17.März 2017 (Von der Braut zur Hure)

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    • 17.März 2017 (Von der Braut zur Hure)

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      Von der Braut zur Hure


      „...keiner von euch soll in das Land kommen, über dem ich meine Hand [zum Schwur] erhoben habe, um euch darin wohnen zu lassen — ausgenommen Kaleb, der Sohn Jephunnes, und Josua, der Sohn Nuns! Eure Kinder aber, von denen ihr gesagt habt, daß sie zum Raub würden, die will ich hineinbringen, und sie sollen das Land kennenlernen, das ihr verachtet habt...“ (4.Mose 40:30+31)

      Gott war der Bräutigam und das Volk Israel die Braut und dann die Ehefrau. Gottes Bund war nicht mit dem Einzelnen, sondern mit einem Volk, auch nicht nur einer Generation, sondern der gesamten Generationenfolge dieses Volkes. Das können wir an Hand dieser Bibelstelle erkennen. Der Beginn der Ehe, also die Verlobung geschah mit der Exodusgeneration am Sinai, als das Volk den Ehe- oder Bundesvertragsbestimmungen zustimmte, die Hochzeit geschah mit der Folgegenereation bei der Durchschreitung des Jordans (Ausnahme: Josua und Kaleb).


      Wenn wir nun die Geschichte dieser Ehe Gottes mit dem Volk Israels kennen wollen, sollten wir das gesamte Alte Testament, beginnend mit dem Buch Josua lesen, aber Gott hat das durch Hesekiel zusammenfassen lassen. Wir lesen da weiter, wo wir gestern aufgehört haben:

      „Und ich badete dich mit Wasser und wusch dich rein von deinem Blut und salbte dich mit Öl und kleidete dich mit bunten Kleidern und zog dir Schuhe von feinem Leder an. Ich gab dir einen Kopfbund aus kostbarem Leinen und hüllte dich in Seide. Ich schmückte dich mit Kleinoden und legte Spangen an deine Arme und eine Kette um deinen Hals und gab dir einen Ring an deine Nase und Ohrringe an deine Ohren und eine schöne Krone auf dein Haupt. So warst du geschmückt mit Gold und Silber und gekleidet mit kostbarem Leinen, Seide und bunten Kleidern. Du aßest feinstes Mehl, Honig und Öl und wurdest überaus schön und kamst zu königlichen Ehren. Und dein Ruhm erscholl unter den Völkern deiner Schönheit wegen, die vollkommen war durch den Schmuck, den ich dir angelegt hatte, spricht Gott der HERR.“ (Hesekiel 16:9-14)

      Das Volk Israel wurde wohlhabend und königlich und kam so in den Augen der umliegenden Völker zu Ehren als Gemahlin Gottes. Sie war nicht nur des Königtums würdig sondern obendrein auch noch sehr schön, nach Aussage ihres Mannes durch den Propheten. Sie wurde dies aber nicht aus eigener Kraft oder im Natürlichen, sondern durch die Herrlichkeit Gottes, die ihr Herr und Gemahl als Abglanz auf sie gelegt hatte, denn die Frau ist ja „der Abglanz ihres Mannes“ (1.Korinther 11:7). Das waren die Segnungen, die Israel auf Grund dieses Ehebundes mit Gott von ihm empfangen hatte. Aber was hatte diese Schönheit Israels zur Folge? Wieder lassen wir den Ehemann durch Hesekiel zu Wort kommen und bedenken dabei, dass er von geistlichen Dingen spricht, also Götzendienst:

      „Du aber hast dich auf deine Schönheit verlassen und auf deine Berühmtheit hin gehurt und hast deine Hurerei über jeden ausgegossen, der vorüberging; er bekam sie.“ (Hesekiel 16:15)

      Es ist die betrübte Feststellung Gottes, dass Israel, seine Ehefrau alles, was sie hatte und attraktiv machte, nun dazu benutzte, um es geistlich gesehen mit jedem hergelaufenen Deppen zu treiben, der ihr über den Weg lief, obwohl sie ihre Attraktivität von ihrem „Ehemann“ bekommen hatte:

      „An allen Weggabelungen hast du deine Höhen gebaut, und du hast deine Schönheit geschändet; du spreiztest deine Beine gegen alle, die vorübergingen, und hast immer schlimmer Hurerei getrieben.“ (Hesekiel 16:25)

