13.Juni 2017 (Gnadenentzug)

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    • 13.Juni 2017 (Gnadenentzug)

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      Gnadenentzug

      Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt, kamen und berichteten ihrem Herrn den ganzen Vorfall. Da ließ sein Herr ihn kommen und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest; solltest denn nicht auch du dich über deinen Mitknecht erbarmen, wie ich mich über dich erbarmt habe? Und voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt.“ (Matthäus 18:31-35)

      Ist das nicht ein gerechtes Urteil, das der König jetzt über diesem Knecht ausspricht? Ich denke, jeder empfindet das als gerecht, sagt doch schon der Volksmund: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu.“ Mit diesem Spruch stimmt nahezu jeder überein, solange es ihn selbst nicht unmittelbar betrifft. Aber komischerweise können wir das plötzlich meist nicht mehr so sehen, wenn es um uns selbst geht. Sobald wir involviert sind, ist das was ganz anderes, da sind wir uns absolut sicher. So wird auch dieser Knecht gedacht haben: Meine Schuld hätte ich gar nie zurückzahlen können, aber mein Mitknecht, der kann das, also kann man die beiden Situationen gar nicht vergleichen. Oder: Meinem Herrn tun die 10.000 Talente Verlust nicht weh, aber mir die 100 Dinare schon. Deshalb ist das, was er mir angetan hat ungleich schlimmer. - Erkennen wir uns darin wieder? Also ich mich schon. Aber genau das ist das Messen mit zweierlei Maß, was Jesus bei den Pharisäern so erzürnt hatte. Es ist eine Form von Willkür, Scheinheiligkeit und Empathielosigkeit anderen gegenüber, wie auch übersteigerter Eigenliebe, also eine narzisstische Wurzel. Und sobald wir sowas in uns erkennen, sollten wir Buße tun und Gott bitten, uns von dieser Wurzel zu befreien. Interessant, dass die Mitknechte, die außer dem einen ja nicht betroffen waren, das exakt so empfanden wie der König. Wir lesen hier im Vers 31 „sie waren sehr betrübt“. Im Urtext steht hier das Wort „lupeo“ und das bedeutet „betrübt sein“, „ungehalten sein“, fassungslos sein“, „entsetzt sein“ „ungehalten werden“, „sich empören“, „traurig sein“, „zornig werden“, das steht alles für die Emotionen, die wir empfinden, wenn wir mit Ungerechtigkeit konfrontiert werden. Alle, auch Gott, der König, hatte diese Emotionen, nur der Knecht, dem alles erlassen worden war nicht. Und da greift Gott ein und übergibt ihn den Folterknechten, wo er geistlich, psychisch und auch physisch misshandelt wird, damit er die Schuld, die er auf sich geladen hat erkennen kann.

      Es steht außer Zweifel, dass die Folterknechte für dämonische Belastungen stehen. So sind viele Krankheiten zu sehen, selbst ungläubige Ärzte und Wissenschaftler haben inzwischen erkannt, dass Krebsgeschwüre und Unverzeihlichkeit oft in einem sehr engen Zusammenhang stehen und sie meinen dadurch eine völlig neue Erkenntnis gewonnen zu haben. Aber das lehrte Paulus schon vor über 2000 Jahren:

      „Wer also unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken; denn wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. Deshalb sind unter euch viele Schwache und Kranke, und eine beträchtliche Zahl sind entschlafen.“ (1.Korinther 11:27-30)

      „Unwürdig“ bedeutet „mit der falschen Herzenshaltung“. Oder mit hartem, unbeschnittenen Herzen. Paulus schreibt aber weiter:

      „Denn wenn wir uns selbst richteten, würden wir nicht gerichtet werden; wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verurteilt werden.“ (1.Korinther 11:31+32)

      Sich selbst richten bedeutet seine Verfehlungen zu erkennen, Gott und auch seinen Mitmenschen gegenüber zu bekennen und Buße zu tun. Ansonsten „werden wir vom Herrn gezüchtigt“, das bedeutet kommen wir unter dämonischen Einfluss. Das stellt keine Rache oder Strafe Gottes dar, sondern soll unserem Heil dienen, unserer Zurechtbringung. Der Teufel hat in dem Moment, wo wir sündigen, Rechte an uns, denn dadurch dienen wir ja ihm und nicht Gott und es ist die Bewahrung Gottes durch das Blut Jesu, was verhindert, dass er diese Rechte auch sofort wahrnehmen kann. Das bedeutet es, unter der Gnade Gottes zu stehen. Wenn wir aber unverzeihlich sind, dann treten wir diese Gnade mit Füßen und fallen so aus der Gnade und kommen unter dämonische Herrschaft.

