5.Dezember 2017 (Der Prozess der Umkehr)

    • 5.Dezember 2017 (Der Prozess der Umkehr)

      Der Prozess der Umkehr


      Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same keimt und geht auf, ohne dass er es weiß. Denn die Erde trägt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht es zulässt, schickt er sogleich die Sichel hin; denn die Ernte ist da. (Markus 4:26-29)

      Jesus spricht hier über das Reich Gottes, also über alles, wo Gott regiert bzw. die Herrschaft hat. Jesus sagt uns hier, dass Gottes Herrschaft über Dinge und Menschen in einem Prozess entsteht, eine Erkenntnis, die den modernen Christen überwiegend abhanden gekommen ist. Wenn wir die Aussage Jesu zu Ende denken, erkennen wir, dass Reife das Ergebnis eines Wachstumsprozesses ist, der seine von Gott vorbestimmte Zeit braucht, woran wir nichts drehen, puschen oder sonst wie manipulieren dürfen und können. Aber um das alles wirklich ein wenig verstehen zu können, müssen wir auch diese Bibelstelle im Zusammenhang mit anderen Aussagen Jesu zu diesem Prozess vergleichen und gegebenenfalls ergänzen. Tun wir das nicht, dann entsteht hier der Eindruck, dass jede Aussaat zu Frucht und Ernte führt und dass dem nicht so ist, wussten die Menschen damals sehr genau. Jesus bestätigte das an anderer Stelle:

      „Hört zu! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. Und es geschah, als er säte, dass etliches an den Weg fiel; und die Vögel des Himmels kamen und fraßen es auf. Anderes aber fiel auf den felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging sogleich auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, wurde es verbrannt; und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und anderes fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und erstickten es, und es brachte keine Frucht. Und anderes fiel auf das gute Erdreich und brachte Frucht, die aufwuchs und zunahm; und etliches trug dreißigfältig, etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig. Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (Markus 4:3-9)

      Jesus sagte hier in etwa: „Schaut, so wie das im Natürlichen läuft, genauso läuft es auch im Geistlichen und erklärt es den Jüngern, nicht den Zuhörern, nicht den Fans, sondern nur denen, die in Beziehung zu ihm standen (Vers 10).

      Wenn wir nun die Verse 13 – 20 lesen, erkennen wir gut, dass dieses Event des Säens nicht automatisch den Prozess des Wachstums auslöst, sondern dass die Beschaffenheit des (Herzen)bodens Ausschlag gebend dafür ist, ob dieser Prozess erfolgreich zum Ende kommt. Die Reaktion, die entsteht, wenn dieser göttliche Same auf unsern Herzensboden fällt, ist das, was wir Bekehrung nennen. Es ist ein Event, kein Prozess und Jesus nennt beispielhaft vier verschiedene Beschaffenheiten dieses Bodens, von denen allerdings nur eine zur erwünschten Frucht und Ernte führt. Dreiviertel oder 75% der Evangelisierten, die sich bekehren, gehen also laut Aussage Jesu trotzdem verloren, weil es bei dem Bekehrungsevent bleibt und kein Prozess in Gang kommt, der am Ende bleibende Frucht hervorbringt. Das ist eine äußerst ernste Angelegenheit, die innerhalb der heutigen Christenheit gern unter den Teppich gekehrt wird. Warum? Nun, eben deshalb, weil der heutige Christenmensch sich keinem lebenslangen, teilweise schmerzhaften Prozess unterziehen möchte, sondern tatsächlich (weil so gelehrt) der Ansicht ist, Gottes Ordnungen und Wege durch Events abkürzen zu können. Uwe Dahlke sagte mal dazu in einer Predigt:

      „Wir leben in der Kultur des Events! Dinge müssen schnell und nach Möglichkeit sofort geschehen. Diese Haltung hat sich auch in den christlichen Glauben eingeschlichen. Unsere Hoffnung ist, in allen Dingen des Glaubens möglichst schnell und effizient geistliche Ziele zu erreichen. Dazu besuchen wir Seminare und kaufen CD’s und Bücher, die uns häufig suggerieren, wie dies oder das in 5 Schritten oder 40 Tagen erreicht werden kann!

