18.August 2016 (Logos und Glaube)

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    • 18.August 2016 (Logos und Glaube)

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      Logos und Glaube


      Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung [wörtlich: aus dem Gehörten], die Verkündigung aber durch Gottes Wort. (Römer 10:17)

      Paulus zeigt hier die Verbindung zwischen Wort Gottes, Gehörtem (Predigt, Verkündigung) und Glaube auf. Andere Quellen des Glaubens werden nicht genannt. Was ist hier mit „Verkündigung" gemeint? Das im griechischen Grundtext verwendete Wort kommt vom Verb für „hören" und kann in diesem Zusammenhang zwei Bedeutungen haben: entweder die Tätigkeit des Hörens (das Hören) oder den Inhalt des Hörens (das Gehörte, das Verkündigte). Ich vermute, dass Paulus an beides gedacht hatte, weil es in dieser Textpassage im Vers 16 um das Gehörte und im Vers 18 um das Hören geht.

      Das scheint nun einigen Berichten der Bibel zu widersprechen, denn in den Evangelien und in der Apostelgeschichte scheint es tatsächlich Beispiele dafür zu geben, dass Menschen glaubten aufgrund dessen, was sie gesehen hatten: die orientalischen Magier glaubten, nachdem sie den Stern von Bethlehem gesehen hatten (Matthäus 2:2); die Volksmengen verherrlichten Gott für die Wunder, die Jesus tat (Matthäus 9:8; 15:31 / Markus 2:12 / Lukas 5:26; 18:43) - manchmal wird sogar ausdrücklich gesagt, dass viele Menschen aufgrund dieser Wunder an Ihn glaubten (Johannes 2:23; 6:14; 11:45); wegen der übernatürlichen Begleiterscheinungen des Sterbens Jesu glaubte ein römischer Hauptmann an Ihn als den Sohn Gottes (Matthäus 27:54 / Lukas 23:47); die Hirten glaubten, nachdem sie das Kind in der Krippe gesehen hatten (Lukas 2:15-17); als Johannes der Täufer von Zweifeln geplagt wurde, wies der Herr Jesus ihn auf die Wunder hin (Lukas 7:22); Johannes und Thomas glaubten erst dann an die Auferstehung Jesu, als sie sich mit ihren eigenen Augen davon überzeugen konnten (Johannes 20:8 und 25); und der Prokonsul auf Zypern glaubte aufgrund eines Wunders, das Paulus getan hatte (Apostelgeschichte 13:12).

      Aber der Glaube, der in diesen Fällen durch das Sehen entstand, war kein Glaube im biblischen Sinn. Glauben ist mehr als ein bloßes Fürwahrhalten. Biblischer Glaube bedeutet, seine ganze Hoffnung auf Jesus Christus zu setzen, ihm sein Leben anzuvertrauen, sein Erlösungswerk anzunehmen und ein neues Leben mit Ihm, für Ihn und durch ihn zu beginnen. Der Glaube ist also eine vertrauensvolle persönliche Beziehung. Wenn wir uns diese scheinbaren biblischen Beispiele für das Sehen als Quelle des Glaubens näher anschaun, merken wir schnell, dass das Sehen in diesen Fällen nicht zum biblischen Glauben, Nachfolge und Jüngerschaft geführt hatte und Thomas sowie Johannes waren ja bereits Nachfolger Jesu, als ihre Glaubenszweifel, was die Auferstehung anbetraf, durch das Sehen und Betasten von Jesus ausgelöscht worden waren.

