21.Juni 2017 (Narzisstische Lehren – das Gebot der Selbstliebe)

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    • 21.Juni 2017 (Narzisstische Lehren – das Gebot der Selbstliebe)

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      Narzisstische Lehren

      das Gebot der Selbstliebe


      Im Laufe der Kirchengeschichte waren die geistlichen Leiter überwiegend Narzissten, deshalb brauchen wir uns nicht wundern, wenn dieses narzisstische Gedankengut sogar biblisch begründet wird. Deshalb müssen wir, wenn wir diese Stützpunkte Satans in uns bekämpfen wollen, den Mut haben, die allgemeinen Bibelauslegungen im Licht des Heiligen Geistes zu hinterfragen, sie gegebenfalls über Bord werfen oder zurechtrücken zu lassen.

      Dazu gehört ein angebliches Gebot zur Selbstliebe, das innerhalb der Pfingstbewegung neu entdeckt wurde und innerhalb der gesamten Christenheit des europäischen und nordamerikanischen Kontinents inzwischen beängstigende Ausmaße angenommen hat. Auf großen Kongressen, Konferenzen und Jugendtreffs vor Tausenden wird diese Selbsliebe-Ideologie verkündet, ohne dass auch nur einer aufsteht und widerspricht. Auch die Bibelschulen sind inzwischen von diesem Gedankengut durchzogen und wenn dann doch einer mal vorsichtig Bedenken anmeldet, dann bekommt man zur Antwort, dass das ja in der Bibel stehe, dass man sich lieben müsse, um überhaupt den andern lieben zu können und dann wird zitiert: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“.

      Neu ist diese Lehre durchaus nicht, sie hat ihren Ursprung in der Jahrtausend alten Lehre des Humanismus und floss von ihm in die Ende letzten Jahrhunderts entstandene Psychologie ein. Damals brachte ein Schüler Sigmund Freuds, nämlich der amerikanische Psychologe deutscher Herkunft „Erich Fromm“ ein Buch auf den Markt. Es erschien 1956 und hatten den Titel „The Art of Loving“, zu deutsch „die Kunst des Liebens“. Darin formulierte er als erster Psychologe die Theorie, dass man sich selbst zuerst lieben müsse, um andere lieben zu können. Interessant dazu ist Fromms Gottesbild, er sah in Gott einen grausamen Diktator, der u.a. Kain dazu trieb, seinen Bruder Abel zu ermorden. In diesem Buch schreibt er:

      „Die heutige Kultur (Anfang der 60er Jahre) ist von einem Tabu verseucht: das Tabu egoistisch zu sein. Uns wurde beigebracht, dass es eine Sünde sei, sich selbst zu lieben, und eine Tugend, wenn wir andere lieben.“

      Natürlich dauerte es nicht lange, bis diese Gedanken der bedingungslosen und unbegrenzten Selbstannahme dann auch im christlichen Mäntelchen erschienen. Wegbereiter war der amerikanische Fernsehprediger Robert Schuller. Sein Buch „Self-Esteem, the New Reformation“ hat wirklich eine Art Revolution ausgelöst, nur leider keine gute. Sein Schlüsselsatz in diesem Buch:

      „Gott möchte, dass wir alle gut über uns denken. Wiedergeboren zu werden bedeutet, dass wir von einem negativen Bild über uns selbst zu einem positiven verändert werden...Luther und Calvin haben sich in ihrer Theologie geirrt, indem sie Gott und nicht den Menschen zum Zentrum ihrer Theologie gemacht haben.“

      1975 schwappte diese psychologisch aufbereitete Selbstannahmewelle dann auch über den großen Teich nach Europa und bildete den Anfang einer Vermischung von Christentum und Psychologie. Es begann mit einem Buch des lutherischen Pastors Walter Trobisch mit dem Titel „Liebe dich selbst“ und trat seinen Siegeszug innerhalb des christlichen Lagers ähnlich erfolgreich an, wie heutzutage „die Hütte“. Im zweiten Kapitel schreibt er über die Quellen dieser Theorie und spätestens da sollte man eigentlich erkennen, dass er die Bibel mit der Brille Freuds und Fromms interpretiert:

      „Die Bibel nimmt die Erkenntnis der Tiefenpsychologie vorweg, dass es keine Nächstenliebe ohne Selbstliebe gibt...Für mich enthält das Liebesgebot Jesu nicht nur einen Imperativ und einen Indikativ, also einen Befehl (Liebe deinen Nächsten) und eine feststellende Aussage (du liebst ja auch dich selbst), sondern das Liebesgebot Jesu enthält für mich auch einen zweiten Befehl: „Liebe dich selbst!“ Oder moderner ausgedrückt: Nimm dich selber an! Nur wer sich selbst annimmt, kann den anderen annehmen. Nur wer sich selbst liebt, kann den anderen lieben.“

      Nach Ansicht der heutigen Bibelschullehrer, Prediger, Propheten und Evangelisten, allen voran Joyce Meyer ist nicht mehr das Hauptproblem des Menschen, dass er Gott (durch seinen Lebenswandel) nicht verherrlicht, sondern dass er sich selbst nicht achtet und nicht liebt. Das ist der Grund, warum wir heute weitgehend ein narzisstisches Evangelium der Selbstsucht haben, das uns so lange mit Selbstbestätigung überschüttet und psychotherapeutisch aufbläht, bis wir in Selbstanbetung enden.

