9.November 2016 (Vom Erstlingsbrot zu den Zweigen des Ölbaums)

    • 9.November 2016 (Vom Erstlingsbrot zu den Zweigen des Ölbaums)

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      Vom Erstlingsbrot zu den Zweigen des Ölbaums


      Ich frage nun: "Hat Gott sein Volk etwa verstoßen?" Auf keinen Fall! Ich bin ja selbst ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams aus dem Stamm Benjamin. Nein, Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Er hat es doch von Anfang an erwählt. (Römer 11:1+2)

      Vielleicht konntet ihr zwischen den Zeilen bislang rauslesen, dass auch ich so meine Schwierigkeiten mit dem Wort „verworfen“ im Bezug auf die Juden, als Gottes auserwähltes Volk habe, aber ich habs gestern nunmal geschrieben, weil auch Paulus es benutzte, obwohl, wie ich das empfinde, auch er seine Schwierigkeiten damit hatte, denn Gott hat ja nicht alle verworfen, sondern nur alle außer diesem „Überrest“. Deshalb verwende ich statt „verworfen“ lieber den Begriff „zur Seite gestellt“, vor allem um auch den Christen kein Ärgernis zu sein, die den Unterschied zwischen dem mit einem Volk geschlossenen Alten Bund und dem mit jedem einzelnen persönlich geschlossenen Neuen Bund nicht kennen oder nicht erkennen wollen, wobei mir durchaus klar ist, dass auch der Begriff „zur Seite gestellt“ nicht genau das trifft, was damals am Kreuz in Bezug auf Israel geschehen ist. Deshalb holte Paulus in Römer 11 noch einmal aus, um eben dieses anhand des Ölbaumbildes zu vertiefen:

      „Nun frage ich: "Sind sie etwa gestrauchelt, um nie wieder aufzustehen?" Auf keinen Fall! Vielmehr hat ihr Fehltritt den anderen Völkern die Rettung gebracht, um die Juden wiederum eifersüchtig zu machen.“ (Römer 11:11)

      Sind sie gestolpert, damit sie fallen sollten, und nie wieder aufstehen könnten? Der Apostel bestreitet eine solche Vorstellung energisch. Gottes Ziel ist immer die Wiederherstellung des Sünders. Sein Ziel ist es, dass durch den Fall Israels das "Heil" zu "den Nationen" kommen soll und so Israel zur "Eifersucht" gereizt wird. Diese "Eifersucht" soll Israel schließlich wieder zu Gott zurückbringen. Das ist der Heilsplan Gottes und der bildet den Stamm des Ölbaums. Hier müssen wir eventuell umdenken, wenn wir gelehrt sind, dass Israel dieser Ölbaum sei und dass jetzt die Gläubigen aus den Nationen diesen Stamm bilden würden. Sowohl Israel wie auch die gläubigen Heiden finden wir in den Zweigen und Bättern symbolisiert. Ebenso ist auch die Wurzel dieses Ölbaums nicht Abraham, wie es die Juden und die meisten Bibelschulen lehren, sondern der Bund, den Gott mit Abraham stellvertretend für das zu dieser Zeit noch nicht existente Volk Gottes geschlossen hatte.

      „Wenn das erste Brot der neuen Ernte Gott geweiht ist, dann ist alles Korn dieser Ernte geheiligt. Wenn die Wurzel des Baumes Gott geweiht ist, dann sind es auch die Zweige.“ (Römer 11:16)

      Paulus gebraucht hier zwei Bilder. Einmal geht es um "das Erstlingsbrot" und den "Teig", zum anderen um die Wurzel und die Zweige. Im ersten Bild geht es um das erste Brot, das aus dem geernteten und zu Mehl gemahlenen Weizen gemacht wird, also um den Teig, nicht jedoch um Frucht. In 4.Mose 15:19-21 lesen wir von einem Stück Teig, das dem Herrn als Hebopfer geheiligt war. Hier wird nun geschlossen, dass, wenn das Teigstück für den Herrn geheiligt wird, aller anderer Teig, der mit diesem Teigstück erzeugt wird, dann ebenfalls heilig ist.

      Das "Erstlingsbrot" ist Abraham. Er war in dem Sinne heilig, dass Gott ihn für sich und seinen Bund ausgesondert, also geheiligt hatte. Wenn das für ihn galt, dann galt es durch eben diesen Bund auch für seine verheißene Nachkommenschaft. Sie wurden für eine äußerlich vor Gott privilegierte Stellung ausgesondert.

