20.Oktober 2016 (Jakobs dunkelste Stunde)

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    • 20.Oktober 2016 (Jakobs dunkelste Stunde)

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      Jakobs dunkelste Stunde


      Er [Jakob] stand aber noch in derselben Nacht auf und nahm seine beiden Frauen und seine beiden Mägde samt seinen elf Kindern und überschritt mit ihnen die Furt Jabbok; und er nahm sie und führte sie über den Fluss und ließ alles, was er hatte, hinübergehen. Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als dieser sah, daß er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, so daß Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm. Und der Mann sprach: Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich! Da fragte er ihn: Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob! Da sprach er: Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen! Jakob aber bat und sprach: Lass mich doch deinen Namen wissen! Er aber antwortete: Warum fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort. Jakob aber nannte den Ort Pniel; denn er sprach: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden! Und die Sonne ging ihm auf, als er an Pniel vorüberzog; und er hinkte wegen seiner Hüfte. (1.Mose 32:23-32)

      Was Jakob bezüglich des Segens des Vaters mit seiner Mutter abgezogen hatte, war seinem Bruder Esau zuviel der Bosheit und er beschloss, nach dem Tod seines Vaters Jakob umzubringen (1.Mose 27:41). Allerdings hatte das seine Mutter Rebekka irgendwie mitbekommen und wies ihren Lieblingssohn an, vor seinem Bruder zu fliehen und schickte ihn zu ihrem Bruder Laban. Auf dem Weg dahin war die Sache mit der Himmelsleiter in Bersheba. Jakob zieht weiter auf seinem eigenen Weg nach Haran, dem Wohnort seiner Verwandten, aber trotzdem geht Gott mit ihm.

      Dort trifft er in seinem Onkel Laban auf einen Menschen, der fast noch gerissener ist als er selbst: Wir kennen die Hochzeitsüberraschung, als sich Jakob plötzlich mit der unerwünschten Lea verheiratet sieht, statt mit der geliebten Rahel. Statt den ausgehandelten sieben Jahren musste er 14 Jahre für die Frau, die er liebte dem Onkel dienen (1.Mose 29:15-30). Aber obwohl er jetzt Lug und Betrug am eigenen Leib hatte spüren müssen, drängt doch das eigene Ich, der eigene Vorteil, in Jakob immer wieder nach vorn. Sein Leben, seine Karriere, allein Gott zu überlassen, - das ist einem Jakob unmöglich (1.Mose 30:25-43).Durch listige Aktionen bringt er es fertig, dass seine Schafe kräftiger und seine Herden größer werden als die seines Onkels Laban. Und Gott schwieg dazu.


      Aber dann kommt ein Zeitpunkt, an dem Jakob Angst bekommt. Und zwar, als es heimwärts geht. - Auf dem Heimweg, den er diesmal tatsächlich auf Geheiß Gottes angetreten hat, da überfällt ihn die Angst (1.Mose 32:10). Dem Menschen, der seiner Heimat entgegengeht, dem Ziel seines Lebensweges, stehen plötzlich die früheren Taten und Versäumnisse vor Augen.Und er bekommt Angst, als er hört: „Esau zieht dir entgegen, mit 400 Bewaffneten“ (1.Mose 30:7). Das war der Punkt, wo Jakob von seiner Vergangenheit eingeholt worden war. Deshalb betete er:

      „Du Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, Herr, der du zu mir gesagt hast: Kehre wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft zurück; ich will dir wohltun! Ich bin zu gering für alle Gnade und Treue, die du an deinem Knecht bewiesen hast! Denn ich hatte nur einen Stab, als ich über diesen Jordan ging, und nun bin ich zu zwei Heerlagern geworden. Errette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus; denn ich fürchte ihn; er könnte kommen und mich erschlagen, die Mutter samt den Kindern! Du aber hast gesagt: Ich will dir gewisslich wohltun und deinen Samen machen wie den Sand am Meer, der vor Menge nicht zu zählen ist!“ (1.Mose 32:10-13)

      Aber wir kennen Jakob zwischzeitlich gut und so überrascht es uns nicht, dass er es nicht dabei beließ, seinem Gott zu vertrauen, sondern aktiv nachhalf. In wohlberechneter Folge lässt er Geschenke für Esau vorausziehen, um ihn günstig zu stimmen.Und seine Karawane teilt er vorsichtshalber in zwei Lager, damit für einen Teil immer noch eine Fluchtmöglichkeit bleibt, falls Esau zuschlagen sollte (1.Mose 32:14-32). Er schickte sein Hab und Gut, Kinder und Frauen über den Fluss Jabbok. Als das alles gut über die Bühne gegangen war, wollte er als Letzter über den Fluss gehen und genau da geschah es:

      „Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als dieser sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, so dass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm.“ (1.Mose 32:25+26)

      Wer war das denn, mit dem Jakob so heftig gerungen hatte? Es steht geschrieben „ein Mann“ (Vers 25), es steht aber auch geschrieben, was Jakob nachher sagte: „Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden!“ (Vers 31). Wir wissen aber, dass niemand Gott von Angesicht zu Angesicht sehen kann, ohne dass dies sein sofortiger Tod ist. Das sagt uns Gott selbst in 2.Mose 33:20-23:

      „Und er [Gott] sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht! Doch sprach der Herr: Siehe, es ist ein Ort bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, so stelle ich dich in die Felsenkluft und will dich mit meiner Hand solange bedecken, bis ich vorübergegangen bin. Wenn ich dann meine Hand zurückziehe, so darfst du hinter mir hersehen; aber mein Angesicht soll nicht gesehen werden!“

      Im Vers 29 sagt die Gestalt mit der Jakob gerungen hatte, er habe „mit Gott und Menschen“ gekämpft, das ist für mich eigentlich eine klare Ansage, dass es sich um Jesus gehandelt hat, die einzige Person im Universum, die Gott und Mensch war.

      Spüren wir, wie wir selbst plötzlich mitten drin sind in diesem Geschehen? Erkennen wir uns in dem Menschen Jakob, der von „Nachfolge“ spricht und doch „Handel mit Gott“ meint? - Erkennen wir den Menschen, der einen „lieben Gott“ als Erbstück herumschleppen möchte, ein Erbstück, das man hervorkramt, wenn die eigenen Kräfte vielleicht mal nicht ausreichen? - Erkennen wir uns, wie wir versuchen, mit Gott zu handeln: „Gibst du mir, Gott, - dann will ich auch etwas für dich tun!“?

      Jakob steht am Jabbok ganz allein vor Jesus, mitten in der Nacht. Da, wo das Christsein zu einer ganz persönlichen Auseinandersetzung wird zwischen uns und Jesus, da, wo es ganz unausweichlich persönlich wird, da, wo unser Leben vor Gott zur Entscheidung steht: Da ist Nacht. Da gilt und nützt keine Maske mehr, sie wird von niemandem mehr gesehen. Da sind wir allein, allein im Dunkel der Nacht. Nicht genug, dass wir von Dunkelheit umgeben sind und uns fragen, wo ist Gott, fällt auch noch „der Schrecken des Herrn“ auf uns, er stellt sich uns in den Weg. Das muss jeder von uns mal erleben, das erlebten alle Männer und Frauen Gottes, auch Jakob hier wie auch sein Großvater Abraham es in den Stunden erleben musste, bevor Gott seinen Bund mit ihm einging, der eine wahre Sternstunde für Israel und später die gesamte Menschheit werden sollte (1.Mose 15).

      „Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: "Deinetwegen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden." Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8:35-39)

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