17.November 2016 (Die Herrlichkeit in Fülle)

    • 17.November 2016 (Die Herrlichkeit in Fülle)

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      Die Herrlichkeit in Fülle


      Die Wüste und Einöde wird sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und blühen wie ein Narzissenfeld. Sie wird lieblich blühen und frohlocken, ja, es wird Frohlocken und Jubel geben; denn die Herrlichkeit des Libanon wird ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Saron[-Ebene]. Sie werden die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes. (Jesaja 35:1+2)

      Hier und an vielen anderen Stellen des Jesajabuches hat die „Herrlichkeit des Herrn" nun eindeutig prophetisch-endzeitlichen (eschatologischen) Charakter. Gott hält seine Herrlichkeit nicht für sich selbst zurück, sondern er schenkt sie in der Endzeit seinem Volk. Sein Lichtglanz leuchtet über Israel auf und verwandelt es selbst in strahlende Herrlichkeit:

      „Mache dich auf, werde Licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und tiefes Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60:1+2)

      Diese „Herrlichkeit des Herrn", die das Gottesvolk in der Endzeit verwandelt, sieht der Prophet ganz konkret: Das Land bringt überreiche Frucht hervor (Jesaja 4:2), selbst die Wüste verwandelt sich in fruchtbares Land, die Augen der Blinden werden geöffnet, die Ohren der Tauben werden aufgetan, die Lahmen können wieder gehen, die Zunge des Stummen jauchzt auf (Jesaja 35,1-6).

      Für die Auslegung des Weinwunders von Kana ist dieser Realismus der prophetischen Hoffnung von größter Wichtigkeit. Denn auch dort zeigt sich die Herrlichkeit des Herrn ganz konkret in der Überfülle des Weins, den Christus zur Hochzeit schenkt.

      Dieser Realismus, das heißt daran zu glauben, dass dies am Ende des Heilsplans Gottes ganz konkret geschehen wird, ist einer der Schlüssel zum Verständnis, was hier in Kana begonnen wurde, denn auch dort zeigte sich die Herrlichkeit des Herrn ganz konkret in der Überfülle des Weins, den Christus dem Brautpaar und den Hochzeitsgästen geschenkt hat. Und auch hier sehen wir, das Alte, Dürre, Trockene (Alter Bund) muss dem Neuen, Fruchtbaren (Neuer Bund) Platz machen.

      „Siehe, ich wirke Neues! Jetzt sprosst es auf. Erkennt ihr es nicht? Ja, ich lege durch die Wüste einen Weg, Ströme durch die Einöde.“ (Jesaja 43:19)

      Nein, keiner bei dieser Hochzeit hatte es erkannt, nur Maria und die Jünger, weil sie an Jesus glaubten. „Schaut an“, scheint der Herr zu sagen, „ich bin kein knausriger Gott, ich bin die Fülle in Person“. Diese Überfülle gibt er auch bei dieser Hochzeit. Nicht die für die Aufbewahrung von Wein damals üblichen Tonkrüge werden auf den Befehl Jesu mit Wasser gefüllt, sondern 6 steinerne Gefäße, bestimmt für die rituelle Reinigung - deshalb aus Stein gehauen und deshalb sehr groß, ein deutlicher Hinweis auf das Gesetz und somit das Alte Testament. Jedes dieser Gefäße fasste nach der Angabe des Evangelisten 2 bis 3 Metreten, das sind etwa 100 Liter. Insgesamt handelte es sich um rund 500 bis 700 Liter Wein. Johannes liefert aber nicht nur diese detaillierten Maßangaben, er fügt auch noch ausdrücklich hinzu: Sie füllten sie bis obenhin. An solchen Einzelheiten zeigt sich das eigentliche Interesse des Erzählers. Er will sagen: Die Gabe Jesu ist überreich. Da wird nicht eingeschränkt, begrenzt, gegeizt. Alle großen Gefäße, die sich im Haus finden, sind bis zum Rand gefüllt.

      Aber nicht genug damit, dass so die Überfülle des Weins anschaulich herausgestellt wird. Genauso deutlich verweist die Erzählung auf die Qualität des Weins. Der „Speisemeister“ weiß nicht, woher der Wein in den steinernen Gefäßen kommt, und ist höchst befremdet, dass er erst jetzt von ihm Kenntnis erhält. Die „Weinregel", die er ausspricht (Guten Wein setzt man doch am Anfang und nicht am Ende des Festes vor!), hat innerhalb der Erzählung die Funktion, dezent und unaufdringlich, aber doch eindeutig klarzustellen: Der Wein, der hier ausgeschenkt wird, ist ein guter, ja ein hervorragender Wein von bester Qualität.


