20.Januar 2017 (Die Frage nach dem ewigen Leben)

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    • 20.Januar 2017 (Die Frage nach dem ewigen Leben)

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      Die Frage nach dem ewigen Leben


      Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern namens Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam bei Nacht zu Jesus und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweitenmal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen! Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden! (Johannes 3:1-7)

      Ich denke, wir kennen alle diese Geschichte von Jesus und Nikodemus. Aber vielleicht nicht die Hintergründe. Interessanterweise schreibt Johannes diese Begebenheit direkt nach der Tempelreinigung, als Jesus den vollendeten Hass der Führungsclique auf sich gezogen hatte, genau derer, die damals in Israel das Sagen hatten und einer der Oberen davon war Nikodemus. Er war Rechtswissenschaftler, würden wir heute sagen, saß im Hohen Rat, der höchsten geistlichen und juristischen Instanz Israels und an seinen Auslegungen der Thora und der mündlichen Überlieferungen orientierte man sich in Israel. Dieser hochdekorierte und angesehene Jurist und Theologe entschließt sich in einer Nacht- und Nebelaktion diesen Jesus aufzusuchen und wir wissen nicht wirklich, warum.

      Nun, man kannte Jesus als Wundertäter und Dämonenaustreiber, aber er war äußerst umstritten, vor allem bei den Pharisäern, denn einen, der am heiligen Sabbat heilt und im Tempelvorhof randalliert, konnten und wollten sie nicht ernst nehmen, zumal Jesus keinerlei geistliche Ausbildung hatte, kein Theologiestudium, kein Seminar, keine Bibelschule. In den Augen der Pharisäer also ein Hochstapler und Scharlatan, ein geistlicher Nobody und genau den suchte einer der größten Lehrer Israels seiner Zeit auf. Allein das zeigt schon, dass es diesem Mann sehr ernst war, er musste irgendein geistliches Problem gehabt haben, auf das weder er, noch seine Kollegen eine hieb- und stichfeste Antwort hatten. Seine Begrüßung zeigt, dass er selbst die Einschätzung seiner Kollegen nicht teilte, denn er ehrte Jesus mit den Worten:

      „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist.“ (Vers 2)

      „WIR wissen“. Für mich ist das eine klare Bestätigung, dass die Pharisäer sehr wohl wussten, dass Jesus der verheißene Messias war, denn aus ihren Überlieferungen selbst war klar definiert, was Wunder sind, die nur der Messias tun konnte und Jesus hat exakt diese Wunder getan, bis hin zur Totenerweckung, die Heilung eines Aussätzigen sogar gleich in zehnfacher Ausführung. Er passte ihnen schlichtweg nicht in ihren frommen Kram und deshalb musste er weg. Nikodemus nun war klar, wen er da vor sich hatte, und rechtschaffen, wie er war, sagte er das auch frei raus. Verblüffend ist die Antwort Jesu. Anstatt jetzt seinerseits den Nikodemus zu ehren und zu würdigen kommt er ohne Umschweife zum Kern dessen Problems, obwohl Nikodemus das noch gar nicht angesprochen hatte:

      „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen!“ (Vers 3)

      Es ging also um die Frage: „Was läuft denn eigentlich nach dem Tod?“ und da waren sich die Pharisäer und Sadduzäer durchaus nicht einig. Einig waren sie sich darüber, dass die Seele nach dem Tod in den Hades geht, ins Totenreich, ein Reich getrennt von Gott und dass dort die Seele durch Aufgaben, Prüfungen und Leiden gereinigt wird, je nach moralischem Wandel des Einzelnen, im Höchstfall allerdings zwölf Monate lang, also so in etwa das, was die katholische Kirche unter dem Namen „Fegfeuer“ von den Juden übernommen hat. Dann meinten die einen käme man ins Paradies, also zu Gott, wo dann die Seele noch weiter gereinigt werde, die anderen glaubten, dass die Seele wieder in den Körper eines Nachkommen gesteckt wird, also an Reinkarnation. Aber auch wenn man ein sehr moralisches Leben geführt hatte, die Gebote und Überlieferungen hielt und fleißig Almosen gab, eine Garantie für das Paradies gab es nicht. Und genau das machte wohl dem Nikodemus stark zu schaffen. Nikodemus kommt mit guten Leistungen, strengen Ritualen und harter Arbeit. „Gib Gott dein Bestes, so gibt Gott hoffentlich den Rest hinzu“, ist seine Philosophie. Und was ist Jesu Antwort darauf? „Dein Bestes reicht nicht aus. Deine Werke bewirken nichts. Deine großartigen Leistungen bieten keinen Schutz. Wer nicht von Neuem geboren wird, kann nicht einmal erkennen, wozu Gott fähig ist.“

      Kein Wunder, dass Nikodemus hier völlig konsterniert war, das stand nirgends in der Thora, noch im Tanach und auch nicht in der Kabbalah, die es in einer Frühform damals schon gab. Eine völlig neue Lehre, für ihn nicht nachvollziehbar. Das Band zurückspulen? Ganz von vorn anfangen? Noch einmal geboren werden? Ein Reset sozusagen? Das geht doch gar nicht und deshalb fragt er Jesus, wie das denn gehen soll und ob er einer Art Rückruf zur Entbindungsstation folgen solle, sicherlich ein wenig ironisch. Aber Jesus lächelt nicht über das Späßchen. Todernst wiederholt er:

      „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen! Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden!“ (Verse 5-7)

      Wenn das für Nikodemus gilt, dann gilt das auch für uns, denn Jesus erklärt hier ein geistliches Prinzip, nämlich das von Saat und Ernte. Aus dem Fleisch kommt fleischliches und aus dem Geist geistliches und da Gott Geist ist, können wir ihn auch nur geistlich erfassen. Ich denke, dass diese Begebenheit Anlass dafür sein könnte, dass wir uns mit diesem Thema mal wieder beschäftigen, denn wenn Jesus „Wahrlich, wahrlich“ sagt, dann gehört das zu den wichtigsten Themen überhaupt.

      „Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sprach zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß!“ (Offenbarung 21:15)

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