11.November 2016 (die göttliche Herrlichkeit)

    • 11.November 2016 (die göttliche Herrlichkeit)

      .

      Die göttliche Herrlichkeit


      Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1:14)

      Wir sind von der Berufung des Nathanael ausgehend über Jakobs Himmelsleiter, seinen Kampf gegen Gott, und die Beschneidung seines Herzens zum Bund gekommen und haben uns einige Gedanken darüber gemacht. Es gäbe noch eine Menge dazu zu schreiben, aber ich möchte es vorerst dabei belassen, weiß aber, dass dieser Bund – vor allem der Neue Bund – uns im Verlauf des Johannesevangeliums noch oft begegnen wird. Lasst uns also zu Jesus, Johannes, Andreas, Petrus, Philippus und Nathanael zurückkehren, die von Bethsaida, woher Petrus und Andreas kamen, am Ufer des Sees Genezareth entlang nach Kana gingen, eine Strecke von etwa 10 km. Und ich denke, dass ihre Stimmung leicht geknickt war, trotz Jesus, denn diese fünf waren die einzigen Juden, die bislang Jesus nachfolgten, der Rest lehnte ihn mehr oder weniger offen ab. Wir lesen in Markus 1 Vers 5:

      „Und es ging zu ihm hinaus das ganze Land Judäa und die Bewohner von Jerusalem, und es wurden von ihm alle im Jordan getauft, die ihre Sünden bekannten.“

      „Das ganze Land Judäa und die Bewohner von Jerusalem“ - das waren also jede Menge Juden, die dieses äußere Zeichen der Taufe vollzogen hatten, aber an der Aussage des Täufers: „Siehe das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt“ achtlos vorbei gegangen waren. Ich denke, dass wir hieran bereits diese „Beiseitestellung Israels“ erkennen können, obgleich sie tatsächlich erst 3 Jahre später geschehen ist und dass deshalb nur diejenigen Jesus nachfolgten, die geistlich gesehen zu diesem „Überrest“ gehörten, der von Gott nicht aus dem Ölbaum ausgerissen worden ist. Der Grund dafür war ihre Herzenshaltung, wie es Jesus dem Nathanael gesagt hatte, was aber für den gesamten „Überrest“ galt:

      „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Falschheit ist!“ (Johannes 1:47b)

      Fünf von vielleicht 100.000, das ist nicht gerade ermutigend, drei Jahre später sollten es 120 von ein paar Millionen sein, durch die der Heilige Geist weitere 3000 „Überrest“ zum geistlichen Leben erweckte. Aber während die Jünger mit Jesus jetzt noch auf dem Weg nach Kana sind, sollten wir uns nochmals Gedanken über den Satz Jesu machen:

      „Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Künftig werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen!“ (Johannes 1:51)

      Die Himmelsleiter, die Jakob gesehen hatte, war örtlich genau festgelegt, sie führte in einen offenen Himmel (1.Mose 28:12). Jesus nun, ließ sich nicht am Ufer des Sees Genezareth zwischen Bethsaida und Kana häuslich nieder, sondern er durchzog das ganze Land, um zu predigen, zu heilen und zu befreien, also ging dieser offene Himmel mit ihm, egal wohin er hinging. Aber auch dieser offene Himmel, sowie die Engel sind genauso wie die Wunder, die Jesus getan hatte nur Zeichen für die Herrlichkeit Gottes, die Jesus in seinem ganzen Wesen wiederspiegelte:

      „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1:14)

      Wenn wir uns genauer anschaun werden, was da in Kana später dann wirklich geschah, dann ist dieser Aspekt der Herrlichkeit Voraussetzung für unser Verständnis:

      „Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus in Kana in Galiläa und ließ seine Herrlichkeit offenbar werden, und seine Jünger glaubten an ihn.“ (Johannes 2:11)

      Man konnte also die Herrlichkeit Christi „sehen". Und zwar waren gerade die Zeichen, die Jesus wirkte, der „Ort", wo seine Herrlichkeit anschaubar wurde. Diese Aussage wird auch sehr deutlich beim letzten und größten Zeichen, welches Johannes erzählt: die Erweckung des Lazarus (Johannes 11:1-44). Dort sagt Jesus an entscheidender Stelle - unmittelbar vor dem Öffnen des Grabes, in dem Lazarus liegt - zu Martha:

      „Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ (Johannes 11:40)

      Wir können und dürfen die Herrlichkeit Gottes und die Herrlichkeit Jesu nicht auseinanderdividieren. In der Herrlichkeit des Sohnes wird die Herrlichkeit des Vaters sichtbar, das sagt uns Jesus, als er von der schweren Krankheit seines Freundes Lazarus erfahren hatte:

      „Als Jesus es hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht wird!“ (Johannes 11:4)