      Ich würde hier auch das Wort „Hören“ nicht überbewerten, denn zu den neutestamentlichen Zeiten war ja das Neue Testament noch gar nicht geschrieben, es gab nur die Schriftrollen das Alten Testaments im Tempel und den Synagogen. Außerdem war abgesehen von einer verschwindend kleinen Elite damals keiner des Lesens oder Schreibens mächtig. Deshalb favorisiere ich, wie auch die Schlachter-Übersetzung das Wort „Verkündigung“, wobei sich diese ausschließlich auf das lebendige Wort Gottes [Logos] beziehen muss. So fallen bei uns modernen Menschen auch andere Arten der Verkündigung an, durch Bücher, Traktate, Broschüren, Filme, Tonträger, Internet, also das, was man mit Medien bezeichnet. Es geht im Neuen Testament, also im Christentum, niemals um die Form, sondern grundsätzlich um den Inhalt.

      Auch William MacDonald stellt in seinem Kommentar treffend fest, dass damit nicht ausschließlich eine akustische Wahrnehmung gemeint sein muss:

      „Die Botschaft könnte etwa auch gelesen werden. Deshalb bedeutet 'hören' hier, das Wort empfangen, auf welchem Weg auch immer."

      Die Luther-Übersetzung: „Der Glaube kommt aus der Predigt" verengt die Bedeutung unnötig und lässt einseitig an eine Rede von der Kanzel denken. Verkündigung kann jedoch z.B. auch im persönlichen, seelsorgerlichen oder evangelistischen Gespräch geschehen. Entscheidend ist letztlich nicht die Form, sondern die Botschaft selbst. Das geht aus der zweiten Hälfte von Römer 10:17 hervor: „die Verkündigung (ist) aber durch das Wort Christi [oder Wort Gottes]. Für den Begriff „Wort" steht hier im Grundtext nicht der griechische Ausdruck „logos", der sonst im Neuen Testament fast immer das lebendige Wort Gottes bezeichnet, sondern „rhema". Damit ist meistens eher das gesprochene oder ausgesprochene Wort gemeint. Vermutlich soll damit angedeutet werden, dass durch die Verkündigung das uns ja schriftlich vorliegende Wort Gottes bzw. Christi wieder neu gesprochen und somit hörbar gemacht, also akustisch empfangen wird.

      Wenn wir verstanden haben, dass Jesus das Wort Gottes in Person ist [Logos], dann ist jede Verkündigung dieses Wortes dazu angetan, ihn zu verherrlichen und seinen Namen groß zu machen. Ich wiederhole mich in dem Fall nicht ungern: Es geht in der gesamten Bibel von der ersten bis zur letzten Seite um Jesus, auch wenn wir das aufgrund unserer menschlichen Verstandes-Beschränkung nur durch den Heiligen Geist erkennen können. Er ist der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Universums und von allem, was noch darüber hinausgeht, der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und auch der Dreh- und Angelpunkt der Schrift. Wir können Gott als Vater nur anbeten, wenn wir ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten und dieser Heilige Geist der Wahrheit wird immer den Namen Jesus über alle Namen erheben, denn nur durch den Glauben an Jesus können wir ewiges Leben haben, was Gottes Heilsplan bereits vor Erschaffung des ersten Menschen war, wie wir bereits gesehen haben. Deshalb ist jede Verkündigung, die nicht Jesus als zentralen Punkt hat, nicht mehr als fromme, religiöse, leere Worte. Sie können in uns durchaus „holy feelings“ erzeugen, aber sie können uns nicht in den echten biblischen Glauben führen. Gott wird niemals uns oder unsere Worte durch Zeichen und Wunder bestätigen, denn das würde ja uns die Ehre geben. Er bestätigt das verkündigte, lebendige, vom Heiligen Geist getragene Wort Gottes [Logos], das Evangelium, die „frohe (gute) Botschaft" von Gottes Heilsplan in die Gnade des persönlichen Glaubens und damit zum ewigen Leben und er bestätigt dadurch seinen Sohn, der ja das Wort Gottes in Person ist, durch Zeichen und Wunder.

      „Doch blieben sie längere Zeit dort und lehrten freimütig im Vertrauen auf den Herrn, der dem Wort [Logos] seiner Gnade Zeugnis gab und Zeichen und Wunder durch ihre Hände geschehen ließ.“ (Apostelgeschichte 14:3)

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