7. November 2016 (Der "Überrest")

    • 7. November 2016 (Der "Überrest")

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      Der "Überrest"


      Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr [„ba’al“]war, spricht der Herr. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. (Jesaja 31:31-33)

      „Sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr [Herr, Ehemann, „Ba’al“] war“. Durch die vielen Bundesbrüche haben sich Israel und Juda aus dem Bund, den Gott mit Abraham und Mose geschlossen hatten hinauskatapultiert, der absolute Gipfel dieser Treulosigkeit war das „Kreuziget ihn“ und sein „Blut komme über uns und unsere Kinder“ (Matthäus 27:22-25). Damit endete der Alte Bund, den Gott mit Abraham stellvertretend für das gesamte Volk Israel geschlossen hatte, wurde ungültig und es wurde drei Tage später der Neue Bund von Gott aufgerichtet, wobei das Kreuz Jesu für diese Aufrichtung bildhaft steht. Dieser Neue Bund wurde nicht mehr mit einem Volk geschlossen, sondern diesen Bund bietet Gott jedem Menschen an, egal ob Jude oder Heide.

      „Jesus sagte ihnen noch ein Gleichnis: "Mit der Himmelsherrschaft verhält es sich wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Als es so weit war, schickte er seine Diener los, um die, die er zum Fest eingeladen hatte, rufen zu lassen. Doch sie wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener los und ließ den Eingeladenen sagen: 'Das Festmahl ist angerichtet, Ochsen und Mastkälber geschlachtet, alles ist bereit. Beeilt euch und kommt!' Doch sie kümmerten sich überhaupt nicht darum. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft. Einige jedoch packten die Boten, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig. Er schickte seine Truppen aus, ließ jene Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sagte er zu seinen Dienern: „Das Hochzeitsfest ist vorbereitet, aber die Gäste, die ich eingeladen hatte, waren es nicht wert. Geht jetzt auf die Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft.“ (Matthäus 22:1-9)

      Auch hier sehen wir wieder den engen Zusammenhang zwischen dem Bündnis Gottes und dem Bund der Ehe. Israel und Juda hatten dem liebenden und fürsorglichen „Ehemann“ Gott Hörner aufgesetzt, seine Liebe also dadurch mit Füßen getreten. 2 000 Jahre lang hatte Gott Gnade über Gnade walten lassen, ich bin mir sicher, dass es keinen Ehemann auf der Erde gibt, der ein derartiges Maß an Fremdgehen und Treuebrüchen erdulden würde, wie der allmächtige Gott erduldet hatte.

      Hat Gott sein Volk also verstoßen? Diese Frage wird immer wieder heiß diskutiert, aber die Antwort ist, wenn wir diese Grundlagen haben, nicht so kompliziert, wie es den Anschein hat, denn die Antwort ist sowohl ja als auch nein. Das schreibt auch Paulus der Gemeinde in Rom:

      „Ich frage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne!“ (Römer 11:1)

      „Denn wenn schon die Verstoßung Israels der Welt die Versöhnung mit Gott brachte, was wird dann erst Israels Wiederannahme bringen? Nicht weniger als dass Tote lebendig werden.“ (Römer 11:15)

      Für jeden, der über den Bund nicht Bescheid weiß, stellen diese beiden Sätze einen krassen Widerspruch dar. Nicht jedoch für uns. Gott hatte diesen Alten Bund mit einem Volk geschlossen, nicht mit dem einzelnen Juden. In Gottes Augen ein Ehebund. Gott hat deshalb auch keinen Bund mit einem anderen Volk geschlossen, denn das wäre ja einem Ehebruch seinerseits gleich gekommen. Den permanenten Ehebruch beging eben dieses Volk als Gesamtheit, diese „Ehefrau“. Deshalb hat Gott sie verstoßen, wie auch die Israeliten ihre Frauen verstießen, also aus dem Bund entließen (Matthäus 1:19), wenn sie Ehebruch begangen hatten. Gesteinigt wurden deshalb die wenigsten, weil man dafür mindestens zwei zuverlässige Juden als Zeuge brauchte, was meist nicht zu finden war, weil Ehebruch nunmal seltenst in der Öffentlichkeit praktiziert wurde und wird. Das Recht dieses Volk auszurotten hätte Gott allemal gehabt, denn diese Volk hurte ja völlig selbstverständlich in der Öffentlichkeit, „auf allen Höhen“, wo die Altäre für die andern Götter standen, deshalb hat Gott mit der Verstoßung dieses Volkes Gnade vor Recht ergehen lassen.

      Aber den einzelnen Juden hat Gott nicht verstoßen. Diejenigen, die Jesus dienen würden, hat Gott von der Verstoßung ausgenommen. Das waren die Jünger Jesu und die Juden, die durch die Jünger zum Glauben kommen würden. Paulus bezeichnet diese als „Erwählte“, um aufzuzeigen, dass auch diese nicht aus eigenen Werken der Verwerfung entgangen waren, sondern aus Gnade.

