20.März 2017 (Die Mutter und ihre beiden Töchter)

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    • 20.März 2017 (Die Mutter und ihre beiden Töchter)

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      Die Mutter und ihre beiden Töchter


      „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der Herr." (Jeremia 31:31+32)


      Wie bereits festgestellt sind die Bündnisse Gottes auf Ewigkeit angelegt, das galt auch für den Bund mit Israel, denn Gott ist nicht nur gerecht, sondern auch wahrhaftig und Treue ist ein Aspekt von Wahrheit. Israels Herzenshärte jedoch führte dieses Volk in Untreue, also Götzendienst und Gott vergab und vergab und vergab und flehte seine „Ehefrau“ immer wieder an, ihr Herz doch beschneiden zu lassen und nicht nur ihre „Vorhaut“. Irgendwann war das Maß voll und diese ungleiche Ehe musste beendet werden.


      In der Schrift gibt es vier Antworten auf die Länge einer Ehe:
      1. Sie war für ewig beabsichtigt (Hosea 2:21+22)
      2. Sie endet wesentlich im Fall der Untreue (Hebräer 13:4)
      3. Sie endet offiziell mittels eines Scheidebriefs (5.Mose 24:1)
      4. Sie endet mit dem Tod eines der beiden Bündnispartner. (1.Korinther 7:39)

      Wenn wir tiefer in die Materie einsteigen wollen, müssen wir uns mit dem biblischen Unterschied zwischen „Juden“ und „Israeliten“ beschäftigen. „Israeliten“ sind ursprünglich alle diejenigen, die Jakob, der nach seinem Ringen mit Gott am Jabokfluss „Israel“ hieß, zum Stammvater hatten. Das war das Volk Israel oder die „Kinder Israel“, die von Mose aus Ägypten geführt worden waren. Nach der Herrschaft Salomos wurde dieses Reich auf Grund dessen Götzendienstes aber in zwei Teile geteilt, das Südreich, wo die Nachfahren Judas und Benjamin lebten und welches ab dieser Zeit „Juda“ hieß und das Nordreich, das aus den restlichen 10 Stämmen bestand und weiterhin Israel genannt wurde. Es waren zwei autonome Reiche, von denen jedes durch einen eigenen König regiert wurde.

      Ab dieser Zeit nannte man die Bewohner des Südreichs mit der Hauptstadt Jerusalem „Juden“ und die des Nordreichs mit der Hauptstadt Samaria „Israeliten“. Im Laufe der Kirchengeschichte vermischte man diese beiden „Töchter“ des ursprünglichen Israels wieder miteinander und nannte alle diese völlig unbiblisch „Juden“. Gott hatte seinen Bund mit dem ursprünglichen Israel geschlossen, was er auch „Mutter“ nannte. Die Generationen nach der Teilung nannte er Töchter, also Juda und Samaria und natürlich galt sein Bund auch für diese „Töchter“, auch wenn Gott diese beiden danach nicht mehr pauschal betrachtete und beurteilte.

      Als Gott diesen Bund auflöste, stellte er also geistlich gesehen einen Scheidebrief aus, das war zu Zeiten Jesajas (740 – 701) , als ein großer Teil des Nordreichs in Folge dessen in assyrische Gefangenschaft geführt wurde:

      „So spricht der Herr: Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie verstoßen habe? Oder welchem von meinen Gläubigern habe ich euch verkauft? Siehe, ihr seid um eurer Sünden willen verkauft worden, und um eurer Übertretungen willen ist eure Mutter verstoßen worden.“ (Jesaja 50:1)

      Dieser Prozess der Verstoßung durch den Scheidebrief wurde also mit den Assyrern gestartet und durch die nachfolgende babylonische Gefangenschaft abgeschlossen, wo Israel (das Nordreich) dann unter die Herrschaft Babylons kam. Das war im Jahre 605 v.Chr zu Zeiten des Propheten Jeremia. Deshalb lesen wir bei ihm über die beiden „Schwestern“:

      „Und der Herr sprach zu mir in den Tagen des Königs Josia: Hast du gesehen, was Israel, die Abtrünnige, getan hat? Sie ist auf jeden hohen Berg und unter jeden grünen Baum gelaufen und hat dort Hurerei getrieben! Und ich dachte, nachdem sie das alles getan hat, wird sie zu mir zurückkehren. Aber sie kehrte nicht zurück. Und ihre treulose Schwester Juda sah dies; ich aber sah, daß, obwohl ich die abtrünnige Israel wegen ihres Ehebruchs entlassen und ihr den Scheidebrief gegeben hatte, sich ihre treulose Schwester Juda nicht fürchtete, hinzugehen und auch Hurerei zu treiben. Und so kam es, daß sie durch ihre leichtfertige Hurerei das Land entweihte; und sie trieb Ehebruch mit Stein und Holz. Trotz alledem ist ihre treulose Schwester Juda nicht von ganzem Herzen zu mir zurückgekehrt, sondern nur zum Schein, spricht der Herr.“ (Jeremia 3:6-10)

