14.Juli 2016 (Christ und Sex)

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    • 14.Juli 2016 (Christ und Sex)

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      Christ und Sex


      Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern zur Heiligung. Deshalb — wer dies verwirft, der verwirft nicht Menschen, sondern Gott, der doch seinen Heiligen Geist in uns gegeben hat. (1.Thessalonicher 4:7+8)

      Wenn wir in der Bibel lesen, dann sollten wir nie vergessen, dass die Menschen im Alten Bund Sklaven Gottes waren, die Triebfeder all der Gläubigen des Alten Testaments war die ständige Bemühung, es diesem Gott, zu dem die meisten überhaupt keine Beziehung hatten, so gut wie möglich Recht zu machen. Am wichtigsten dabei war für sie ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, also der Hohepriester, Propheten oder andere von Gott erwählte geistliche Führer wie Abraham, Mose, David etc. Weil sie gefallene Menschen waren, verunreinigten sie sich immer wieder rituell und fielen immer wieder in Sünde, die sie sofort von Gott trennte. Dann mussten wieder Reinigungsrituale und Tieropfer zelebriert werden, um diese Schuld vor Gott zu verdecken. Das Blut der Böcke und Stiere konnte sie nicht heilig machen, es konnte nur ihre Schuld, die sie permanent vor sich hertrugen zudecken.

      „Denn weil das Gesetz nur einen Schatten der zukünftigen [Heils-]Güter hat, nicht die Gestalt der Dinge selbst, so kann es auch mit den gleichen alljährlichen Opfern, die man immer wieder darbringt, die Hinzutretenden niemals zur Vollendung bringen. Hätte man sonst nicht aufgehört, Opfer darzubringen, wenn die, welche den Gottesdienst verrichten, einmal gereinigt, kein Bewusstsein von Sünden mehr gehabt hätten? Statt dessen geschieht durch diese [Opfer] alle Jahre eine Erinnerung an die Sünden. Denn unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden hinweg nehmen!“ (Hebräer 10:1-4)

      Das Problem im alten Testament war, dass die Menschen nicht erkennen konnten, dass es Gott niemals um eine äußere Reinheit (Gerechtigkeit) ging, sondern um eine Reinheit der Herzen und er hat das immer wieder durch seine Propheten betont. Diese äußere Unreinheit sollte den Juden nur zeigen, wie es in ihnen innen drin aussieht, aber das interessierte die meisten nicht.

      „Samuel aber sprach zu Saul: Hat der Herr dasselbe Wohlgefallen an Schlachtopfern und Brandopfern wie daran, dass man der Stimme des Herrn gehorcht? Siehe, Gehorsam ist besser als Schlachtopfer und Folgsamkeit besser als das Fett von Widdern!“ (1.Samuel 15:22)

      „Und ich habe Wächter über euch bestellt: Achtet doch auf den Schall des Schopharhorns! Sie aber sprechen: »Wir wollen nicht darauf achten!« So hört nun, ihr Völker, und du, Gemeinde, erkenne, was mit ihnen geschieht! Höre es, Erde! Siehe, ich will Unheil über dieses Volk kommen lassen, die Frucht ihrer Gedanken; denn auf meine Worte haben sie nicht geachtet, und mein Gesetz, das haben sie verworfen. Was soll mir der Weihrauch von Saba und das köstliche Gewürzrohr aus fernem Land? Eure Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig, und eure Schlachtopfer sind mir nicht angenehm!“ (Jeremia 6:17-20)

      „Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? spricht der Herr. Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber überdrüssig, und am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen! Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen — wer verlangt dies von euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet? Bringt nicht mehr vergebliches Speisopfer! Räucherwerk ist mir ein Gräuel! Neumond und Sabbat, Versammlungen halten: Frevel verbunden mit Festgedränge ertrage ich nicht! Eure Neumonde und Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden; ich bin es müde, sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut! Wascht, reinigt euch! Tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg; hört auf, Böses zu tun!“ (Jesaja 1:11-16)
      Paulus brachte es später nochmals auf den Punkt:

      „Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.“ (Römer 2:28+29)

      Paulus wollte mit dieser Aussage den Blick der Juden auf ihr hartes Herz lenken, also vom Äußeren aufs Innere, denn auch Jesus hatte das den Juden unmissverständlich klargemacht, als er ihnen sagte, dass äußere und innere Gerechtigkeit zwei völlig verschiedene „Pflanzen“ sind, also aus völlig verschiedenen Samen kommen, obwohl sie oft so ähnlich aussehen:

      „Und er [Jesus] rief die Volksmenge zu sich und sprach zu ihnen: „Hört und versteht! Nicht das, was zum Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund herauskommt, das verunreinigt den Menschen.“ Da traten seine Jünger herzu und sprachen zu ihm: „Weißt du, dass die Pharisäer Anstoß nahmen, als sie das Wort hörten?“ Er aber antwortete und sprach: „Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden. Lasst sie; sie sind blinde Blindenleiter! Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, werden beide in die Grube fallen.“ (Matthäus 15:10-14)

      „Nichts, was außerhalb des Menschen ist und in ihn hineinkommt, kann ihn verunreinigen; sondern was aus ihm herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt. Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre!“ (Markus 7:15+16)

      „Er sprach aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen. Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht [eigentlich Hurerei „porneia“], Mord, Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen heraus und verunreinigt den Menschen.“ (Markus 7:20-23)

      Jesus gab den Juden und uns hier nicht einen Katalog an die Hand, was in uns unrein ist und was nicht, sondern er nannte hier nur Beispiele.Was auffällt ist, dass von diesen zehn Dingen, die er hier exemplarisch aufzählt, nur zwei dem Bereich Sexualität zuzuordnen sind, nämlich Ehebruch und Hurerei. Wieso denken wir dann, wenn wir „Unreinheit“ hören grundsätzlich an sexuelle Dinge? Ich denke, dass das aus einer völlig fehlgeleiteten Sexualmoral der sogenannten Kirchenvätern herrührt; das schlimme daran ist, dass sich diese Lehren in der gesamten Christenheit bis heute festgesetzt haben. In den ersten fünf Jahrhunderten der christlichen Zeit waren die Frauen im griechisch- und syrischsprachigen Teil der Kirche gegen die schlimmsten Auswirkungen des Menstruationstabus geschützt. Die „Didascalia“ aus dem 3. Jahrhundert erklären, dass die Frauen während ihrer Periode nicht unrein seien, dass sie keine rituellen Waschungen benötigen und dass ihre Ehemänner sie nicht meiden sollten. Die Apostolischen Konstitutionen wiederholten diese beruhigende Aussage. Im Jahre 601 bekräftigte Papst Gregor I diesen Ansatz. Menstruierende Frauen sollten nicht von der Kirche ferngehalten oder vom Kommunionempfang ausgeschlossen werden.

      Doch leider wurde diese wahrhaft neutestamentliche, christliche Antwort unter den sich verstärkenden Vorurteilen in den nachfolgenden Jahrhunderten erdrückt. Es waren die Kirchenväter, die eine Anti-Sex-Hysterie wieder in die christliche Ethik einführten. Den Beginn machte Tertullian (155-245), der sogar auch legale Ehen als ‘mit Sinnlichkeit befleckt’ erklärte. Der „Heilige“ Hieronymus (347-419) führte diese Denkrichtung weiter und lehrte, dass aller Sexualität und allem Verkehr eine Verderbtheit anhafte, auch in der rechtmäßigen Ehe. Die Ehe mit all ihrer 'schmutzigen' Geschlechtlichkeit käme nur wegen des Sündenfalls. Es ist nicht verwunderlich, dass auch Hieronymus meinte, dass Frauen durch ihren menstruellen Ausfluß unrein werden. Der „Heilige“ Augustinus (354-430) war um nichts besser. 'Freude' beim Geschlechtsverkehr wurde mit Fleischeslust gleichgesetzt, war also sündig. Sexualität sei auch in der Ehe eine Sünde, eine 'lässliche Schuld'. Die 'Freude' (=Fleischeslust) beim Verkehr sei in Wahrheit der Weg, auf sich dem die Erbsünde fortpflanzt. Denn der menschliche Same sei es, der nun mal verderbt ist.

      Es ging soweit, dass sich die christlichen Männer als Beauftragte Gottes sahen und die Frauen als Beauftragte des Verführers sahen. So konnte es auch im Mittelalter zu den Hexenverbrennungen kommen, wobei man klar sehen kann, dass die Inquisatoren selbst an Unmoral kaum zu übertreffen waren, wenn man sich ihre Foltermethoden mal genauer anschaut. Und komischerweise waren und sind die Institutionen, die den moralischen Zeigefinger über die Sexualität als Quelle jeder Unreinheit hoch erheben, ein Eldorado für Kinderschänder und Unzucht mit abhängig Gemachten und der Vatikan selbst ist stärker von Homosexuellen durchdrungen als Sodom und Gomorrha seiner Zeit. Warum? Weil Unreinheit eine Herzenssache ist und weil man den Teufel nicht durch Beelzebub austreiben kann. Ich möchte hier kurz John Piper zitieren, der Bezug auf Psalm 51 nimmt, den Psalm, wo David seine sexuelle Verfehlung mit Bathseba vor den Herrn bringt:

      „...also ich habe kein Problem damit, dass wir uns als Männer und Frauen mit allen möglichen Vorsichtsmaßnahmen und Mauern vor sexueller Versuchung bewahren wollen, aber dennoch denke ich, dass keine allzu gute Idee ist. Ganz einfach deshalb, weil es letztlich nicht der entscheidende Punkt ist. Wenn ihr beständig dort den Kampf kämpft, werdet ihr niemals an die Wurzeln des Problems kommen. Was in der Tat entscheidend ist, ist dieses erneuerte Herz und die Freude darüber, wie Gott die Knochen, die er zerschlagen hat, mit der Freude seiner Erlösung wieder geheilt hat (Vers 10).

