21.Juli 2016 (Selbstbefriedigung I)

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    • 21.Juli 2016 (Selbstbefriedigung I)

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      Selbstbefriedigung (I)

      Dass uns Sexualität von Gott gegeben wurde, können wir auch daran sehen, dass bereits Kinder und Säuglinge mit Lust zu tun haben, wenn diese auch nicht wie nach der Pubertät vornehmlich auf die genitalen Reize konzentriert ist. Kindliche Sexualität erfahren Babies und Kleinkinder mit allen Sinnen und mit der instinktiven und spontanen Lust auf körperliches und seelisches Wohlgefühl. Sie können noch nicht zwischen Zärtlichkeit, Schmusen und genitaler Sexualität unterscheiden. Sie sind noch weit entfernt von gesellschaftlichen Sexualnormen und haben zunächst noch kein Schamgefühl. Kindliche Sexualität bedeutet für das Kind, schöne Gefühle zu erfahren, aber nicht die Zuneigung zu einem anderen Menschen auszudrücken. Es ist in seinem sexuellen Handeln daher egozentrisch. Kindliche Sexualität kann also an sich nichts Verwerfliches, Anstößiges oder gar Problematisches sein, sondern ist vielmehr ein normaler Teil der sexuellen Entwicklung eines Menschen, ob das den Religiösen passt oder nicht.

      Schon Säuglinge haben sexuelle Erfahrungen. Sie verlaufen jedoch unbewusst und instinktiv und sind nicht wie beim Erwachsenen auf einen lustvollen Höhepunkt ausgerichtet. Bereits nach der Geburt erfährt das Neugeborene durch den Körperkontakt mit der Mutter und die Berührungen der Menschen, die es pflegen, ein Wohlgefühl. Nur durch diese Zuwendung und das Streicheln seiner Haut als größtes Sinnesorgan fühlt sich ein Baby angenommen und von den Eltern geliebt. Es erfährt so von Anfang an, dass sein Körper etwas Liebenswertes ist.

      Der Mund des Säuglings ist neben der Haut eine der ersten erogenen Zonen. Beim Stillen oder Flaschenuckeln, beim Lutschen und Saugen am Finger macht ein Baby seine ersten körperlichen Lusterfahrungen. Schon in den ersten Lebensmonaten kann man bei Kindern körperliche Erregungszustände beobachten. Jungen können eine Erektion bekommen und Mädchen eine feuchte Scheide. Das ist völlig normal und kein Grund zur Beunruhigung. Dies sind schlichtweg Anzeichen dafür, dass sich ein Kind in der augenblicklichen Situation sehr wohl fühlt.

      Wenn das Kind fühlen und greifen lernt, beginnt es nicht nur seine Umwelt zu erforschen, sondern auch seinen eigenen Körper. Wenn es zum Beispiel bei der Körperpflege erfahren hat, dass es ein wohliges Gefühl ist, an den Genitalien berührt zu werden , so merkt es nun, dass es auch schön ist, sich selbst dort zu berühren. Auch das ist ein ganz unproblematischer Teil der sexuellen Entwicklung eines Kindes, aber spätestens da greift das christliche Elternhaus ein und bringt dem Kind bei, dass alles „da unten“ schmutzige Tabuzone zu sein hat.

      Spätestens ab der Pubertät reden wir dann von Selbstbefriedigung, Masturbation (lat. manus bedeutet "Hand", lat. sturpare steht für "besudeln, beschmutzen") oder Onanie, einen von der Kirche erfundenen Begriff, der sich auf Selbstbefriedigung in der Bibel beziehen soll und zeigen soll, wie sehr Gott das hasst. Das wollen wir aber nun doch mal näher untersuchen:

      „Und Juda gab seinem erstgeborenen Sohn Er eine Frau, die hieß Tamar. Aber Er, der Erstgeborene Judas, war böse in den Augen des Herrn, darum tötete ihn der Herr. Da sprach Juda zu Onan: Komm zu der Frau deines Bruders und vollziehe mit ihr die Schwagerehe, damit du deinem Bruder Nachkommen erweckst! Da aber Onan wußte, daß der Nachkomme nicht sein eigener sein würde, ließ er es auf die Erde fallen und verderben, wenn er zur Frau seines Bruders ging, um seinem Bruder keinen Nachkommen zu geben. Was er tat, mißfiel aber dem Herrn; da tötete er auch ihn.“ (1.Mose 38:6-10)

      Hier steht, dass der Sohn Judas mit Namen Er von Gott getötet wurde, weil er so böse war. Er hinterließ eine kinderlose Frau namens Tamar. Das war zur damaligen Zeit so ziemlich das Schlimmste, was einer Frau passieren konnte, denn ohne Nachkommen und Versorgung blieb ihr nur die Wahl zwischen Betteln und Prostitution um zu überleben. Deshalb hatte Gott diese Situation im mosaischen Gesetz geregelt:

      „Wenn Brüder beieinander wohnen und einer von ihnen stirbt, und er hatte keinen Sohn, so soll die Frau des Verstorbenen nicht einem fremden Mann von auswärts gehören, sondern ihr Schwager soll zu ihr eingehen und sie sich zur Frau nehmen und ihr die Schwagerpflicht leisten. Und es soll geschehen: der erste Sohn, den sie gebiert, soll den Namen seines verstorbenen Bruders weiterführen, damit sein Name nicht aus Israel ausgelöscht wird.“ (5.Mose 25:5+6)

      Der Sinn dieses Gesetzes also war die Versorgung der Witwe und zu verhindern, dass das Geschlecht ausstirbt. Onan nun wollte das nicht. Zum Geschlechtsverkehr kam ihm die Frau des verstorbenen Bruders durchaus gelegen, allerdings nicht, um ihre Versorgung sicher zu stellen, indem er ihr Nachkommen zeugte. Was Onan getan hatte war nichts anderes als ein Coitus interruptus und hatte nicht das Geringste mit Selbstbefriedigung zu tun, aber er wurde von Gott nicht bestraft, weil er seinen Samen „auf die Erde fallen ließ“, sondern weil er seiner Schwägerin gegenüber im höchsten Grad verantwortungslos und gegen Gottes Gebot gehandelt hatte. Zu diesem Ergebnis muss zwangsläufig jeder halbwegs normal denkende Mensch kommen, der diese Bibelstelle liest. Daraus abzuleiten, dass Gott Selbstbefriedigung „auf den Tod“ hasse, ist entweder dumm oder krank.

      Da ansonsten nirgendwo in der Bibel auch nur ein einziges Wort über Selbstbefriedigung steht, müssen die Religiösen für ihre Libidophobie andere Bibelstellen heranziehen und anhand derer dann ihrer lusttötenden Einstellung interpretieren. Als Begründung für diese Technik wird gern Psalm 119:160 zitiert: „die Summe deines Wortes ist Wahrheit“. Diese Stelle sagt uns, dass die Wahrheit etwas absolutes ist, das verschiedene Facetten hat und dass es nicht in die Wahrheit führt, eine Facette davon erkannt zu haben und diese dann als „die Wahrheit“ hochzuhalten. Sie sagt uns aber nicht, dass wir deshalb Bibelstellen aus dem Zusammenhang reißen und verbiegen sollen, um dadurch unsere religiös, gesetzlich gewonnenen Erkenntnisse zu bestätigen. Fast alle diese Stellen basieren letztendlich auf dem, was Mose über die Erschaffung der Frau geschrieben hatte:

      „Und Gott der Herr bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde, und damit jedes lebendige Wesen den Namen trage, den der Mensch ihm gebe. Da gab der Mensch jedem Vieh und Vogel des Himmels und allen Tieren des Feldes Namen; aber für den Menschen fand sich keine Gehilfin, die ihm entsprochen hätte. Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen; und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch. Und Gott der Herr bildete die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau und brachte sie zu dem Menschen. Da sprach der Mensch: Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll »Männin« heißen; denn vom Mann ist sie genommen! Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht. “ (1.Mose 1:19-25)

      Adam hatte unter allen Tieren keines gefunden, mit dem er hätte eine Partnerschaft eingehen können (Gehilfin). Also machte Gott ihm eine Partnerin aus seinem eigenen Fleisch. Und sie müssen „ein Fleisch“ gewesen sein, denn ansonsten hätte Mose nicht daraus folgern können, dass dies deshalb für Mann und Frau im allgemeinen gilt (Vers 24). „Ein Fleisch“ nun wird man einzig und allein durch Geschlechtsverkehr und wenn es weiter heißt, dass sie sich voreinander nicht schämten ist dies eine Bestätigung der Selbstverständlichkeit, mit der dieser Akt von den beiden begangen wurde. Das war bereits vor dem Sündenfall. Wär da unten alles „Pfui“ gewesen, hätten sie sich geschämt, sowohl voreinander als auch vor Gott. Aber Mose schreibt hier über nur einen einzigen Aspekt der Sexualität, nämlich den Geschlechtsakt. Er sagt hier im Prinzip, dass Geschlechtsverkehr aus zwei Menschen ein Fleisch macht. Dasselbe schreibt auch Paulus:

      „Oder wisst ihr nicht, dass, wer einer Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? »Denn es werden«, heißt es, »die zwei ein Fleisch sein.« Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm. Flieht die Unzucht [porneia]! Jede Sünde, die ein Mensch [sonst] begeht, ist außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht verübt, sündigt an seinem eigenen Leib.“ (1.Korinther 6:16)

      Hier geht’s um Geschlechtsverkehr und nichts anderes. Und Paulus schreibt, dass jeder Geschlechtsverkehr zu einem Fleisch macht, er schreibt hier nichts über Streicheln, Küssen oder Selbstbefriedigung, wie es Mose auch nicht tat. „Unzucht“ und „Hurerei“ ist dasselbe Wort im griechischen, nämlich „porneia“. Wenn wir also „fremdgehen“, versündigen wir uns am eigenen Leib, schreibt Paulus, aber wenn sich wer selbst befriedigt, geht er nicht fremd und wird auch demzufolge kein Fleisch mit irgendjemandem.

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