      Dieser Scheidebrief betraf also nicht die Tochter Juda (Südreich), sondern nur die Tochter Israel (Nordreich) und deren gemeinsame Mutter, das ursprüngliche Gesamtisrael, denn Juda kam nicht in die babylonische Gefangenschaft. Die Ehe Gottes mit der Tochter Juda wurde nicht durch einen Scheidebrief beendet, sondern sie endete mit dem Tod des Ehemannes, genauer gesagt mit seiner Ermordung durch die Braut Juda, also die „Juden“. Auch hieran sehen wir, dass Jesus Gott ist. Die sichtbare Folge dessen, dass auch dieser Bund aufgelöst worden war, ist die Eroberung Judas durch die Römer 67-70 n.Chr., wobei etwa eine Million Juden getötet wurden und etwa ebenso viele landeten auf den römischen Sklavenmärkten.

      So machte Juda das Maß seiner Schwester Israel und ihrer Mutter „Haus Jakob“ voll, indem sie den menschgewordenen Gott und Ehemann umbringen ließ. Deshalb brauchts hier auch keinen Scheidebrief, denn der Ehebund endet ja mit dem Tod des Partners. Darüber erfahren wir, wenn auch in einem anderen Zusammenhang von Paulus:

      "Wisst ihr nicht, Brüder und Schwestern – denn ich rede mit denen, die das Gesetz kennen –, dass das Gesetz nur herrscht über den Menschen, solange er lebt? Denn eine Ehefrau ist an ihren Mann gebunden durch das Gesetz, solange der Mann lebt; wenn aber der Mann stirbt, so ist sie frei von dem Gesetz, das sie an den Mann bindet. Wenn sie nun bei einem andern Mann ist, solange ihr Mann lebt, wird sie eine Ehebrecherin genannt; wenn aber ihr Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie bei einem andern Mann ist." (Römer 7:1-3)

      Das Gesetz ist der Vertrag, der der Braut, den Kindern Israels, am Sinai gegeben und von ihnen angenommen worden war (2.Mose 20-24). Die Wirkung des Gesetzes hört da auf, wo der Tod eingetreten ist, denn der Begriff „Treue“ ist da absolut inhaltslos geworden. Man definiert in der Bibel Tod nämlich mit Abwesenheit von Gemeinschaft. Das Gesetz kann deshalb keine Lebenden mit Toten verbinden oder umgekehrt. Was Paulus hier schreibt, ist auf des Ende dieses Gesetzes gerichtet, nämlich auf das definitive Ende der Ehe zwischen dem Hause Juda und Gott. Der Mann war gestorben (Jesus als Gott am Kreuz) und die Frau war als Witwe frei von seiner Gemeinschaft und seinem Gesetz. Das, was der Apostel hier klar macht, sind eindeutige Worte, die einen ganz einfachen Sachverhalt erklären. Und das war die vierte Antwort auf die Frage nach der Länge einer Ehe im Alten Testaments. Sie dauerte, bis der Tod die beiden Partner trennte.

      Wir haben im allgemeinen eine eher negative Vorstellung von diesem Gesetz, aber dieses Gesetz verpflichtet nicht nur die Braut Israel zur Treue, sondern Gott selbst verpflichtete sich darin zur Treue, Gemeinschaft mit seiner Braut zu haben, sie wie seinen Augapfel zu hüten und ihr in allen Schwierigkeiten beizustehen, solange sie sich an die Rechtsbestimmungen vom Sinai hielt. Aber mit dem Tod Jesu endete die Bündnispflicht Gottes im Bezug auf seine Ehefrau Juda, wie sie auch zuvor der „Schwester“ Israel und der „Mutter“ Haus Jakob gegenüber durch den Scheidebrief geendet hatte. Mit dem Tod Jesu war also das gesamte Haus Jakob, die Mutter und die beiden Töchter Israel und Juda, oder auch Samaria und Jerusalem, aus der Gemeinschaft mit Gott ausgestoßen, von seiner Fürsorge also getrennt worden. Dies hatte wohl Jeremia bereits vor Augen, als er die prophetischen Worte Gottes verkündete:

      „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der Herr. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Erkenne den Herrn!« Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der Herr; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!“ (Jeremia 31:31-34)

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