      Die Frustration setzt dann ein, wenn wir merken, es funktioniert nicht wirklich in einer kurzen Zeit, oder nur sehr oberflächlich. Dazu kommt, dass viele Christen und noch weniger Leiter, um sich nicht zu blamieren, oft nicht über ihre heimlichen Kämpfe und Niederlagen reden. Man hat eine fromme Maske auf, hinter die niemand schauen darf. Und so isoliert uns der Feind, einen vom anderen und steckt uns in geistige Isolationshaft, in der wir dann oft an uns verzweifeln. Das erste was wir also neu lernen müssen ist das Geheimnis des Prozesses - In unserem Fall des Prozesses der Umkehr! Gott unser Vater hat als eine Ordnung in dieser Welt den Prozess vorgesehen. Der Prozess ist eine ganze Serie von Schritten die schließlich zum Event/Ergebnis führen.“

      Ganz deutlich wird es, wenn wir weiterhin berücksichtigen, was Jesus seinen Jüngern kurz vor seinem Tod über diesen Samen gesagt hat:

      „Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde! Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht. Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren; wer aber sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren. Wenn jemand mir dienen will, so folge er mir nach; und wo ich bin, da soll auch mein Diener sein; und wenn jemand mir dient, so wird ihn [mein] Vater ehren.“ (Johannes 12:23-26)

      Weizenkorn, Same, Wort Gottes, Jesus: geistlich gesehen kein Unterschied. Und auch hier müssen wir die Bedeutung seiner Aussage geistlich im Zusammenhang erfassen. Hier trennt das Wort Jesu wie ein Schwert Fleisch (Seele) und Geist (Hebräer 4:20). Die Kernaussage: „Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren; wer aber sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren“, meint nicht, dass wir ab unserer Bekehrung mit Todessehnsucht herumlaufen müssen oder sollen, oder dass einzig und allein die Geister der Märtyrer im Neuen Jerusalem zu finden sind, wir können uns da an Jesus selbst orientieren, hat er sein Leben wirklich so gehasst, wie es uns dieses Wort suggeriert?

      „Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (Matthäus 26:39)

      Jesus betete nicht: „Danke Vater, dass dieses Scheißleben endlich ein Ende hat“, hätte er das gebetet, so wäre er in Rebellion gegen Gott gewesen, denn auch sein Leben als Mensch kam von Gott und das gilt es freudig und dankbar anzunehmen. Mein Leben zu hassen bedeutet, alles in mir und an mir zu hassen, was sich nicht dem Willen Gottes beugen will und das ist es, was die Bibel als „Fleisch“ bezeichnet, das prinzipiell gegen den Geist, also den Willen Gottes gerichtet ist und das war es auch bei Jesus, obwohl er ohne diese vererbte Schuld Adams geboren war, denn er war ja nicht von menschlichem Samen gezeugt worden (Galater 5:17; Johannes 1:18). 33 Jahre lebte Jesus ein Leben, in dem er seine Wünsche, Sehnsüchte und Begierden unter den Willen Gottes stellte, auch das war ein Prozess, der ihn dann schlussendlich blutschwitzend das Kreuz annehmen ließ. Der Anfang dieses Prozesses war seine Geburt, bei uns ist es die Wiedergeburt, denn im Gegensatz zu Jesus gehören wir zur gefallenen Schöpfung und müssen erst mal umkehren.

      Auch diese Umkehr ist genau genommen ein lebenslanger Prozess und darf sich nicht auf die Bekehrung beschränken. Der Same wurde oft schon lange vorher ins Herz gestreut. Wenn sich auf Grund meiner Predigt also Menschen bekehren, oder in Folge eines Gebets für sie, dann heißt das noch lange nicht, dass diese Frucht ausschließlich durch mich bewirkt wurde. Der eine pflügt, der andere sät, ein anderer erntet. Gott hat das wunderbar so eingerichtet, damit wir nicht hochmütig werden. Keiner darf deshalb hier diesen augenscheinlichen Erfolg auf seine Fahne schreiben. Es ist letztendlich immer der heilige Geist, der Frucht bewirkt, denn er ist es, der durch uns wirkt, wenn unser Herz in der richtigen Haltung zu ihm ist und er macht das grundsätzlich auf seine Art und oftmals ganz anders, als wir uns das vorstellen und wünschen.

