29.Juli 2016 (Selbstbefriedigung II)

    • 29.Juli 2016 (Selbstbefriedigung II)

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      Selbstbefriedigung (II)

      Jesus sagt uns im Prinzip dasselbe, nur noch etwas detaillierter in einer Bibelstelle, die gern verwendet wird, um Selbstbefriedigung dem Sündenkatalog einzugliedern:

      "Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen!« [2.Mose 20:4] Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dir aber dein rechtes Auge ein Anstoß [zur Sünde] wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengeht, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengeht, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Es ist auch gesagt: »Wer sich von seiner Frau scheidet, der gebe ihr einen Scheidebrief«. Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, ausgenommen wegen Unzucht, der macht, daß sie die Ehe bricht. Und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe." (Matthäus 5:27-32)

      Jesus sagte „Ich aber sage euch“ und da sollten wir uns zuerst mal fragen, wer denn diese „euch“ sind. Sind das wirklich wir, die aus Gnade errettet worden sind oder sind das nicht vielmehr die frommen Juden, die ihre eigene Gerechtigkeit bewirken wollen? Ist es nicht so, dass Jesus mit diesen Zeilen sagt: „so eine Gerechtigkeit könnt ihr niemals erreichen“? Nehmen wir mal zuerst den Vers 30:

      „Und wenn deine rechte Hand für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“

      Würde dies wortwörtlich für uns gelten, dürfte da wirklich auch nur einer noch beide Hände haben? Und sind da dann alle Linkshänder fein raus, denn Jesus spricht ja nur von der rechten Hand? Meinte er wirklich alle damit, die sich mit der rechten Hand befriedigen? Und wie ist das mit den Augen?

      „Wenn dir aber dein rechtes Auge ein Anstoß [zur Sünde] wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengeht, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ (Vers 29)

      Dieser Satz wird gern in Hinblick auf Pornografie, natürlich auch in Verbindung mit Selbstbefriedigung benutzt und ich möchte Jesus sicherlich nicht kritisieren, aber man kann auch als Blinder sich selbst befriedigen. So kann er das also nicht gemeint haben. Und eine Ehe kann man nur brechen, wenn auch eine Ehe da ist. Und wenn ich eine Frau sehe und in Gedanken am liebsten Sex mit ihr hätte, ist das dann immer bereits Ehebruch? Auch wenn ich solo bin? Auch wenn die Frau nicht verheiratet ist? Wie kann man denn was brechen, was nicht vorhanden ist? Und wer sagt denn, dass man grundsätzlich an eine bestimmte andere Person denkt, wenn man sich selbst befriedigt?

      Wir kommen vielleicht weiter, wenn wir noch eine andere Aussage Jesu hinzuziehen:

      „Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. So habe nun acht, daß das Licht in dir nicht Finsternis ist! Wenn nun dein ganzer Leib licht ist, so daß er keinen finsteren Teil mehr hat, so wird er ganz hell sein, wie wenn das Licht mit seinem Strahl dich erleuchtet.“ (Lukas 11:34-36)

      Mit „ganzer Leib“ meint Jesus unser ganzes Sein, also nicht den sichtbaren Körper, auch nicht unsere Psyche sondern unser geistliches Herz. Dazu ein paar Bibelstellen:

      „Diese sechs hasst der Herr, und sieben sind seiner Seele ein Greuel: stolze Augen, eine falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen, ein Herz, das böse Pläne schmiedet, Füße, die schnell zum Bösen laufen, ein falscher Zeuge, der Lügen ausspricht, und einer, der Zwietracht sät zwischen Brüdern.“ (Sprüche 6:16-19)

      „Wer mit den Augen zwinkert, verursacht Leid, und ein Narrenmund kommt zu Fall.“ (Sprüche 10:10)

      „Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Matthäus 5:28)

      Ansehen ist ein Ding, begehren ein anderes und damit anzufangen, das Begehren in die Tat umzusetzen ein drittes und die Tat dann zu vollenden ein viertes. Das schrieb uns ja auch Jakobus:

      „jeder einzelne wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ (Jakobus 1:14+15)

      Ich war heute in einer relativ noblen und angesagten Einkaufspassage und es war recht schwül draußen. Während ich dort war, liefen mir sehr viele schöne Frauen über den Weg, auf Grund der Witterung recht sparsam bekleidet. Ich sah sie und sah auch die Details, die tiefen Dekoltees, die Brustwärzchen, die sich unter dem T-Shirt abzeichneten, den schönen, trainierten Bauchbereich bei der Frau im Sonnentop, das „Arschgeweih“-Tatoo bei einer anderen, deren Hosenbund nur etwas breiter als ein Gürtel war, die wohlgeformten nackten Schenkel der Ladies im Minirock etc. Ich denke, es waren mindestens 20 Schönheiten, die mir so aufgefallen sind. Und sicherlich dachte ich bei der einen oder anderen, dass ich sie auch nicht von der Bettkante schubsen würde, aber das wars dann auch schon. Aber was ich die ganze Zeit dachte war: „Herr, du hast alles so wunderbar gemacht“ und so freute ich mich über das gesehene, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe sie angesehen, ja. Aber ich hatte sie nicht begehrt. Manche bemerkten, dass ich sie ansah, und lächelten freundlich. Ich lächelte zurück und ging weiter. Ich denke, dass sie bemerkten, dass sich mein Blick von denen unterschied, die sie ansonsten von den Männern zugeworfen bekommen, diese begierlichen Blicke, die eine Frau regelrecht ausziehen, die der Frau ohne Worte suggerieren: „dich würde ich jetzt am liebsten ...“ Das genau ist „ansehen, um zu begehren“. Und das hab ich nicht getan und deshalb haben mich wohl einige angelächelt und auch in deren Augen war keinerlei Begierde.

