29.März 2017 (Thema Zorn)

    • 29.März 2017 (Thema Zorn)

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      Thema Zorn


      Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (Johannes 3:36)

      Im Laufe meines Christseins habe ich unzählige Predigten über die Liebe Gottes gehört und das ist auch gut so, aber mir fällt keine einzige ein, die sich mit dem Zorn Gottes befasst hätte. Deshalb denke ich, ist es ganz gut, wenn wir uns an dieser Stelle mal Gedanken über Zorn im allgemeinen und den Zorn Gottes im speziellen machen. Ich kann das hier nicht allumfassend machen, denn die ganze Wahrheit darüber kennen wir nicht, aber das, was wir wissen, ist so komplex, dass es mit Sicherheit mehrere dicke Bücher fassen würde. Ich möchte es hier so einfach wie möglich machen, wenn einer von euch als Seelsorger tätig ist, sollte er sich selbst anhand der Bibel weitere Gedanken darüber machen, denn der Zorn im Menschen ist bei jedem geistlichen Problem ursächlich zu finden.

      Die beiden zornigsten Personen im Universum sind Gott und der Teufel. Ich weiß, dass diese Aussage schockierend für die meisten Christen ist, aber sie ist dennoch wahr. Es gibt – je nach Übersetzung – über 200 Bibelstellen über den Zorn Gottes, wobei das Adjektiv „zornig“ und das Verb „erzürnen“ unberücksichtigt sind. Und vom Teufel wissen wir, dass er von Zorn getrieben ist:

      „Darum seid fröhlich, ihr Himmel, und die ihr darin wohnt! Wehe denen, die auf der Erde wohnen und auf dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch herabgekommen und hat einen großen Zorn, da er weiß, dass er nur wenig Zeit hat.“ (Offenbarung 12:12)

      Nun ist Gott nicht der Teufel und Satan nicht Gott, auch wenn er das unbedingt sein will, deshalb ist ihr Zorn auch nicht derselbe. Der Zorn Satans entspringt seiner Wut und seinem Hass, während Gottes Zorn seiner Liebe und Barmherzigkeit entspringt. Deshalb ist der Zorn Satans ungerecht, der Zorn Gottes aber Ausdruck seiner Gerechtigkeit.

      „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten.“ (Römer 1:18)

      Bevor wir uns näher mit dem Zorn Gottes beschäftigen, sollten wir „Zorn“ im allgemeinen besser verstehen lernen und die erste Erkenntnis davon haben wir bereits bekommen. Es gibt einen gerechten Zorn und einen ungerechten Zorn. Die Frage ist, wie wir das unterscheiden können und dazu müssen wir zuerst mal erkennen, dass Zorn, biblisch betrachtet, immer die gesamte Person betrifft, also Geist Seele und Leib des Menschen, wodurch die Bibel wesentlich weiter geht, als die moderne Psychologie, die den Zorn auf einen Gefühlszustand reduziert.

      Zorn ist etwas, das wir mit allem, was wir als Person sind, tun. Das richtige Verständnis hiervon hilft uns, die Halbwahrheiten zu durchschauen, mit der uns unsere Kultur über den Zorn belügt. Jeder Teil der menschlichen Natur ist am Zorn beteiligt. Zorn bezieht sogar unseren Körper mit ein. Bei uns selbst und oftmals auch anderen können wir das unschwer erkennen: das gerötete Gesicht, der Adrenalinstoß, die angespannten Muskeln, der aufgewühlte Magen, die nervöse Anspannung. Es ist kein Zufall, dass viele unserer Ausdrucksformen für Zorn aus diesen körperlichen Auswirkungen stammen: „Mir platzt der Kragen“, „vor Wut kochen“, „Feuer speien“, „explodieren“, „rot sehen“, „heißblütig“, „allmählich wütend werden“. Natürlich registrieren unsere Hormone, der Blutfluss, die Muskeln und der Gesichtsausdruck den Zorn. Aber das ist noch nicht alles. Aus biblischer Sicht praktiziert die ganze Person den Zorn.

