16.August 2016 (Die hypostatische Union und das Wort als Richter)

    • 16.August 2016 (Die hypostatische Union und das Wort als Richter)

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      Die hypostatische Union und das Wort als Richter


      Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert hervor; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Kraft. Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen nieder wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende; und ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! Und ich habe die Schlüssel des Totenreiches und des Todes. (Offenbarung 1:16-18)

      Wenn wir uns die Mühe machen, diese Bibelstelle im Kontext zu betrachten, dann wissen wir, dass hier von Jesus Christus die Rede ist, dessen Angesicht „wie die Sonne leuchtet in ihrer Pracht“. Petrus, Jakobus und Johannes hatten davon bereits zu Lebzeiten Jesu einen kleinen Vorgeschmack bekommen:

      „Und nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus, den Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie beiseite auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verklärt, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.“ (Matthäus 17:1+2)

      Wir sprachen gestern darüber, dass dieser Jesus nicht erst zu Lebzeiten, sondern bereits bei der sogenannten Schöpfungsgeschichte die im Dunkel liegende Erde erhellte. Das Wort aus dem Mund Gottes [Logos] wurde zum Licht. Sein Name Jesus Christus. Jesus als Logos sowie als Licht, sorgte für die Trennung von Finsternis und Licht, es ist derselbe Jesus Christus, aus dessen Mund im Unsichtbaren dieses zweischneidige Schwert hervorgeht, wie Johannes in der Offenbarung das von ihm Gesehene beschreibt.

      Jesus wurde als normales Baby geboren, er musste gestillt und seine Windeln mussten gewechselt werden, er war Mensch wie du und ich, musste essen und trinken, war mit allen Empfindungen ausgestattet, er war nicht der Superstar, der irgendein Wunder aus eigener Kraft vollbringen konnte, alles Übernatürliche, was er tat, tat der Heilige Geist durch ihn, genauso wie es derselbe Heilige Geist durch dich und mich tun kann. Der einzige Unterschied zwischen ihm und uns ist, dass wir mit der vererbungsbedingten Schuld Adams (Erbsünde) zur Welt kamen, weil wir vom vergänglichen, verderbten Samen eines Mannes gezeugt wurden während der Mensch Jesus von Gottes ewigem Samen durch den Heiligen Geist gezeugt worden war.

      „Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.“ (Markus 16:17+18)

      „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zu meinem Vater gehe.“ (Johannes 14:12)

      Wäre Jesus nicht vollkommener Mensch gewesen, hätte er nicht für unsere Schuld bezahlen können. Und so kam Gott durch den heiligen Geist gezeugt in Verbindung mit der Eizelle Marias als Sterblicher zur Welt und diese Verbindung hatte den Namen Jesus, nach dem Plan Gottes auf den Logos, das Wort vom Thron Gottes hin, das durch den Engel weitergegeben wurde:

      „Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären; und du sollst ihm den Namen Jesus geben. [Jesus ist die griechische Schreibweise des hebräischen Jehoschua; dieser Name bedeutet »Der Herr ist Rettung«.] Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“ (Lukas 1:31-33)

      Dieser „Gott zum Anfassen“ (Matthäus 14:36) war als „der Sohn“ 33 Jahre lang auf der Erde, also im Sichtbaren und in der Zeit war er dem Vater und dem Wort [Logos] untertan. Aber bei allem Gehorsam ließ er keinen Zweifel daran, dass er im Unsichtbaren ewig war und ewig sein wird. Der Sohn ist immer Gott gewesen (Johannes 8:58; 10:30), aber durch die Inkarnation ist der Sohn Mensch geworden (Johannes 1:14). Die Hinzufügung der menschlichen Natur zur göttlichen Natur ist Jesus, der Gott-Mensch. Das ist die sogenannte „hypostatische Union“, Jesus Christus, eine Person, ganz Gott und ganz Mensch. Die Doktrin der hypostatischen Union ist ein Versuch zu erklären, wie Jesus zur selben Zeit zugleich Gott und Mensch sein kann. Letztlich können wir diese Doktrin jedoch nicht völlig verstehen, weil es für uns unmöglich ist, vollkommen zu verstehen, wie Gott wirkt. Als menschliche Lebewesen mit begrenztem Verstand sollten wir allerdings auch niemals erwarten, den unendlichen Gott völlig verstehen zu können.