      Erst wenn man diese Einheit in der Herrlichkeit begriffen hat, versteht man auch die Zeichen und Wunder. Deshalb kommt der Apostel im 12. Kapitel zu einer Art „Fazit“. Dieses Kapitel beendet im Johannesevangelium die öffentliche Wirksamkeit Jesu. Der Evangelist reflektiert hier noch einmal den Unglauben der Mehrheit des Gottesvolkes gegenüber seinem Christus. Er kann diesem menschlich nicht fassbaren Unglauben nur mit Hilfe der „Verstockungsworte“ von Jesaja 6 einen Sinn abgewinnen, was wir allerdings verstehen können, weil wir um die Bundesbrüche Israel wissen, die das Volk in diese „Verstockung“ geführt hatte:

      „Obwohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn; damit das Wort des Propheten Jesaja erfüllt würde, das er gesprochen hat: »Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn geoffenbart worden?« Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesprochen: »Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie nicht mit den Augen sehen, noch mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile«. Dies sprach Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete.“ (Johannes 12:37-41)

      Johannes kannte also Jesajas Botschaft, ansonsten hätte er ihn wohl nicht zitieren können. Er kannte somit auch die Vision der Herrlichkeit Gottes, die Jesaja hatte, zumal Johannes auf Patmos ja selbst eine Vision davon hatte:

      „Im Todesjahr des Königs Ussija sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und seine Säume erfüllten den Tempel. Seraphim standen über ihm; jeder von ihnen hatte sechs Flügel: mit zweien bedeckten sie ihr Angesicht, mit zweien bedeckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen; die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit! Da erbebten die Pfosten der Schwellen von der Stimme des Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. Da sprach ich: Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den Herrn der Heerscharen, gesehen!“ (Jesaja 6:1-5)

      Die „Herrlichkeit", die Jesu Jünger bei der Hochzeit zu Kana erstmalig schauen sollten, ist die machtvolle Herrlichkeit des Vaters, welche die himmlischen Wesen bekennend preisen, an der Christus schon immer Anteil hatte und die inzwischen in ihm, dem Fleischgewordenen, in die Welt gekommen war. Freilich ist damit noch längst nicht alles gesagt. Denn die „Herrlichkeit Gottes" ist im Jesajabuch nicht nur der Glanz um den Thron Gottes, der den himmlischen Palast und von dem aus die ganze Erde erfüllt und die himmlischen Wesen ihr Dreimal „Heilig“ rufen lässt - die „Herrlichkeit Gottes" ist auch die strahlende Fülle des endzeitlichen Heils, das dem am Schluss geretteten Israel nach aller Not und allem Elend geschenkt wird.

      Für den Evangelisten Johannes war Christus von Anfang an bei Gott (Johannes 1:1), er ruhte am Herzen des Vaters (Johannes 1:18), und er hatte schon Teil gehabt an dessen Herrlichkeit, bevor die Welt war (Johannes 17:5). Die Frage, ob Jesaja nach der Meinung des Evangelisten die Herrlichkeit des unsichtbaren Gottes „Christus“ oder die Herrlichkeit des irdischen Menschensohns Christus geschaut habe, ist also falsch gestellt. Das schreibt auch Petrus:

      „Er [Jesus Christus] war zuvor ersehen vor Grundlegung der Welt, aber wurde offenbar gemacht in den letzten Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn an Gott glaubt, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat, damit euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott gerichtet seien.“ (1.Petrus1:20+21)

      Auch Jesus selbst bestätigt uns am Ende seines Wirkens:

      „Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ (Johannes 17:4+5)

      und er bezieht ausdrücklich seine Jünger, also auch uns, wenn wir seine Jünger und nicht nur seine Fans sind, in diese Herrlichkeit mit ein:

      „Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.“ (Johannes 17:22-24)

      Die Zeichen und Wunder selbst sind also nicht die Herrlichkeit Gottes, sondern nur ein sichtbares Zeichen für diese Herrlichkeit, die in der Einheit, besser dem „Einssein“ von Vater und Sohn und erweitert im Einssein von uns mit Jesus liegt. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch der Teufel Zeichen und Wunder bewirken kann, obwohl er seit seinem Fall absolut nichts mehr von der Herrlichkeit Gottes hat:

      „Da führte der Teufel ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick. Und der Teufel sprach zu ihm: Dir will ich alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du nun vor mir anbetest, so soll alles dir gehören!“ (Lukas 4:5-7)

      Wenn Jesus nun auf dem Weg zu seinem ersten Wunder die Himmelsleiter Jakobs in seine eigene Mission miteinbezieht, dann sagt er, dass der Himmel über ihm geöffnet ist, dass die himmlischen Wesen dem Menschensohn dienen, dass die Herrlichkeit Gottes auf ihm ruht, und dass die Jünger dies alles „sehen", sprich erleben werden.

      „wir predigen das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes. Dass diese Weisheit für uns sichtbar wurde, hat Gott schon vor aller Zeit bestimmt, damit wir an seiner Herrlichkeit Anteil bekommen. Keiner von den Machthabern dieser Welt hat sie erkannt – denn wenn sie diese Weisheit erkannt hätten, dann hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.“ (1.Korinther 2:7+8)

      .