      Wenn jemand sagt: “Ich bin zornig”, denken wir in der Regel zuerst an Gefühle. Seltsamerweise scheinen sich allerdings einige der am meisten beängstigenden Formen des Zorns beinahe jenseits der Gefühle zu befinden. Sie sind eher eisig als heiß. Mir fällt da eine junge Frau in der Seelsorge ein, die seit ihrer frühesten Kindheit sexuellen Missbrauch quer durch ihre Familie und Verwandtschaft erleben musste. Als ich sie fragte, ob sie nicht zornig auf ihre Peiniger sei, sah sie mich mit eiskalten Augen an und sagte: „ Nein, ich werde eher ruhig, wenn ich an sie denke.“

      Zorn ist auch in Gedanken, geistigen Worten und Bildern, Einstellungen und Urteilen enthalten. Er bezieht die Vernunft, die Vorstellungskraft, das Gedächtnis, das Bewusstsein, jede innere Kraft, mit ein. Selbst wenn es nicht zu Worten oder Handlungen kommt, denkt die zornige Person heftig nach. Dieses scharf (ver)urteilende Verhalten ist in der Natur des Zorns festgeschrieben. Es ist eine Geisteshaltung des Richtens, der Verdammung und des Missfallens gegenüber Personen oder Dingen. Worte und Handlungen werden gedacht und geplant, egal, ob sie jemals gesagt oder getan werden.

      Zorn kann aber auch durchaus gewisse Dinge machen. Er zeigt sich in anklagenden oder sarkastischen Worten, Flüchen, Übertreibungen, Gebärden, Schlägen, empörten Seufzern, Verlassen des Raumes, Anschwellen der Lautstärke, Bedrohungen und finsteren Blicken. Wir praktizieren Zorn mit allem, was wir sind. Und die Handlung verdichtet sich. Zorn steht, wie andere Sünden, selten allein da. Er ist oftmals tief mit anderen persönlichen Problemen verwoben. Zorn und Angst sind oft enge Verwandte. Ich vergesse nicht, wie eine Mutter in Raserei auf ihr etwa 5-jähriges Kind einschrie, das nach einem Unfall auf dem Spielplatz am Boden lag und weinte. Sie hatte Angst; sie brüllte anstatt zu trösten. Auch Drogenkonsum, Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch kann oftmals mit Zorn in Verbindung stehen bis hin zum Suizid unter dem Gesichtspunkt: „Jetzt müsst ihr damit leben, was ihr mir angetan habt“.

      Auch sexuelle Unmoral ist oftmals mit Zorn verknüpft. „Meine Frau will mir nicht geben, was ich brauche, also hol ichs mir woanders.“ Ebenso Selbstbeschuldigung, Selbstanklage, bis hin zur Selbstquälerei (Zigaretten auf der Haut ausdrücken, den Kopf gegen die Wand schlagen, sich ritzen etc.) sind überwiegend Ausdruck des Zorns auf das Umfeld und/oder sich selbst.

      Dass diese Arten des Zorns sündhaften Charakter haben, haben wir sicherlich erkannt. Soweit haben wir den sündhaften Zorn vor allem als ein persönliches Problem beschrieben. Zorn verfolgt immer eine Absicht, ein Ziel. Dieser sündhafte Zorn ist offensichtlich ein zentrales Merkmal zwischenmenschlicher Konflikte, wo immer sie auftauchen, eine Art Krieg mit sowohl offensiven als auch defensiven Strategien. Menschen schießen auf der einen Seite Pfeile böswilliger Anschuldigungen und errichten auf der anderen Seite dicke Mauern aus gekränkter Selbstgerechtigkeit, Angst und Verletzungen. Hier übernimmt der Zorn sowohl die militärische als auch die richterliche Rolle. Er ist eine ideale Waffe, um das zu bekommen, was wir wollen oder von dem wir meinen, dass es uns zusteht. Zorn erpresst, schüchtert ein und manipuliert. Das macht Zorn zu Satans größtem und erfolgreichstem Einfallstor.

      Es ist kein Wunder, dass Zorn auch eine zentrale Rolle in der grundlegendsten Beziehung zwischen Mensch und Gott spielt. Viele Menschen sind auf Gott zornig. Sie behandeln ihn auf die gleiche Art, wie sie andere Menschen behandeln. Die Israeliten murrten ohne Unterschied, und sie klagten sowohl Moses als auch Gott an. Gott wird auch häufig zum Ziel menschlichen Spotts, Flüche, Bitterkeit und absichtlicher falscher Darstellung. Als der Sohn Gottes über die Erde ging, wollten die Menschen ihn zu fassen bekommen. Oftmals sehen die Menschen Gott durch die Brille des anklagenden Zorns: als wenn Gott in Wahrheit der Teufel wäre, ein Spielverderber von böswilliger Natur, gesetzlich, grausam, weit entfernt, einer, der sich nicht kümmert. Das ist kein Wunder. Falls ich glaube, dass Gott dazu da ist, um mir zu geben, was ich will oder was mir vermeintlich zusteht, werde ich wütend, wenn er es mir nicht gibt. Wenn man es tatsächlich von dem Standpunkt aus betrachtet, was das menschliche Herz motiviert, hat aller sündhafter Zorn einen direkten Bezug zu Gott, auch wenn wir das überwiegend nicht realisieren.

      „Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan samt aller Bosheit.“ (Epheser 4:31)

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