      Um dieses Wunder in Kana in seiner ganzen Fülle verstehen zu können, halte ich es für überaus wichtig, dass wir die Überfülle des Weins und seine ausgezeichnete Qualität mit dem Begriff „Herrlichkeit Christi" unmittelbar in Beziehung bringen. Diese „Herrlichkeit Christi" bleibt nicht im Übersinnlichen, Innerlichen, rein Geistigen, Transzendenten, sondern sie wird sichtbar, anschaubar, greifbar, ja man kann sie schmecken und kosten. Sie wird so real und konkret und irdisch, wie nach der Prophetie des Jesaja die „Herrlichkeit des Herrn" im Israel der Endzeit real und konkret und irdisch werden soll.


      Es ist also mit Sicherheit kein Zufall, dass Jesaja immer wieder vom „Sehen" jener Herrlichkeit spricht und dass Johannes diese Wendung bewusst aufgreift (Johannes 1:14 und 11:40). Die „Herrlichkeit Christi", die beim Kanawunder sichtbar wird, ist also nicht ausschließlich der Glanz der Herrlichkeit des Vaters, an welcher Jesus, der Messias schon immer Anteil hat, sondern zugleich das machtvolle und sichtbare Herabkommen dieser Herrlichkeit in die Geschichte des Ölbaums, dem nun mit dem Auftreten Jesu die endzeitliche Fülle der „Herrlichkeit des Herrn" geschenkt wird.

      Ich bin so froh, dass Jesus nicht 600 Liter Fanta gemacht hat, oder Apfelsaftschorle, auch keinen Traubensaft, wie manche Superreligiöse behaupten und dabei übersehen, dass der Ansatz zu diesem Nonsens von den Esotherikern kommt, sondern echten vergorenen Wein von einer derartigen Qualität, dass sogar der Speisemeister, der auf Grund seines Jobs Weinprofi sein musste, ins Schwärmen gekommen war. Der hätte niemals Traubensaft akzeptiert und die Hochzeitsgäste hätten das auch sofort bemerkt und wären gegangen, denn eine Hochzeit ohne Wein (Sinnbild für Freude) war ein absolutes Nogo. Überall in der Bibel, wo von Wein die Rede ist, ist von einem alkoholhaltigen Rebensaft die Rede.

      Das Wasser in den Krügen wird im Überfluss in Spitzenwein verwandelt, ganz klammheimlich und ohne Eventmanagement, nur Maria, die Jünger und die Diener hatten das mitbekommen. Es gibt außer dieser Begebenheit zu Kana noch einen weiteren Bericht in der Bibel, wo Wasser verwandelt wurde:

      „Und der Herr sprach zu Mose: Sage zu Aaron: Nimm deinen Stab und strecke deine Hand aus über die Wasser in Ägypten, über seine Nilarme, über seine Kanäle und über seine Sümpfe und über alle Wasserbecken, dass sie zu Blut werden und dass im ganzen Land Ägypten Blut sei, selbst in den hölzernen und steinernen [Gefäßen]. Und Mose und Aaron machten es so, wie es ihnen der Herr geboten hatte. Und er erhob den Stab und schlug vor dem Pharao und seinen Knechten das Wasser, das im Nil war; da wurde alles Wasser im Nil in Blut verwandelt. Und die Fische im Nil starben, und der Nil wurde stinkend, so daß die Ägypter das Nilwasser nicht trinken konnten; und das Blut war im ganzen Land Ägypten.“ (2.Mose 7:19-21)

      Das Gesetz, das durch Mose gegeben wurde, steht mit Tod und Verdammnis in Verbindung. Von daher ist es auch passend, dass er Wasser zu Blut machte. Durch Christus ist aber die Gnade und Wahrheit geworden und wie passend ist es, dass das erste Zeichen des Herrn darin bestand, aus Wasser Wein zu machen!

      „Johannes [der Täufer] legte Zeugnis ab von ihm [Jesus], rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war eher als ich. Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ (Johannes 1:15-17)

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