      „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ (Johannes 3:8)

      Davon abgesehen muss der Prozess der Umkehr ja einen weiteren Prozess zur Folge haben, nämlich den der Nachfolge, in dem der Bekehrte nun seinerseits Früchte trägt, das ist doch eindeutig im sogenannten Missionsauftrag verankert, der leider meist nicht vollkommen erfüllt wird. Jesus sagte:

      „...Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen.“ (Matthäus 28:18-20)

      „Macht zu Jüngern“. Ein Jünger ist ein Mensch, der eine klare, verbindliche Entscheidung für die Nachfolge Jesu getroffen hat (Bekehrung), die Erlösung durch Jesus Christus erfahren hat und dadurch ein Kind Gottes geworden ist (Wiedergeburt), in einer lebendigen Beziehung mit Jesus lebt, mit und nach Gottes Wort lebt, in Gemeinschaft mit anderen Jüngern lebt,seinen Charakter (Herz) von Gott verändern lässt, seinen Glauben weitergibt und andere Menschen zu Jüngern macht.

      Wenn wir diese Definition zu Grunde legen, merken wir, dass der Auftrag Jesu, andere Menschen zu Jüngern zu machen, mehr umfasst, als ihnen vor der Taufe ein paar wichtige Glaubenspunkte zu erklären.Vielmehr bedeutet Jüngerschaft, Menschen in eine lebendige, rettende Beziehung mit Jesus Christus zu führen, ihnen zu helfen, in ihrem Glauben zu wachsen und sie anzuleiten, damit sie andere Menschen zu Jesus führen können und diese wiederum zu Jüngern machen. Dabei ist ein Jünger Jesu nicht der, der in all diesen Punkten schon Perfektion erreicht hat. Ein Jünger Jesu sein, bedeutet ein Schüler Jesu sein. Jüngerschaft ist nicht plötzlicher Zustand geistlicher Reife, sondern ein Wachstumsprozess in der Schule Jesu. Wer in dieser Schule lernt, ist ein Jünger Jesu, egal wie weit er schon gewachsen ist.

      „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Johannes 1:12+13)

      Und was Umkehr und Buße betrifft...das darf kein einmaliges Event sein, sich also niemals einzig und allein auf die Bekehrung beschränken. Auch das ist ein lebenslanger Prozess, denn durch unser Fleisch werden wir immer Sünder bleiben und immer wieder straucheln oder fallen. Viele Christen vergessen das leider, die einen weil sie meinen, sie würden als Errettete nicht mehr sündigen und versperren sich somit jeglicher Sündenerkenntnis und der Überführung durch den Heiligen Geist. Die anderen haben diesen Kampf immer wieder verloren, haben deshalb das Kämpfen aufgegeben und lesen nur noch Bibelstellen über die Gnade in der Bibel. Sicher haben wir einen gnädigen Gott, aber er ist auch heilig und will, dass wir kämpfen, auch wenn wir den Kampf immer wieder verlieren. Warum? Nun, weil uns dieser Kampf immer stärker macht auf unserem Weg zum Überwinder und der ist uns in der Bibel ja vorgezeichnet. Die Segnungen und Belohnungen in der Ewigkeit sind in den sieben Sendschreiben der Offenbarung klar immer an dieselbe Bedingung geknüpft und die lautet „wer überwindet“. Wir müssen diesen Kampf annehmen, auch wenn wir noch so oft fallen. Aufstehen, Buße tun, Umkehren und Weiterlaufen, das ist der Weg eines Jüngers. Lasst uns das beherzigen, denn viel zu viele Christen um uns sind irgendwann mal liegengeblieben, haben sich an diesen passiven Zustand gewöhnt und kennen das Wort „Überwinder“ leider nur vom Hörensagen.

      „Denn der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf, aber die Gottlosen stürzen nieder im Unglück.“ (Sprüche 24:16)

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