      „Daher mußte er in jeder Hinsicht den Brüdern ähnlich [gleichförmig] werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester würde in dem, was Gott betrifft, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden.“ (Hebräer 2:17+18)

      Der historische Jesus war beides: Gott und Mensch. Der Sohn ist immer Gott gewesen, aber Er wurde erst Mensch, als Er durch Maria empfangen wurde. Der Sohn wurde Mensch, damit Er sich mit unseren Nöten identifizieren konnte und, was noch wichtiger ist, damit Er am Kreuz als Bezahlung für unsere Sünden sterben konnte (Philipper 2:5-11). Insgesamt gesehen lehrt die hypostatische Union, dass Gott zugleich ganz Gott und ganz Mensch ist, dass es weder eine Vermischung noch eine Abschwächung beider Naturen gibt, dass Er für immer eine geeinte Person ist. In der Zeit, wo er auf der Erde war, war er der Sohn, der gekommen war, um zu suchen und zu retten, was verloren ist (Lukas 19:10) aber wir dürfen diesen Jesus nicht ausschließlich auf sein sichtbares Erdendasein reduzieren, wie wir das Wort Gottes [Logos] nicht auf gedruckte Buchstaben reduzieren dürfen.

      Jesus war von Anfang an der Logos (das Wort Gottes) und wird es bis in alle Ewigkeit sein. Er ist der Grundstein, auf dem alles gegründet ist, der Eckstein, an dem sich alles ausrichtet, was ewig Bestand hat und der Schlussstein, der den Bau des Reiches Gottes abschließt, das erste und das letzte Wort Gottes und jedes Wort dazwischen. Er ist auch der Stein des Anstoßes, nicht Gott als Herrscher sondern Jesus als Gott, an ihm scheiden sich die Geister. Und diese Scheidung bedeutet Trennung – ohne Trennung keine Scheidung. Und genau das geschah bereits bei der sogenannten Schöpfungsgeschichte. Gott trennte durch sein Wort [Jesus] Licht von Finsternis, die Wasser von „oben“ und die Wasser von „unten“, Erde von Meer sowie Tag von Nacht (1.Mose 1). Mit dieser Trennung kam das Gericht Gottes auf die Erde, denn Trennung bedeutet Gericht:

      „Wenn aber der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen, und vor ihm werden alle Heidenvölker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken.“ (Matthäus 25:31-33)

      So können wir (hoffentlich) verstehen, dass Jesu auf der Erde niemanden verurteilt hat, weil er, um Mensch zu werden alle Herrlichkeit, die er hatte abgelegt hatte, aber als der Jesus, der er von Ewigkeit her war und in Ewigkeit sein wird, ist er sowohl der Logos als auch der Richter. Dies wird symbolisiert durch das zweischneidige Schwert, das in der Offenbarung aus seinem Mund kommt. Dieses Schwert steht für Trennung, also für das Wort (Logos), das trennt und ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Jesus in seiner Herrlichkeit das Wort Gottes sowie Richter ist, wie wir auch im Hebräerbrief lesen können:

      „Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“ (Hebräer 4:12)

      Machen wir nicht den (leider üblichen) Fehler, diese Aussage auf die Bibel prinzipiell zu beziehen, denn wenn wir dies tun, beten wir ein Buch, also eine Buchstabensammlung an. Ohne Jesus sind und bleiben es tote Buchstaben, auch wenn da fromm "Bibel" draufsteht, denn einzig und allein durch Jesus in Person des Heiligen Geistes werden diese Buchstaben der Bibel zum Logos, zum lebensspendenden Wort auf der einen, und zum verurteilenden Wort auf der anderen Seite, also zum Gericht. Wir wissen aus der Kirchengeschichte, zu welch absurden Ergebnissen Pharisäer, Theologen, Prediger, Lehrer und Pfarrer oder Pastoren teilweise kamen oder kommen, weil sie den Heiligen Geist außer Acht lassen und alles in der Bibel Gelesene rein verstandesmäßig interpretieren. Ohne den Heiligen Geist ist jedes Bibelwort nicht Gottes Wort [Logos] sondern Menschenwort, auch wenn es noch so oft in der Bibel steht. Durch den Heiligen Geist wurden all die Worte vom Thron Gottes in die Menschen gebracht, die von Gott für diese Inspiration vorgesehen waren und deshalb brauchen wir auch die Führung durch den Heiligen Geist, damit diese Worte auch bei uns und den Menschen, denen wir sie verkündigen, das bewirken, wozu sie ausgesandt worden sind. Deshalb gebot Jesus auch seinen Jünger, dass sie nicht anfangen sollten, seinen Auftrag, die Menschen zu Jüngern zu machen, anzugehen bis sie und ihre Worte erfüllt würden mit der Kraft Jesu durch den Heiligen Geist:

      „Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, nicht von Jerusalem zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, die ihr [-so sprach er-] von mir vernommen habt, denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen...ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!“ (Apostelgeschichte 1:4+5; 8)

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