin und Er mir Fehler verzeiht. Jeden Tag neu. Er zeigt mir, dass es nicht wichtig ist, dass ich alles perfekt schaffe. Wichtig ist allein, dass mein Herz Ihm gehört und ich Ihm vertraue."

      Wie ein Säugling die Brust der Mutter als Nahrungsquelle erkennt und benutzt, genauso sollen wir das Wort Gottes entdecken und benutzen und dabei praktisch erfahren, dass Gott unser Versorger ist. Diese Versorgung geschieht auf zweierlei Ebenen, der natürlichen und der geistlichen. Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt, wobei wir lernen sollten, dass das Geistliche dem Natürlichen übergeordnet ist, denn es ist etwas Ewiges, das Natürliche ist der Vergänglichkeit unterworfen. Das erkennen wir bereits bei den Israeliten unter Mose, die Gott im Natürlichen mit Manna versorgte. Am nächsten Morgen allerdings war das Manna vergammelt und musste wieder ganz neu gesammelt werden. Jesus sagte Ähnliches zur Frau am Jakobsbrunnen:

      „Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“ (Johannes 4:13+14)

      Am Anfang unserer Jüngerschaft ist unser Blick in erster Weise auf diese natürliche Versorgung durch unseren Vater im Himmel gerichtet, denn der Blick fürs Geistliche ist noch nicht entwickelt. Das ist normal und bedarf zuweilen viel Geduld bei unseren geistlichen Leitern, die leider oft nicht vorhanden ist. Aber der Blick für die geistlichen Dinge wird durch den Heiligen Geist in uns mehr und mehr entwickelt, in dem Maße, wie er in unserem Geist größer und dominanter wird. Auch das ist ein Weg, ein Prozess, der die gesamte Zeit der Jüngerschaft anhalten wird, bis zum natürlichen Tod. Und selbst dann sind wir noch nicht perfekt darin, wie uns Paulus schreibt:

      „...denn wir erkennen stückweise und wir weissagen stückweise; wenn aber einmal das Vollkommene da ist, dann wird das Stückwerk weggetan. Als ich ein Unmündiger war, redete ich wie ein Unmündiger, dachte wie ein Unmündiger und urteilte wie ein Unmündiger; als ich aber ein Mann wurde, tat ich weg, was zum Unmündigsein gehört. Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (1.Korinther 13:9-12)

      Diese „Muttermilch Gottes“ ist also sein Wort, gelesen oder gepredigt, in Verbindung mit der Erkenntnis eines seiner Namen, nämlich Jahwe Jireh, was soviel heißt wie „der Herr wird ersehen“, „der Herr wird vorsehen“, „der Herr mein Versorger“. Aber noch etwas gehört zu dieser „Muttermilch-Zeit“, nämlich zu lernen mit Gott zu kommunizieren, was Gebet genannt wird. Auch das ist ein Prozess, wie im Natürlichen bei einem Kleinkind. Der Leiter der Emmaus Bibelschule in Chicago, William Mac Donald, schrieb einmal:

      „Wenn jemand das Fliegen lernen will, reicht es nicht, wenn er nur Handbücher studiert, die Fachterminologie lernt und erfahrene Piloten beim Fliegen beobachtet. Er muss selbst unzählige praktische Flugstunden absolvieren, um ein guter Flieger zu werden. Mit dem Beten verhält es sich nicht viel anders. Denn - wie gesagt - Beten lernt man beim Beten.“

      Genauso verhält es sich. Sprechen lernt man durch Reden im Natürlichen und Beten durch Gebet im Geistlichen. Kommunikation baut Beziehung auf und man lernt sich gegenseitig besser und näher kennen. Gott braucht uns allerdings nicht näher kennenlernen, denn keiner (inklusive uns selbst) kennt uns besser als er. Aber wir müssen ihn immer besser kennenlernen, und zwar so wie er ist, nicht so, wie wir ihn vielleicht gerne hätten, und auch das ist ein lebenslanger Prozess. Auch hier sind immer wieder Kämpfe vorprogrammiert: zu müde, keine Lust oder auch Störungen jedweder Art. Hier sollte uns ständig das Wort Gottes vor Augen stehen, in dem geschrieben ist:

      „...naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch! Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid!“ (Jakobus 4:8)

      Zusammenfassend sei also gesagt: Jüngerschaft bedeutet, dass wir uns bewusst sind, dass wir uns in einem Wachstumsprozess befinden, in dem wir das Wort Gottes, geschrieben oder gepredigt als Nahrung zu uns nehmen, das bedeutet zu lernen, es in unser natürliches Leben einzubauen und ihm gehorsam zu sein. Dies und dass die geistliche Versorgung immer Vorrang vor der natürlichen hat, stellte auch Jesus bei seiner Versuchung in der Wüste klar fest:

      „Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden! Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht!« “ (Matthäus 4:3+4)

      Dies sorgt in Verbindung mit einem aktiven Gebetsleben für gesundes und gutes geistliches Wachstum. Wenn sich nach 10 Jahre „Christsein“ unsere Gebete immer noch ausschließlich um unsere Wehwechen, unseren Wohlstand und um die Erfüllung unserer fleischlichen Wünsche drehen, dann ist was faul im Staate Dänemark, wie man so sagt.

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