      Wollen wir also das Thema Selbstliebe im Licht der Bibel betrachten. Dieser angebliche Befehl wird auf einige Stellen im Neuen Testament gegründet, aber eigentlich nehmen Jesu, Paulus und Jakobus nur Bezug auf eine einzige Stelle der Bibel:

      „Du sollst deinen Nächsten weder bedrücken noch berauben. Der Lohn des Taglöhners soll nicht über Nacht bei dir bleiben bis zum Morgen. Du sollst dem Tauben nicht fluchen und dem Blinden keinen Anstoß in den Weg legen, sondern du sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR! Ihr sollt keine Ungerechtigkeit begehen im Gericht; du sollst weder die Person des Geringen ansehen noch die Person des Großen ehren; sondern du sollst deinen Nächsten gerecht richten. Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk! Du sollst auch nicht auftreten gegen das Blut deines Nächsten!1 Ich bin der HERR. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen; sondern du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, dass du nicht seinetwegen Schuld tragen musst! Du sollst nicht Rache üben, noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes, sondern du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Ich bin der HERR.“ (3.Mose 19:13-18)

      Wenn wir den Kontext beachten, ist eindeutig, dass Gott durch Mose im Vers 18 nicht befiehlt, sich selbst zu lieben, sondern dass er in etwa das verkündet, was uns das Sprichwort lehrt: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg´ auch keinem Andern zu“. Eindeutig.

      Im Neuen Testament lehrt Jesus diesbezüglich:

      „Da trat einer der Schriftgelehrten herzu, der ihrem Wortwechsel zugehört hatte, und weil er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das erste Gebot unter allen? Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot unter allen ist: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!« Dies ist das erste Gebot. Und das zweite ist [ihm] vergleichbar, nämlich dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« Größer als diese ist kein anderes Gebot.“ (Markus 12:28-31)

      Jesus sagt hier, das erste Gebot sei Gott zu lieben, das zweite den Nächsten zu lieben, aber über ein drittes sagte er nichts. Eindeutig. „Wie dich selbst“ ist keine Aufforderung, sondern grammatikalisch gesehen lediglich ein Vergleich. Zum dritten steht hier das Wort „Agape“, was niemals eine menschliche, sondern immer die göttliche Liebe bezeichnet. So verhält es sich auch mit der zweiten gern zitierten Bibelstelle Lukas 10:25-28:

      „Und siehe, ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Und er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du? Er aber antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!« Er sprach zu ihm: »Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!«“

      Auch hier steht das griechische Wort „Agape“, die reine, selbstlose, göttliche Liebe, die man niemals selbst produzieren kann. Das menschliche (nichtsexuelle) Lieben als Beziehungsgrundlage nannten die Griechen „phileo“ und wenn diese Liebe auf sich selbst bezogen ist, benutzte man das Wort „philauto“ und auch das finden wir in der Bibel. Paulus schrieb es seinem Mitarbeiter Timotheus:

      „Das aber sollst du wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden sich selbst lieben [philauto], geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind, Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie.“ (2.Timotheus 3:1-4)

      Im Urtext gibt es keine Satzzeichen wie Kommas etc. Deshalb könnte hinter dem Wort „selbstliebend“ genausogut ein Doppelpunkt stehen, denn alles, was der Apostel dazu weiter ausführt ist eine Folge dieser Selbstliebe oder Selbstsucht, sie führt in Narzissmus und „von solchen wende dich ab,“ empfahl der Apostel seinem Freund und Schüler.

      Die biblische Sicht des Menschen nach dem Sündenfall ist und bleibt, dass der gefallene Mensch

      Das ist das biblische Bild des gefallenen Menschen. Und weil diese Lehre in den letzten Jahrzehnten immer weniger gepredigt wird, statt dessen aber viel von Selbstachtung und Selbstliebe und Selbstannahme zu hören und zu lesen ist, darum gibt es heute zum Teil solch eigenartige „Bekehrungen“, wo man hinterher den Eindruck hat:
      • hier hat das Kreuz Jesu nicht wirklich seine Arbeit tun können...
      • hier ist nicht wirklich das alte Leben in den Tod gegeben worden...
      • hier ist nicht wirklich Christus im Zentrum eines Menschen und...
      • hier ist nicht wirklich neues, göttliches Leben in eine Seele eingeflossen...

      „...nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Galater 2:20)

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