      Ich möchte euch das nochmal aus der Sicht des anderen Geschlechts schildern. So kenne ich eine Frau schon seit einigen Jahren, die sich selbst als Jägerin bezeichnete (sie ist es inzwischen nicht mehr). Sie erzählte mir, wie sie auf „ die Jagd“ ging. Sie sagte sinngemäß:

      „Wenn ich zur Zeit meiner fruchtbaren Tage von der Arbeit nach Hause kam, spürte ich oft ein lustvolles Ziehen im Unterkörper, manchmal fast schon schmerzhaft, und dann wusste ich, dass ich mal wieder Geschlechtsverkehr brauchte. Ich machte mich dann Abends zurecht und ging in ein Bistro, Pub oder eine Diskothek, um mir einen „auszugucken“. Hatte ich dann jemanden gefunden, der nah genug an meine Idealvorstellungen vom Körper eines Mannes heranreichte, dann schaute ich, dass ich in seine Nähe kam und dass Augenkontakt zustande kam. Dabei gab ich ihm mit den Augen zu verstehen, dass ich ihn will. Dann zog ich mich zurück in eine andere Ecke des Lokals und wartete, bis der so angeschaute dann kam. Das dauerte meist keine fünf Minuten. Es gab ein kurzes Gespräch über die Örtlichkeit und dann verschwand ich mit ihm auf die Toilette, einen leeren Raum, oder ein Hotelzimmer, je nachdem.“

      Hier war sie es, die den Mann „ansah, um ihn zu begehren“. Und genau hier beginnt die Sünde. Bei ihr war der Auslöser das lustvollen Ziehen im Unterleib, nicht die Lust der Augen. Dieser Auslöser können also auch hormonelle Dinge sein, wie auch Eindrücke sämtlicher Sinnesorgane. Parfums oder andere Dufststoffe können hormonelle Reize erzeugen, genauso wie Berührungen, man sagt manchen Speisen erotisierende Wirkung nach und auch gehörte Dinge können stimulierend wirken. Ich erinnere mich da an die späten 60er, wo die Stimme von Jane Birkin in dem Song „Je t´aime moi non plus“ für mich erotisierender war als alle Nacktfotos, die ich bis dahin gesehen hatte. Das Licht von Kerzen kann stimulieren, der Duft von Duftkerzen, in den 70ern Pachouli, ein Sonnenuntergang am Meer, ein Feuerwerk oder romantische Musik... Es sind die Sinnesorgane, die zum Teil unseren Hormonhaushalt beeinflussen, deshalb sind sie aber nicht schlecht, denn sonst hätte uns Gott nicht mit ihnen ausgestattet. Wenn eine Frau bei romantischer Musik z.B. ihren eigenen Körper streichelt, dann ist das also, so wie ich das sehe, keine Sünde. Sie befindet sich dann in einem Traum, wo sie beim Aufwachen weiß, dass es ein schöner Traum war. Erst wenn sie beginnt, in Gedanken daran zu arbeiten, wie sie einen Mann dazu rumkriegen könnte, beginnt der Traum zu sterben. Und wenn sie dann die Tat vollbracht hat, dann ist der Traum zur Realität geworden und ist damit kein Traum mehr.

      Wir kennen die Geschichte von David und seinem Ehebruch. Er schaute vom Dach seines Hauses in den Garten, sah Betsaiba, wie sie im Garten wohl nackt badete und er bekam Lust auf diesen Körper. Wir würden heute wohl sagen, dass er total geil auf sie wurde. Und so machte er sich in diesem hochgradigen Erregungszustand Gedanken, was zu tun war, um sie ins Bett zu bekommen. Ich möchte hier behaupten, dass es zu dieser Tat nicht gekommen wäre, wenn er sich auf dem Dach beim Zuschauen selbst befriedigt hätte. Er wäre zum Orgasmus gekommen und hätte danach wieder einen klaren Kopf gehabt, um die Kosten zu überschlagen und diese Sünde nicht zu begehen. Es ist ähnlich wie mit den Träumen, die wir im Schlaf haben, haben wir sie nicht, werden wir nervenkrank, das weiß man inzwischen. Viele berichteten mir von oftmals extremen sexuellen Träumen im Schlaf oder auch im Wachzustand. Wenn ich sie fragte, ob sie das nicht auch mal in Realität so erleben wollten, verneinten die meisten.

      Die Sünde muss in der Realität getan werden, das lehrt uns das Gesetz des Mose, aber sie beginnt bereits, wenn wir sie planen, das lehrt uns Jesus. Sich selbst zu befriedigen ist allerdings im allgemeinen nicht der Weg in die Planung, sondern verhindert diese Planung. Oftmals ist es auch ein rein körperlicher Druck, der mechanisch abgebaut wird, ohne Gedanken an irgendwelche Personen oder Situationen und ist dann in ein, zwei Minuten erledigt, wie mir nicht nur Männer berichteten.

      Deshalb glaube ich nicht, dass man Selbstbefriedigung pauschal als Sünde verdammen sollte und so den Menschen einen Druck auferlegt, der in gelegentliche oder dauernde Verdammnis führt und so verhindert, dass der Heilige Geist unsere Herzen verändern kann.

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