22.November 2016 (Die Herrlichkeit des „wahren Weinstocks“)

    • 22.November 2016 (Die Herrlichkeit des „wahren Weinstocks“)

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      Die Herrlichkeit des „wahren Weinstocks“

      So spricht der Herr der Heerscharen: Am Überrest Israels wird man Nachlese halten wie am Weinstock. Lege nochmals deine Hand an wie ein Weinleser an die Ranken! (Jeremia 6:9)

      Bekannt sein dürfte die älteste Geschichte vom Wein in der Bibel: als Noah zuviel vom Wein genossen hatte (1.Mose 9:20 ff) und betrunken nackt eingeschlafen war. Oder aber die Töchter Lots, die ihren Vater abfüllten, um ihn anschließend zu missbrauchen (1.Mose 19:30 ff). Ebenso bekannt sicher auch die berühmte Erzählung von König Belsazzar, der im Weinrausch die Kultgefäße des Tempels entweihte und vor dessen Augen eine (göttliche) Hand das weltbekannte „Mene mene tekel u-parsin“ [Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft; gewogen wurdest du auf der Waage des Lebens und als zu leicht empfunden] schrieb (Daniel 5). Und bekannt ist sicher auch der Bericht aus dem Buch Numeri, wo die Kundschafter aus dem erkundeten Kanaan zurückkehren und die unterschiedlichsten Geschichten erzählen: die einen, die nicht in das Land einziehen möchten, berichten von Riesen die dort leben – die anderen die von der Fruchtbarkeit des Landes betört sind, bringen zum Beleg ihrer Wahrhaftigkeit eine überdimensionale Traubenrebe mit (4.Mose 13).

      Melchisedek der priesterliche König von Salem (später wahrscheinlich Jerusalem) z.B. bringt Abram (später Abraham) als Willkommensgruß Wein entgegen (1.Mose 14:18); Solches gibt es auch noch an anderen Orten in der Bibel. Der junge David tritt seinen Dienst bei König Saul z.B. an und bringt seinem neuen Herrn neben anderen Gaben auch Wein (1.Samuel 16:20). Interessant die Mengen an Wein die damals wohl bereits gekeltert wurden: König Salomon sagt dem König Hiram von Tyrus für die Lieferung des Bauholzes zur Errichtung des Tempels in Jerusalem zum Unterhalt der Waldarbeiter 20.000 „Bat“ Wein zu, das waren etwa 800 Hektoliter (2.Chronik 2:9).

      Wir sehen bereits anhand dieser wenigen Beispiele, dass Wein zwar für ein Freudengeschenk Gottes steht, dass diese Gabe aber auch zum Fluch werden kann. Den Unterschied macht der Charakter oder besser die Herzenshaltung dessen, der ihn benutzt oder konsumiert:

      „ein Zuchtloser ist der Wein, ein Lärmer das Bier; wer sich hierin verfehlt, wird nie weise.“ (Sprüche 20:1)

      „... wer Wein und Salböl liebt, wird nicht reich.“ (Sprüche 21:17)

      „Wehe denen, die sich früh am Morgen aufmachen, um berauschenden Getränken nachzujagen, und die am Abend lange aufbleiben, bis sie der Wein erhitzt!“ (Jesaja 5:11)

      „Wehe denen, die Helden sind im Weintrinken und tapfer im Mischen von berauschendem Getränk; die dem Gottlosen Recht geben um eines Bestechungsgeschenkes willen, aber dem Gerechten seine Gerechtigkeit absprechen!“ (Jesaja 5:22+23)

      Über Wein gäbe es noch viel zu sagen, aber hier ist es gut, wenn wir unser Augenmerk darauf richten, wo der Wein herkommt, nämlich auf den Weinstock und der steht im alten Testament geistlich gesehen für das Volk Israel:

      Denn vor langer Zeit habe ich [Gott] dein [Israels] Joch zerbrochen und deine Bande zerrissen; aber du hast gesagt: »Ich will nicht dienen!« Ja, du hast dich auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen als Hure hingestreckt! Und doch hatte ich dich gepflanzt als eine Edelrebe von ganz echtem Samen; wie hast du dich mir verwandeln können in wilde Ranken eines fremden Weinstocks?“ (Jeremia 2:20+21)