      „So ist es auch jetzt: Gott hat einen Rest von seinem Volk übrig gelassen, einen Rest, den er aus Gnade ausgewählt hat – aus Gnade, also nicht aufgrund von Werken, sonst wäre die Gnade ja nicht mehr Gnade. Was heißt das nun? Was Israel erstrebt, hat nicht das ganze Volk, sondern nur der ausgewählte Rest erlangt. Die Übrigen sind starrsinnig geworden, wie die Schrift sagt: "Gott hat einen Geist der Betäubung über sie kommen lassen. Sie haben Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören, und so ist es bis zum heutigen Tag." (Römer 11:5-8)

      Wir dürfen hier nicht aus den Augen verlieren, dass im Judentum die eheliche Treue nicht mit der Hochzeit, sondern mit der Verlobung begann. Von diesem Tag an waren die beiden Mann und Frau (Be’ulah und Ba’al), auch wenn die körperliche Vereinigung erst in der Hochzeitsnacht stattfand. Die eigentliche Hochzeit war also nur das Ergebnis oder das sichtbar werden des Treueschwurs, der bei der Verlobung bereits gegeben wurde. Deshalb ist es unerheblich, ob die Bibel Gott als Ehemann Israels bezeichnet oder Jesus als den Bräutigam und uns als die Braut, es kommt de facto auf dasselbe raus. Beides bezeichnet den Bund, in dem sich beide Parteien zu absoluter Treue und Hingabe verpflichten. Diese Braut Jesu ist das Neue Jerusalem, also die Summe all derer, deren Namen im Buch des Lebens stehen, das sind diejenigen, die sich in seinem Bund befinden, Juden wie Heiden:

      „Und es kam zu mir einer der sieben Engel, welche die sieben Schalen hatten, die mit den sieben letzten Plagen gefüllt waren, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau, die Braut des Lammes, zeigen! Und er brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam, welche die Herrlichkeit Gottes hat ... Und es wird niemals jemand in sie hineingehen, der verunreinigt, noch jemand, der Greuel und Lüge verübt, sondern nur die, welche geschrieben stehen im Buch des Lebens des Lammes.“ (Offenbarung 21:9-11+27)

      Als die Juden „Kreuziget ihn“ geschrien hatten, bedeutete das die Verstoßung der Juden als Bundesvolk mit Ausnahme des „Überrestes“, der Jünger Jesu und den Juden, die durch sie zum Glauben kamen. All diese sind samt und sonders in den Neuen Bund eingetreten, indem sie Jesus als Messias anerkannten, ihm ihr Leben gaben und sich auf den Namen Jesus taufen ließen. Das war nicht nur ne handvoll, denn wir lesen in der Apostelgeschichte, dass dies an Pfingsten etwa 3 000 Juden waren (Apostelgeschichte 1:40), dazu schreibt Paulus:

      „Nein, Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Er hat es doch von Anfang an erwählt. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift von Elija sagt, als er sich bei Gott über das Volk beklagt? "Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre niedergerissen. Ich allein bin übrig geblieben und nun wollen sie auch mich noch töten." Und was gab Gott ihm zur Antwort? "Ich habe 7000 Männer für mich übrig gelassen, die sich nicht vor dem Götzen Baal auf die Knie geworfen haben." So ist es auch jetzt: Gott hat einen Rest von seinem Volk übrig gelassen, einen Rest, den er aus Gnade ausgewählt hat.“ (Römer 11:2-5)

      Gott hat diesen „Überrest“ aus den Juden als Grundpfeiler oder Erstlinge des Neuen Bundes erwählt, sie waren Juden der Abstammung nach und dem Herzen nach, die keinen fremden Göttern mehr opferten (wie die Juden zu Zeiten Elijas) und voller Stolz und Herzenshärte waren, sondern diejenigen, wo die Voraussetzung für eine Beschneidung ihres Herzens gegeben war:

      „Von diesen Worten waren die Zuhörer bis ins Innerste getroffen. "Liebe Brüder, was sollen wir jetzt tun?", fragten sie Petrus und die anderen Apostel. "Ändert eure Einstellung", erwiderte Petrus, "und lasst euch auf die Vergebung eurer Sünden hin im Namen von Jesus, dem Messias, taufen! Dann werdet ihr als Gabe Gottes den Heiligen Geist bekommen. Denn diese Zusage gilt euch und euren Kindern und allen, die jetzt noch weit weg sind. Sie gilt allen, die der Herr, unser Gott, noch hinzurufen wird." Er redete ihnen lange eindringlich zu und ermahnte sie: "Lasst euch aus dieser schuldbeladenen Generation herausretten!" (Apostelgeschichte 2:37-40)

      „Ändert eure Einstellung (Apostelgeschichte 2:38)“ oder „lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes (Römer 12:2)“ oder „beschneidet nun die Vorhaut eures Herzens und seid nicht mehr halsstarrig! (5.Mose 10:16) oder „verleugnet euch selbst und nehmt euer Kreuz auf euch und folgt mir nach (Matthäus 16:24)“. Das ist es, was diesen „Überrest“ ausmachte, das ist es, was auch uns ausmacht. Das ist es, was unseren Liebesbund mit Jesus in der sichtbaren und auch unsichtbaren Welt signalisiert. Das ist es, was uns zu einer „Neuen Schöpfung“ macht, das ist es, weshalb wir im Buch des Lebens stehen und das ist es auch, was uns Bürgerrecht im Neuen Jerusalem gibt, denn nur wer in diesem Buch geschrieben steht, darf sich dieses Bürgerrechts gewiss sein. Das wird in unserer sogenannten Christenheit viel zu wenig gepredigt und leider noch viel weniger praktiziert.

      „Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten (Galater 5:24)“.

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