13.Juni 2016 (Der "Dienst"weg)

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    • 13.Juni 2016 (Der "Dienst"weg)

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      Der „Dienst“weg


      Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Fürsten der Heidenvölker sie unterdrücken und dass die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch aber soll es nicht so sein; sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. (Matthäus 20:25-28)

      Eine Bibelstelle, die in allen Gemeinden in gewisser Regelmäßigkeit gepredigt wird. Der schmale Weg als der Weg des Dienens. Das ist ja auch im Grunde richtig, denn auch der Sohn Gottes kam ja nicht, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, wie im Vers 28 geschrieben steht. Allerdings – und das wird leider selten gelehrt – führt dienen nicht zwangsläufig auf diesen „schmalen Weg“, denn dieser „schmale Weg“ ist der Weg in die Wahrheit (Johannes 6:13). Deshalb erscheint mir auf dem Weg des Dienens die wichtigste Frage, die wir uns immer wieder stellen müssen, zu sein: Wem diene ich letztendlich wirklich?

      Wenn wir im Fernsehen die Vereidigung eines Präsidenten sehn und miterleben, wie er schwört, dem Volk zu dienen, dann ist das ein ergreifender Moment und man könnte echt Achtung vor so einem Menschen bekommen, der anscheinend alles dem Wohle des Volkes unterordnet. Aber wie sieht denn die Praxis aus? Alles nur Worte, denn letztendlich dienen sie doch nur demjenigen, von dem sie selbst ein Teil sind, nämlich einem auf Macht und Kontrolle aufgebauten System und das entspricht etwa dem, was Jesus uns hier im Vers 25 sagt, ist also ein alter Hut, war niemals anders und wird auch niemals anders sein. Wird dann dieser Präsident abgewählt, so glauben die Wähler des neuen Präsidenten ernsthaft, dass jetzt alles besser wird (zumindest eine Zeit lang). Aber das ist ein Irrtum, denn jemand, der nicht Teil (Jünger) dieses Systems ist, wird auch niemals an dessen Spitze stehen.

      Leider ist das in unseren Gemeinden nicht wesentlich anders, obwohl Jesus gesagt hatte: „Unter euch aber soll es nicht so sein“ (Vers 26). Hier wird gedient auf „Teufel komm raus“, aber kaum einer fragt sich: „Wem diene ich denn in Wahrheit?“ „Diene ich wirklich Gott oder einem System, meiner „Vision“ von Gemeindewachstum oder letztendlich mir selbst?“

      Jesus hat seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl die Füße gewaschen, die typische Aufgabe eines damaligen Hausangestellten. Und er tat es um zu zeigen, dass seine Herrschaft zutiefst als Dienst zu verstehen ist. Doch selbst in der Gemeinde kommt Dienen in dieser von Jesus praktizierten Bedeutung kaum noch vor. Wir reden vom Dienen, meinen damit aber eigentlich Aufgaben und Berufungen. Wenn jemand es als seine Aufgabe ansieht den Gemeindegarten zu pflegen, dann schwingt darin mit, dass er genau für diesen Arbeitsbereich ausersehen wurde, in ihn seine Vision vom blühenden Gemeindegarten gelegt wurde und er so leicht nicht zu ersetzen ist. Wenn jemand den Dienst des Gemeindegärtners übernimmt, hört sich das gleich nach Pflicht und Zwang an, einer muss es ja tun, also trifft es den, der am leichtesten zu überreden ist und das wird derjenige sein, der unbedingt einen Dienst braucht, damit er genauso unentbehrlich wie andere Diener ist, genauso geschätzt und geehrt. Dieser Bruder Gärtner kann dann leider seinem Bruder nicht beim Umzug helfen, oder seine kranke Schwester nicht besuchen, weil er ja gärtnern muss. Damit möchte ich nicht sagen, dass es falsch sei, für den Gemeindegarten verantwortlich zu sein, falsch ist es nur, wenn die Herzenshaltung dabei nicht stimmt.

      Jeder Dienst, den wir tun, muss der Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen entspringen, ansonsten ist dieser Dienst falsch motiviert. Jesus diente den Menschen seiner Zeit und auch uns nicht, damit er dadurch der Größte oder Erste ist, denn er war und ist der Größte und Erste, sein Dienst war ein Folge dessen, dass er in der vollendeten Liebe Gottes war. Gab Jesus irgendeinem seiner Jünger einen besonderen Dienst? Also ich weiß da nichts davon, außer bei einem und der „diente“, indem er die gemeinsame Kasse verwaltete. Seine falsche Diensthaltung wurde dann auch offenbar, als es nicht mehr allein um die Kohle sondern um die Beurteilung einer Handlung ging. Wir lesen:

      „...Da nahm Maria ein Pfund echten, köstlichen Nardensalböls, salbte Jesus die Füße und trocknete seine Füße mit ihren Haaren; das Haus aber wurde erfüllt vom Geruch des Salböls. Da spricht Judas, Simons Sohn, der Ischariot, einer seiner Jünger, der ihn danach verriet: Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Denare verkauft und es den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er sich um die Armen kümmerte, sondern weil er ein Dieb war und den Beutel hatte und trug, was eingelegt wurde.“ (Johannes 12:3-6)

      Mir fällt da eine Frau ein, die ich in der Seelsorge hatte. Sie war verheiratet und hatte zwei Töchter, damals 11 und 13 Jahre alt. Viel Geld hatten sie nicht, aber sie diente mit den paar Kröten ihrer Gemeinde finanziell, indem sie den Zehnten davon gab und auch ansonsten eifrig spendete. Ihre beiden Töchter mussten alte geflickte Kleider auftragen und waren deshalb von ihren Schulkameraden in eine asoziale Ecke gesteckt worden. Mobbing und gedisst werden, war für sie an der Tagesordnung und sie hassten ihre Mutter und hassten vor allem die Gemeinde. Als ich sie fragte, ob es nicht eigentlich Gottes Wille sei, dass wir zuerst mal nach unseren Kindern schauen, sagte sie „Nein, Gott soll mich segnen und das tut er nur, wenn ich meiner Gemeinde finanziell diene und „den Zehnten ins Kornhaus bringe“, wenn dann für die Mädchen nichts mehr übrigbleibt, ist das Gottes Wille. Sie müssen so vielleicht lernen Ungerechtigkeit zu überwinden.“ Sie selbst war ganz ordentlich gekleidet und begründete es damit, dass sie ja im Auftrag Gottes ein christliches Kochbuch schreibe und sich deshalb ordentlich präsentieren müsse. Vielen weltlichen Müttern hätte eine derartige Not der beiden Mädchen das Herz zerrissen, diese christliche Frau berührte das wenig. Ihr „dienendes“ Herz war völlig immun gegenüber dem, was ihre Töchter durchmachen mussten.

      Jesu Dienst galt nicht in erster Linie den Jüngern, sondern den an ihn Ungläubigen. Das schreibt uns auch Lukas in der Apostelgeschichte:

      „wie Gott Jesus von Nazareth mit Heiligem Geist und Kraft gesalbt hat, und wie dieser umherzog und Gutes tat und alle heilte, die vom Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm.“ (Apostelgeschichte 10:38)

      Seine 12 Apostel sandte Jesus ebenfalls zu diesen frommen Juden, die nicht an Jesus glaubten:

      „Diese zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Begebt euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter; geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Geht aber hin, verkündigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen! Heilt Kranke, reinigt Aussätzige, weckt Tote auf, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es!“ (Matthäus 10:5-8)

      Das war der Dienst, den jeder der Zwölf hatte. Dazu braucht man keine besonderen Gaben oder andere Grundlagen, man braucht dazu nur den Auftrag Jesu. Jeder kann das, der mit brennendem, liebendem Herzen auf die ungläubigen Nachbarn, Verwandten, Freunde und Bekannten zugeht. Und das ist „dienen“ in den Augen Jesu. Dass wir den Brüdern und Schwestern in der Gemeinde dienen, müsste innerhalb einer „Familie“ eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Das machen die Kleintierzüchter, Sportler etc. in ihrem Verein auch. Auch das brachte Jesus schon damals auf den Punkt:

      „Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Machen es nicht auch die Zöllner ebenso?“ (Matthäus 5:46+47)

      Jeder Dienst, der nicht den Menschen sondern eine Sache zum Ziel hat, sollte gründlich hinterfragt werden, denn Jesus starb für seine Feinde, die er liebte, und nicht damit wir irgendwelche frommen Cluberlebnisse haben können. Deshalb wollen wir uns die Frage stellen: „Ist wirklich diese Liebe zu Gott und den Menschen Triebfeder meiner Dienste?“ - Oder finde ich noch andere Ursachen in mir? Tu ich einen Dienst, um dazuzugehören? Oder damit andere sehen können, wie geistlich ich bin? Oder weil ich stolz auf das schöne Gemeindezentrum bin? Oder um Pluspunkte bei der Leiterschaft oder gar Gott zu sammeln? Oder um meine Erkenntnisse präsentieren zu können (z.B. als Prediger)? Oder um meinem Hobby einen geistlichen Anstrich zu geben (z.B. im Lobpreis)? Oder um andere belehren zu können (z.B. in der Seelsorge)? Fragen über Fragen, denen wir uns mit Hilfe des Heiligen Geistes immer wieder stellen müssen. Tun wir das nicht, sind wir auch nicht auf dem schmalen Weg. Bitten wir Gott, unser Herz zu prüfen.

      „Jeder Weg eines Menschen ist recht in seinen Augen, aber der Herr prüft die Herzen.“ (Sprüche 21:2)

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