      "Ich will singen von dem, den ich liebe, / ein Lied vom Weinberg meines Freundes [dieser Freund Jesajas ist Gott]: / Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine / und bepflanzte ihn mit edelsten Reben. / Einen Turm baute er mitten darin / und hieb auch eine Kelter aus. / Dann wartete er auf die süße Frucht. / Doch die Trauben waren sauer und schlecht. Nun, ihr Bürger von Jerusalem, Männer von Juda: / Wie denkt ihr über meinen Weinberg und mich? Habe ich nicht alles an meinem Weinberg getan? / Warum hoffte ich auf süße Trauben / und er brachte saure Frucht? Jetzt sage ich euch, was ich ihm tue: / Ich reiße seine Hecke aus, / damit er von Herden abgeweidet wird, / ich breche seine Mauer ab, / dass er von allen zertrampelt wird. Zu einer Wüste soll er werden, / nicht mehr beschnitten und behackt – und von Dornen und Disteln bedeckt. / Und den Wolken will ich befehlen, / dass kein Regen mehr auf ihn fällt. Denn der Weinberg von Jahwe, dem allmächtigen Gott, ist das Volk Israel. / Und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. / Er hoffte auf Rechtsspruch / und erntete Rechtsbruch, / er hoffte auf Gerechtigkeit / und hörte Geschrei über Schlechtigkeit.“ (Jesaja 5:1-7 NeÜ)

      Es gibt diesbezüglich noch viel, viel mehr Bibelstellen, aber wir erkennen bereits daran, dass Gott sein Volk als einen Weinberg sieht, den er selbst zu seinem Wohlgefallen und zu seiner Freude gepflanzt hatte. Diese und ähnliche Bibelstellen wurden allerdings von den frommen Juden zu Jesu Zeiten kaum beachtet. Sie betrachteten sich trotz dieser Prophezeihungen der Propheten nach wie vor als den Weinstock Gottes, Gottes Augapfel, Gottes Elite und den Rest der Welt für Abschaum. Aber Gottes Gericht über seinen „Weinstock“ war bereit 500 Jahre vorher von den Propheten verkündet worden, auch wenn dieses Gericht jetzt erst mit Jesus ins Sichtbare gekommen war.

      „Freude und Frohlocken sind aus den Obstgärten verschwunden, und in den Weinbergen jubelt und jauchzt man nicht; der Kelterer tritt keinen Wein in den Kufen, das Kelterlied habe ich zum Schweigen gebracht.“ (Jesaja 16:10)

      Diese Prophezeihung wurde bei der Hochzeit zu Kana sichtbar, indem der Wein ausging. Es bedeutet das Ende der Reben, des Weinstocks und des Weinbergs. Gott hat sich einen anderen Weinberg erwählt, einen der später sagte:

      „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.“ (Johannes 15:1)

      Jesus sagte hier – und das verstand jeder Jude damals: Ihr habt als Weinstock versagt und deshalb bin ich allein der wahre Weinstock, denn ich werde nicht versagen. Um darauf einen Hinweis zu geben tat Gott durch ihn dieses Weinwunder.

      Der Weinberg Israel war ein für alle mal verdorben, letztendlich bereits durch den Samen Adams. Als Mensch begann Christus von neuem die Geschichte des Menschen auf der Erde und eröffnete eine neue Haushaltung, die an die Stelle des Zeitalters des Gesetzes tritt (Wein statt Wasser in rituellen Reinigungskrügen). Ein neues Zeugnis – das christliche Zeugnis – ersetzt dasjenige Israels, das sich auf die Zugehörigkeit zum Samen Abrahams und auf das durch Mose gegebene Gesetz stützte. Christus, der wahre Weinstock, nimmt auf der Erde offiziell mit diesem ersten Wunder den Platz Israels ein, des Weinstocks, den der Herr aus Ägypten gezogen hat (Psalm 80:9 und Hosea 11:1). Christus, der wahre Weinstock, ist also die Quelle der Frucht, er ist der Weinstock, an dem Gott „sein Wohlgefallen“ hat (Matthäus 3:17). Das Judentum, also die jüdische Religion, hatte versagt, brachte nur „saure Trauben“ als Frucht, die aus einem unbeschnittenen, stolzen und hochmütigen Herzen kam, das eifrig seine Errettung selbst bewirken wollte. Jesus zeigte hier bei diesem Weinwunder bereits, dass seine Frucht der wesentlich bessere Wein ist und dass wir daran teilhaftig werden, wenn wir aufhören, eigene Werke (saure Trauben) zu produzieren und stattdessen in die Ruhe Gottes eingehn, indem wir Reben an diesem „wahren Weinstock“ werden. Das gilt gleichermaßen für Israel. Die Einpropfung dieser Reben, am Ende der Zeit kann ebenfalls nur am „wahren Weinstock“ Jesu stattfinden, bis dahin hat das aus Abraham und Mose gelebte Judentum antichristlichen Charakter.

      „Und um das bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen, damit ihr prüfen könnt, worauf es ankommt, so daß ihr lauter und ohne Anstoß seid bis auf den Tag des Christus, erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus [gewirkt werden] zur Ehre und zum Lob Gottes.“ (Philipper 1:11).

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