      Das zweite Bild handelt von der "Wurzel" und den "Zweigen". "Wenn die Wurzel" ausgesondert, also von Gott geheilgt wird, "dann auch auch die Zweige". Der mit Abraham geschlossene Bund ist in dem Sinne "die Wurzel", weil er den ersten erkennbaren Schritt Gottes darstellte, seinen Heilsplan zu verwirklichen. Wäre Abraham die Wurzel, wie es im allgemeinen gelehrt wird, so müssten in Anwendung von 4.Mose 15:19-21 beide seiner Söhne wie Abraham von Gott geheiligt worden sein, denn alles, was Gott benützt, um seinen heiligen Heilsplan voranzubringen, muss von ihm nach dem Prinzip von Saat und Ernte geheiligt sein. Wir wissen aber, dass der aus eigener Lendenkraft gezeugte Ismael nicht in dem Heilsplan Gottes eingebunden war, sondern einzig und allein Isaak, der Sohn der Verheißung. Deshalb stellt der Bund Gottes, in dem Gott selbst seine Verheißung durch Schwur und Opfer beeidet, die Wurzel des Ölbaums dar. Ich schreib das hier so explizid, damit wir vom jüdischen Menschenkult um Abraham und später auch um Moses abrücken. Das waren Menschen, ganz normale Menschen, die von Gott geheiligt wurden. Menschen wie du und ich, die für Gott ausgesondert waren, so wie auch wir ausgesondet sind, wenn wir im Neuen Bund mit Jesus wandeln, denn dann – und nur dann, sind wir aktiv in den Heilsplan Gottes eingebunden, ebenso wie Abraham, nicht aus eigener Kraft (Ismael), sondern aus der Kraft Gottes, die aus seinen Verheißungen fließt (Isaak).

      „ Nun sind einige Zweige ausgebrochen worden, und du wurdest als neuer Zweig unter die übrigen eingepfropft. Obwohl du von einem wilden Ölbaum stammst, hast du jetzt Anteil am Saft aus der Wurzel des edlen Ölbaums.“ (Römer 11:17)

      Bei diesem Bild ist es wie bereits erwähnt, wichtig zu erkennen, dass der Hauptstamm des Ölbaumes nicht Israel, wie gelehrt wird, sondern Gottes Segenslinie durch die Jahrhunderte ist. Wenn der Stamm Israel wäre, dann würden wir das seltsame Bild haben, dass Israel aus Israel ausgeschnitten und dann wieder eingepfropft würde. Es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass der "wilde Ölbaum" nicht die Gemeinde ist, sondern die Heiden allgemein. Andernfalls würde sich die Möglichkeit ergeben, dass echten Gläubigen die Vorrechtsstellung vor Gott wieder genommen werden könnte. Paulus hat jedoch schon gezeigt, dass das unmöglich ist:

      „Denn ich bin überzeugt: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Teufel, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder hohe Kräfte noch tiefe Gewalten – nichts in der ganzen Schöpfung kann uns von der Liebe Gottes trennen, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“ (Römer 8:38+39)

      Wenn wir nun sagen, dass der Stamm des Ölbaumes Gottes Segenslinie durch die Jahrhunderte ist, was meinen wir dann mit dem Wort "Segenslinie"? Gott entschied sich, ein Volk zu erschaffen, das vom Rest der Welt getrennt, also für ihn ausgesondert sein und demzufolge mit besonderen Vorrechten gesegnet sein sollte, um sich an dieser bevorzugten Stellung zu erfreuen.

      Im Alten Testament bildete also dieses Volk Israel diese Segenslinie. Es bildete quasi die Blätter dieses Ölbaums. Es war Gottes von alters her erwähltes irdisches Volk. Aufgrund des permanenten Götzendienstes der Juden, der aus dem Widerstand gegen die Beschneidung ihrer Herzen resultierte, was in der Ablehnung und Ermordung des Messias gipfelte, wurden "einige der Zweige ausgebrochen" und so verloren ihre Stellung als "lieber Sohn". Die Heiden wurden in Folge dessen in den Ölbaum "eingepfropft" und wurden gemeinsam mit dem „Überrest“, also mit den an Jesus Christus gläubigen Juden, Teilhaber an "der Wurzel und der Fettigkeit" dieses Ölbaumes. Die "Wurzel" ist, wie bereits ausgeführt der Bund, mit dem die Segenslinie begann. Wenn wir weiterhin bei diesem Ölbaumbild bleiben, könnte man sagen, dass Israel dieser „kultivierte“ Ölbaum deshalb war, weil dieses Volk einen Bund mit Gott hatte. Alle andern Völker, also die Heiden, waren „wilde“, also unkultivierte Ölbäume, weil sie keinen Bund mit Gott hatten, der sie kultiviert hätte.

      Die "Fettigkeit" des Ölbaums bezieht sich auf seine Fruchtbarkeit - d. h. auf seine reiche Olivenernte und das Öl, das daraus gepresst wurde. Hier steht die "Fettigkeit" für die Vorrechte, die wir Heiden durch die „Einpfropfung“ in diesen Ölbaum erhalten haben. Voraussetzung dafür „fettig“ oder fruchtbar zu sein ist also diese „Einpfropfung“ in die Segenslinie Gottes und das geschieht ebenfalls durch einen Bund, den Neuen Bund, geschlossen im Blut des Lammes, des Messias Jesus Christus. In diesen Bund einzutreten, indem wir unsere Ichsucht und Selbstzentriertheit in den Tod geben, macht uns zu fruchtbaren, eingepfropften Zweigen, zu Menschen, denen die Verheißungen Gottes gelten, zu geliebten Söhnen und Töchtern unseres himmlischen Vaters.

      „Ich bin mit Christus gekreuzigt und lebe praktisch nicht mehr. Christus lebt in mir. Und das Leben, das ich jetzt noch in meinem sterblichen Körper führe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich geopfert hat. Diese Gnade Gottes werde ich doch nicht zurückweisen.“ (Galater 2:19-21)
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