9.Juni 2017 („Er aber wollte nicht“ )

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    • 9.Juni 2017 („Er aber wollte nicht“ )

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      „Er aber wollte nicht“


      So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut; ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Über dies alles aber [zieht] die Liebe [an], die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen; zu diesem seid ihr ja auch berufen in einem Leib; und seid dankbar! (Kolosser 3:12-15)


      Wir würden es sicherlich als normal empfinden, hätte dieser Knecht jetzt ein großes Fest gegeben und mit allen gefeiert, mit Sympathischen und Unsympathischen, um so seiner völligen Freude Ausdruck zu verleihen, so wie es der Vater des verlorenen Sohns getan hatte und das vergeudete Erbe nicht zurückgefordert hat. Aber wir müssen Anderes lesen:

      "Als aber dieser Knecht hinausging, fand er einen Mitknecht, der war ihm 100 Denare schuldig; den ergriff er, würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du schuldig bist! Da warf sich ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen! Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.“ (Matthäus 18:28-30)

      Wir sehen hier wieder ganz deutlich, dass Gottes Maßstäbe total anders sind, als unsere eigenen. Die Schuld, die dem Knecht erlassen worden war betrug 130 000 000 Tagessätze, die des Mitknechts beim Knecht 100 Tagessätze. „Er ergriff ihn und würgte ihn“, auch eine typisch narzisstische Eigenschaft, die im Reich Satans selbstverständlich ist, für einen Christen, der ein wenig von der Gnade Gottes ihm gegenüber erfasst hat, aber ein absolutes NoGo ist. Besser gesagt sein sollte, wobei Gewaltausübung nicht erst beim „Würgen“ beginnt, sondern bereits beim Drohen und Einschüchtern, warum? Weil das ein Mittel der Manipulation ist und damit sind wir wieder bei Zauberei, die Gott zuwider ist. Dazu gehört auch das Bloßstellen vor Anderen, indem man weitererzählt, wie dieser Bruder oder diese Schwester an mir schuldig geworden ist. Solche Dinge sind dazu angetan, Geschwister zu isolieren, das ist es, was Jesus hier mit „ins Gefängnis werfen“ meint. Keine Gnade, kein Erbarmen, keine Empathie für andere, nur für sich selbst. Das ist Narzissmus par excellance. Freddy Mercury brachte es auf den Punkt mit dem Song: „I want it all and I want it now“. Die fromme Maske, die der Knecht auf Knieen vor seinem Herrn noch aufrecht erhalten konnte fiel in dem Moment, als er den Mitknecht sah und dessen vergleichsweise geringe Schuld sofort mit aller Macht und Gewalt eintrieb.

      Ich hatte mal jemanden über einen Zeitraum von über einem Jahr in der Seelsorge und half demjenigen auch praktisch, indem ich ihm einige Dinge aus meinem Besitz leihweise zur Verfügung stellte, wenn ich alles so zusammenrechne, komme ich auf eine Summe von ca. 1000 Euro. Als ich dann die nahezu tägliche Seelsorge abbrechen musste, weil ich den Eindruck hatte, dass die Bitterkeit im Herzen dieser Person zunahm, brach dieser Mensch sofort jeglichen Kontakt mit mir ab, versuchte mich mit obigen Mitteln innerhalb meiner Gemeinde schlecht zu machen und machte keine Anstalten, das Geborgte wieder zurückzugeben. Zuerst machte mich das total wütend. Aber dann, nach einigen Gebeten wurde mir klar, dass das, was mir dieser Mensch angetan hatte nur ein Klacks war, im Vergleich zu dem, was ich schon Jesus und dem Reich Gottes angetan habe. Als mir dann dessen Vorwürfe und Unterstellungen über Dritte zugetragen wurden, sagte ich nur, dass das nicht wahr sei, ohne meinerseits denjenigen schlecht zu machen. Ich hatte auch den Eindruck, dass ich die Forderung meines Eigentums in Gottes Hände legen sollte und hatte dann da nach einiger Zeit auch einen tiefen Frieden drüber. Ich erzähl das nicht, um zu zeigen, was für ein toller Christ ich bin, denn das bin ich wirklich nicht, ich will damit auch nicht sagen, dass man prinzipiell nichts zurückfordern soll, aber ich sollte hier lernen, alles zu tun, um mein Herz nicht vom Feind verhärten zu lassen und diese Lektion war mir sehr, sehr wichtig. In dem Maße, wie wir Gottes Gnade in und über unserem Leben erkennen und in Anspruch nehmen, können und müssen wir sie auch weitergeben, denn Gnade ist ein Strom, der ständig fließt. Wenn wir sie nur für uns selbst in Anspruch nehmen, aber nicht weiterfließen lassen, dann messen wir mit zweierlei Maß. Damit betrügen wir nicht nur den Anderen sondern auch uns selbst und der Teufel wird das sofort benutzen, um unser Herz zu verhärten, Schicht um Schicht, bis es nur noch Mitgefühl für sich selbst kennt und dann sind wir wirklich aus der Gnade gefallen, wie Paulus den Galatern schreibt.

      „Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.“ (Sprüche 4:23)

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