15.März 2017 (Auf Stein oder ins Herz geschrieben?)

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    • 15.März 2017 (Auf Stein oder ins Herz geschrieben?)

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      Auf Stein oder ins Herz geschrieben?



      Aber auch Johannes taufte in Änon, nahe bei Salim, weil viel Wasser dort war; und sie kamen dorthin und ließen sich taufen. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen worden. Es erhob sich nun eine Streitfrage zwischen den Jüngern des Johannes und einigen Juden wegen der Reinigung. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der, welcher bei dir war jenseits des Jordan, für den du Zeugnis abgelegt hast, siehe, der tauft, und jedermann kommt zu ihm! (Johannes 3:23-26)


      Bislang hatte Johannes der Täufer quasi das Taufmonopol und er hatte Jünger, die ihm nachfolgten, wie Jesus sie dann auch hatte. Das war an und für sich nichts Außergewöhnliches, denn jeder Rabbi hatte seine Jünger, weil der Mensch sich gern an Sichtbarem und Greifbarem, also an Menschen festmacht. Er baut auf das, was vor Augen ist. Das war auch schon vor Jesus so, denn da hatten die Propheten ihre Jünger, die sich gegenseitig fetzten und nicht die Butter aufs Brot gönnten, das war zu Zeiten Jesu so, wo die einzelnen Sekten, wie Pharisäer und Sadduzäer, miteinander im Clinch lagen und das war nach Jesus so, wie wir bei Paulus lesen:


      „Mir ist nämlich, meine Brüder, durch die Leute der Chloe bekanntgeworden, dass Streitigkeiten unter euch sind. Ich rede aber davon, daß jeder von euch sagt: Ich gehöre zu Paulus! — Ich aber zu Apollos! — Ich aber zu Kephas! — Ich aber zu Christus.“ (1.Korinther 1:11+12)

      Und das hat sich bis heute nicht geändert. Die Kirchen, Gemeinden und Denominationen arbeiten gezielt gegeneinander, weil jede Gruppe glaubt, sie wäre der einzig korrekte Weg zu Gott und deshalb Lehren, Dogmata und Menschen anbetet anstatt den, der als Einziger der Weg zu Gott ist, nämlich Jesus:

      „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! Wenn ihr mich erkannt hättet, so hättet ihr auch meinen Vater erkannt;“ (Johannes 14:6+7)

      Nun waren die Jünger des Johannes also stinkig, weil die vermeintliche Konkurrenz mehr Täuflinge hatte als sie selbst und sie fragten sich, warum das so war. Ausgangspunkt waren Streit und Diskussionen mit den Juden, nicht mit den Jüngern Jesu, und der Streit ging um die Reinigung, also wohl um die Qualität der beiden Taufen, so die theologische Deutung. Ich denke allerdings dass das Wort „Reinigung“ sich hier auf die mosaischen und überlieferten Reinigungsvorschriften bezog, die von Johannes und seinen Jüngern wohl strikter eingehalten wurden als es die Jünger Jesu taten. Johannes taufte sicherlich keine Frau, die gerade ihre Tage oder in den letzten 40 Tagen einen Sohn geboren hatte und auch niemanden, der mit so einer Frau verheiratet war und auch niemanden, der gerade einen Angehörigen beerdigt oder am Tauftag Geschlechtsverkehr gehabt hat, denn diese Personen sind laut Mose unrein und dieses Gesetz hatte Johannes stets buchstäblich vor Augen, denn er war ja Nasiräer, ein Asket, der ein Leben des Fastens und Verzichts und der Gerechtigkeit durch das Gesetz führte und seine Jünger ebenso. Jesus hatte im Gegensatz zu ihm das ewige Gesetz Gottes im Herzen und musste sich deshalb nicht an den Buchstaben und schon gar nicht an die mündlichen Überlieferungen halten und genau das war den Juden ein Ärgernis. Ein paar Bibelstellen zur Unterstützung dieser These:

      „Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und er ergriff das Wort und sprach zu der Volksmenge: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an diesen kommt und lasst euch heilen, und nicht am Sabbattag!“ (Lukas 13:14)

      „Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, deine Jünger aber fasten nicht?“ (Matthäus 9:14)

      „Der Sohn des Menschen ist gekommen, der isst und trinkt; da sagt ihr: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder!“ (Lukas 7:34)

      „Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging. Und seine Jünger fingen an, auf dem Weg die Ähren abzustreifen. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Sieh doch, warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“ (Markus 2:23+24)