      Ich hatte mal eine Frau in der Seelsorge, die gläubig war und mich nach einem Suizidversuch kontaktierte. Sie war eine eifrige Missionarin gewesen und jeder in ihrer Gemeinde schätzte ihre evangelistischen Straßeneinsätze sehr. So eifrig sie auch für den Herrn unterwegs war, sie war eine Verbalterroristin, deren Zunge scharf wie ein Messer war, was vor allem ihr Ehemann zu spüren bekam. Irgendwann mal hatte sie es übertrieben und der Mann ist ausgerastet, warf sie zu Boden, packte sie bei den Haaren und hatte die andere Hand zu einer Faust geballt. Aber er konnte nicht zuschlagen. Sie erzählte, sie habe einen Engel gesehen, der die Hand des Mannes festhielt und betrachtete das als Bestätigung, dass er allein das Übel in ihrer Beziehung gewesen sei. Er bat sie, ihm das zu vergeben, schon um der gemeinsamen drei Kinder willen, aber sie wollte nicht. Sie packte ihre Sachen und verließ das Haus, um bei einer Freundin erstmal unterzukommen. In ihrer Gemeinde sprach man mit ihr, dass sie vergeben müsse, stieß bei ihr aber auf taube Ohren und nach ein paar Tagen verließ sie die Gemeinde. Kurze Zeit später traf sie in einem Cafe einen Mann und ließ sich sofort auf einen One-Night-Stand mit ihm ein. Unter anderem zeigte er ihr auch den leeren Kleiderschrank seiner Exfrau. Sie erzählte, dass in dem Moment der "Heilige Geist" zu ihr gesprochen hätte und ihr sagte, dass sie dort sofort ihre Sachen einräumen und dort einziehen solle.

      Hier fing nun ihr wirkliches Martyrium an, denn dieser Mann schlug sie regelmäßig, überwachte sie den ganzen Tag und wenn er aus dem Haus musste, schloss er sie ein. Eines Tages gelang ihr dann die Flucht, sie wurde aber von ihm wieder gefunden und in die Wohnung zurückgezerrt. Dort verprügelte er sie derart, dass sie voller Hämatome und mehreren Rippenbrüchen war. Sie erzählte mir später, dass sie währenddessen gebetet hätte, dass aber Gott diesmal nicht eingegriffen hätte und dass sie seitdem alles Vertrauen zu ihm verloren hätte. Sie hätte inzwischen allen alles vergeben, außer diesem Mann (und Gott) und das müsse sie auch nicht, das habe ihr wieder dieser "Heilige Geist" gesagt. Sie schaffte den Absprung diesmal und zog weit weg mit ihrer inzwischen 16 jährigenTochter und ihren beiden Söhnen im Alter von 8 und 10 Jahren. Sie begann zu trinken, erst Wein, dann Vodka. Dazu ließ sie sich dann Psychopharmaka verschreiben, weil sie ständig verurteilende Stimmen hörte. Es folgten Magen- und Zwölffingerdarmprobleme, weshalb sie zusätzlich starke Schmerzmittel einnahm. Irgendwann führten sie diese Stimmen, die sie unter Einfluss ihres Tablettencocktails nicht mehr ausblenden konnte, dann in einen Suizidversuch, jedoch die Tochter hatte noch bevor sie sprang, die Polizei verständigt und so kam sie erstmal in eine psychiatrische Anstalt. Ich sagte ihr damals, dass diese Stimme eine dämonische Belastung seien, die sie aufgrund ihrer Unverzeihlichkeit quälen durften, aber davon wollte sie nichts wissen und brach die Seelsorge ab.

      Ich möchte es abkürzen. In den nächsten zwei Jahren folgten 3 Krankenhausaufenthalte wegen äußerst schmerzhaften Bauchspeicheldrüsenentzündungen, ihre Tochter zog kurz vor ihrem 18. Geburtstag aus und die beiden Jungs mussten ihr wegen drohender Verwahrlosung, Verhaltensauffälligkeiten und Drogendelikten genommen und in Heimen untergebracht werden. Dazwischen waren immer wieder Männergeschichten und Beziehungen, die man sich kranker und kaputter nicht vorstellen kann. Vor ein paar Wochen hörte ich, dass sie mal wieder in einer Kur sei.

      Ich schrieb das, damit wir eine Vorstellung haben, was diese Folterknechte im Leben eines Menschen, ja eines gläubigen Menschen, anrichten können. Wir sollten das sehr ernst nehmen, wenn Jesus am Ende des Gleichnisses nochmal betont:

      „So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt.“ (Matthäus 18:35).

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