      Der Missbrauch der wunderbaren Gabe der Sexualität ist das Symptom eines Leidens, aber er ist nicht das Leiden selbst. Deshalb spricht auch der Psalm 51 nicht davon. „Sexuelle Sünde ist das Hauptproblem“, oder wir dachten, dass sie es sei. Aber sie ist es nicht. Sondern folgendes ist das eigentliche Problem: „Gib mir wieder Freude an deinem Heil“ (Vers 14).

      Wenn diese Freude schwindet, klicke ich auf Pornografie. Wenn diese Freude schwindet, treibe ich mich nachts in der Gegend rum. Wenn diese Freude schwindet, dann bekomme ich Lust auf eine andere Frau. Und so weiter und so weiter. Jede äußere Sünde ist symptomatisch für das Fehlen dieser innerlichen Freude. Was sagt dein Herz über Christus, wenn du spätabends alleine vor deinem Rechner sitzt? Du hast die Maus in der Hand. Wie denkt dein Herz darüber, dass Christus mehr Wert hat als Pornografie?...

      Tausende haben sich von dem Traum entfernt, auf der ganzen Welt etwas zu verändern wegen sexueller Sünde in ihrem Leben und sexuellen Verfehlungen in ihrer Vergangenheit. Tausende, die den Traum gehabt haben, Bedeutendes zu tun, ihr Leben niederzulegen, alles zu opfern, um den Ruhm Jesu Christi in den Städten, auf den Marktplätzen zu verkündigen. Eines Tages haben sie diesen Traum verloren. Einer der Hauptgründe, warum man diesen Traum aufgegeben hat, war, weil da soviel Schuld da war im Sinne von Unwürdigkeit wegen sexueller Verfehlung, so dass Schuld und Unwürdigkeit letztendlich in einem elenden Empfinden von geistlicher Kraftlosigkeit gemündet hat. Es wurde zur Sackgasse, zu einem ausgeträumten Traum in einem sicheren Leben in der Mittelklasse ohne irgendein höheres Ziel.

      Die größte Tragödie im Leben junger Christen ist nicht Selbstbefriedigung, vor- und außerehelicher Sex oder dass man im Internet nach Pornografie gesucht hatte. Die Tragödie ist, dass Satan die Schuld für all diese Verfehlungen benutzt, um dich von deinem einst radikalen Traum wegzureißen und dass er anstelle dessen ein Leben setzt, das oberflächlich fröhlich ist. Vermeintlich sicher und abgesichert in der Mittelklasse voll von oberflächlichen Vergnügungen, so dass du eines Tages auf deinem gemütlichen Schaukelstuhl alt und nutzlos stirbst, außer dass du deinen Kindern mittleren Alters ein riesiges Erbe hinterlässt und sie damit in ihrer Weltlichkeit bestätigst.

      Genau das will dir Satan verkaufen, weil du so schlimm versagt hättest und es deshalb die einzige Alternative zu dem sei, was du einmal in Christi Reich erträumt hast. Unsere Leute sind verwüstet von sexueller Versuchung, denn unser Seelenleben ist auf die Größe einer Seifenoper geschrumpft. Könnt ihr euch vorstellen stundenlang vor Soaps und Sitcoms zu sitzen und dann in eine Kirche zu gehen, wo ihr fast keine gute Lehre hört, so dass ihr nicht mal ein bisschen Wachstum im Glauben erleben könnt? Euer Glaube wird eingehn, das wird passieren. Also sucht euch eine gute Gemeinde, lest eure Bibeln und sonstige gute christliche Literatur. Nur Theologie mit Leidenschaft für Jesus kann „Biologie“ überwinden."


      „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen. Siehe, du verlangst nach Wahrheit im Innersten: so laß mich im Verborgenen Weisheit erkennen! Entsündige mich mit Ysop, so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee! Laß mich Freude und Wonne hören, damit die Gebeine frohlocken, die du zerschlagen hast. Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten! Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz und gib mir von neuem einen festen Geist in meinem Innern! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Gib mir wieder die Freude an deinem Heil, und stärke mich mit einem willigen Geist!“ (Psalm 51:7-14)

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