      Und noch ein Beispiel, dass Jesu Rettungs- und Erlösungsauftrag weit über den kultischen Reinigungsritualen des Mose stand. In Lukas 8, ab Vers 40, wird uns von der blutflüssigen Frau erzählt, einer Frau am Rande der Gesellschaft, die auf Grund dieses Blutflusses permanent unrein war und jeder, den sie berührte, musste sich gewissen Reinigungsritualen unterziehen und galt für den Rest des Tages als unrein. Diese Frau nun hatte die Quaste des Obergewandes Jesu berührt und war in diesem Moment von ihrem Blutfluss geheilt worden:

      „Und Jesus fragte: Wer hat mich angerührt? Als es nun alle bestritten, sprachen Petrus und die mit ihm waren: Meister, die Volksmenge drückt und drängt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt? Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe erkannt, wie eine Kraft von mir ausging!“ (Lukas 8:45+46)

      Laut Mose wäre Jesus in diesem Moment unrein gewesen, weil er von einer Unreinen berührt worden war, aber es war genau umgekehrt. Durch diese Berührung mit der Reinheit Jesu wurde diese Frau rein. Anders gesagt: Jesus wurde nicht mit der Unreinheit dieser Frau infiziert, sondern die Frau wurde mit der Reinheit Jesu infiziert, durch ihren Glauben. Jesus ist das Licht, der Dämon, der diesen Blutfluss bewirkte gehört zur Finsternis und floh in Panik und wir bekommen ganz praktisch bestätigt, was wir am Anfang des Johannesevangeliums lesen können:

      „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen [oder überwältigt].“ (Johannes 1:5)

      Hätte Jesus hier trotzdem das Gesetz des Mose befolgt, wie Johannes der Täufer es sicherlich getan hätte, hätte er für diesen Tag Feierabend machen müssen, um sich den vorgeschriebenen rituellen Reinigungsritualen zu widmen und hätte erst am nächsten Tag dann wieder auf Tour gehen können. Aber dem war nicht so. Bereits bevor diese Sache mit der blutflüssigen Frau geschah, war Jairus auf ihn zugekommen, dessen 12-jähriges Töchterlein sehr krank war und mit dem Tod kämpfte.

      „Und siehe, es kam ein Mann namens Jairus, der war ein Oberster der Synagoge; und er warf sich Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen. Denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Als er aber hinging, bedrängte ihn die Volksmenge.“ (Lukas 8:41+42)

      Als Jesus dann anschließend an die Heilung der blutflüssigen Frau in das Haus des Jairus aufbrechen wollte, kam die Hiobsbotschaft:

      „Während er noch redet, kommt jemand vom Synagogenvorsteher und spricht zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht!“ (Lukas 8:49)

      Jesus bekam das mit und sagte dem Synagogenvorsteher: „Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gerettet werden!“ Dann ging er hin und weckte die tote Tochter wieder auf, indem er die Tote an der Hand nahm, also mehr als berührte:

      „Er aber trieb sie alle [die Klageweiber etc.] hinaus und ergriff ihre Hand und rief: Kind, steh auf! Und ihr Geist kehrte zurück, und sie stand augenblicklich auf; und er befahl, ihr zu essen zu geben.“ (Lukas 8:54)

      Jesus wurde auch hier nicht unrein, weil er eine Tote berührte, er ist nicht nur das Licht, sondern auch das Leben (Johannes 14:6) und deshalb musste der Geist des Todes fliehen und konnte ihn nicht infizieren. Johannes der Täufer hätte dies niemals gemacht, denn eins seiner drei Gelübde als Nasiräer war ja, keinen Kontakt mit etwas Totem zu haben. Johannes, als 100%iger Jude hat bei seinen Taufevents sicherlich den einen oder anderen, der sich taufen lassen wollte aus kultischen Gründen zurückgewiesen, wie er auch den frommen Hardlinern dieser Zeit die Taufe verwehrte:

      „Als er aber viele von den Pharisäern und Sadduzäern zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet, ihr könntet dem zukünftigen Zorn entfliehen? So bringt nun Früchte, die der Buße würdig sind!“ (Matthäus 3:7+8)

      Jesu ist der Messias, der Erretter und konnte das anders handhaben und sagte deshalb an anderer Stelle: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Die Neue evangelistische Übersetzung ist hier treffender:

      „Alle, die der Vater mir gibt, werden zu mir kommen und ich werde sie niemals zurückweisen.“ (Johannes 6:37)

      Johannes der Täufer hatte, wie ich oben schrieb, das Gesetz des Mose buchstäblich vor Augen, Jesus hatte das ewige Gesetz Gottes, das nicht mit Buchstaben geschrieben werden kann im Herzen. Er war der „Erstling“ unter den Brüdern (1.Korinther 15:23), und Stifter des Neuen Bundes, der Weg in das Neue Zeitalter, in dem Gott seine Verheißung erfüllt:

      "Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ (Jeremia 31:33)

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