      Die Geschenke des Ehemanns wurden also von seiner Ehefrau dazu benutzt, sich ihre Freier zu kaufen:

      „Du hast auch deine prächtigen Schmucksachen von meinem Gold und meinem Silber genommen, die ich dir gegeben hatte, und hast dir Bilder von Männern daraus gemacht und mit ihnen Hurerei getrieben. Du hast auch deine buntgewirkten Kleider genommen und sie damit bekleidet; und mein Öl und mein Räucherwerk hast du ihnen vorgesetzt. Meine Speise, die ich dir gegeben hatte, Weißbrot, Öl und Honig, womit ich dich speiste, hast du ihnen vorgesetzt zum lieblichen Geruch. Ja, das ist geschehen! spricht Gott, der Herr.“ (Hesekiel 16:17-19)

      Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fährt es durch Mark und Bein und ich bin tief bewegt, wenn ich den Herrn so klagen höre. Und mir ist die Geduld Gottes mit seiner verkommenen Ehefrau unbegreiflich, denn es gibt im Alten Testament etwa 450 Bibelstellen, die mit Untreue und Götzendienst zu tun haben. Das war kein einmaliger „dumm gelaufen“- Ausrutscher, das war ein Lebensstil dieser Ehefrau Gottes, der trotz der Treue Gottes, seiner unendlichen Geduld und Vergebungsbereitschaft irgendwann mal Konsequenzen haben musste, die Braut bettelte ja förmlich darum.

      Also ist in Anbetracht dieser Umstände die Frage berechtigt, wie lange diese unhaltbare Situation andauern muss. Oder anders formuliert: Wie lange ist dieser Bund gültig, der von einer Seite, nämlich von der Ehefrau permanent gebrochen wurde. Ursprünglich war dieser Bund als Ehebund auf die Ewigkeit angelegt (1.Mose 17:7), vorausgesetzt, dieser Bund wird nicht gebrochen. Das bezeugt uns auch Jesus:

      „Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens Härte wegen; von Anfang an aber ist's nicht so gewesen. “ (Matthäus 19:8)

      Jesus meinte damit nicht die Herzenshärte der Pharisäer exklusiv, sondern die Herzenshärte des Volkes Israel im Allgemeinen, die sie in die Bundesbrüche führte im Gegensatz zur Herzensgüte Gottes, die an seiner Treue, seinem Erbarmen und seiner Gnade sichtbar wird. Deshalb macht er eine Einschränkung:

      „Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe“ (Matthäus 19:9)

      Man könnte Jesu hier nun so interpretieren, dass der Ehebund erlischt, wenn einer der beiden Parteien diesen Bund gebrochen hat, aber dem ist nicht so. Der Ehebund wird nicht durch die Untreue, also den Bündnisbruch automatisch beendet, sondern diese Beendigung ist von der Reaktion des Betrogenen abhängig. Das können wir auch bei Mose, worauf Jesus sich bezieht, so lesen:

      „...Wenn jemand eine Frau nimmt und sie heiratet, und sie findet nicht Gnade vor seinen Augen, weil er etwas Schändliches an ihr gefunden hat, und er ihr einen Scheidebrief schreibt und ihn ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Haus entläßt...“ (5.Mose 34:1)

      Der Vertrauensbruch durch Fremdgehen ist etwas „Schändliches“, aber das muss den Bund nicht unbedingt auflösen, obwohl das Recht dazu besteht, denn die Auflösung eines Bundes hängt wie gesagt von der Reaktion des Betrogenen ab. Die Gnade des Betrogenen kann so also trotz Bundesbruch den Bund weiterhin aufrecht erhalten. Das ist ein überaus wichtiger Gesichtspunkt, denn wäre dem nicht so, wäre Israel bereits nach ein paar Kilometern in der Wüste nicht mehr die Braut Gottes gewesen, denn indem dieses Volk ein goldenes Kalb anbetete, hatte es von seiner Seite aus den Bund mit Gott gebrochen. Es war die Gnade des Bräutigams, die solange die Bundesbrüche vergab und so den Ehebund aufrecht erhielt, bis das Maß der Hurerei Israels, seiner Ehefrau, voll war.

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