6.April 2016 (Emotionale Erpressung 2)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • 6.April 2016 (Emotionale Erpressung 2)

      .

      Emotionale Erpressung (II)


      Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten. (Matthäus 24:12)

      Ich bin weit davon entfernt, den Menschen um uns herum zu unterstellen, dass sie uns bewusst manipulieren und emotional erpressen, das gilt auch für die Geschwister und vor allem Leiter in den Gemeinden. Allerdings wird die Anzahl der Narzissten von Generation zu Generation größer, die wirklich ganz gezielt mit diesen Mitteln arbeiten, so dass man oftmals den Eindruck hat, der Böse stünde leibhaftig vor einem. Psychologisch gesehen ist Narzissmus eine „Spielart der Persönlichkeit“, die bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Unter positivem Narzissmus versteht man in der Psychologie ein stabiles Selbstwertgefühl. Ein narzisstischer Mensch aber hat darin ein Defizit. Das kompensiert er, indem er sich ein „Größenselbst“ erschafft, mit dem er sich identifiziert. Es sind hauptsächlich drei Eigenschaften, die ihn „auszeichnen“: Grenzenloser Stolz und Überheblichkeit, grenzenloser Hunger nach Bestätigung und ein gewisser Empathiemangel anderen gegenüber. Für einen narzisstischen Menschen dienen andere Menschen in erster Linie dazu, ihm zu applaudieren und ihn zu bestätigen. Ansonsten sind sie uninteressant. Das kann man als Empathiemangel sehen. Andererseits besitzt ein Narzisst eine sehr feinfühlige Wahrnehmung dafür, wie er bei anderen ankommt. Das ist eine Form der Empathie, aber eine, die nur ihm selbst dient.

      Als Gläubige wissen wir, dass Narzissmus genau das Gegenteil dessen ist, was Jesus uns vorgelebt hatte, dass wir hier mit der Persönlichkeit Satans konfrontiert werden, denn ein Narzisst hat grundsätzlich sich selbst oder aber seine Gemeinde zum Gott erhoben, auch wenn er noch so fromm innerhalb der Gemeinde auftritt. In dem Maße, wie wir immer mehr Hunger und Durst nach dem demütigen und barmherzigen Herzen des Lammes bekommen, in dem Maße sensibilisiert uns der Heilige Geist immer mehr für diese Form der Manipulation und Lügen um uns herum. Vor allem innerhalb unserer Gemeinden fällt uns dann zunehmend auf, dass sich Geschwister und Leiter dieser Mittel bedienen, um angeblich dadurch „Reich Gottes“ in Wirklichkeit aber Gemeinden zu bauen, die sich in der Praxis von modernem, esoterischem Management nur durch eine andere, eine "christliche" Terminologie unterscheiden. Das ist ein äußerst schmerzhafter und schwieriger Prozess, durch den wir vom Heiligen Geist geführt werden, wenn wir bereits ein gewisses Maß von Vergeben und Verzeihen gelernt haben. Es ist ein Prozess, in dem wir ganz tief dann unseren eigenen geistlichen Mangel erkennen dürfen und innerhalb dieses Prozesses werden wir von ihm durch die Praxis der Bergpredigt geführt:

      „Glückselig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel! Glückselig sind die Trauernden, denn sie sollen getröstet werden! Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben! Glückselig sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie sollen satt werden! Glückselig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! Glückselig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen! Glückselig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes heißen! Glückselig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Reich der Himmel! Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch jegliches böse Wort gegen euch reden um meinetwillen! Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch gewesen sind.“ (Matthäus 5:3-12)

      Der Heilige Geist benutzt die Sensibilisierung für die Erpressungs- und Manipulationsmethoden der Anderen um uns herum niemals, damit wir uns geistlich als etwas Besseres fühlen, sondern im Gegenteil. Er richtet den Scheinwerfer durch diese Situationen auf uns selbst und in diesem Licht wird uns klar, was uns vorher verborgen war, wie wir selbst nämlich mit denselben Methoden und nach denselben Schemata arbeiten.
      • Ich möchte meinen jeweiligen Gegenüber (Partner, Kind, Freund etc.) nicht verlieren
      Die Angst davor, jemanden eventuell verlieren zu können, treibt uns dazu, einen anderen Menschen an uns zu binden. Denn darum geht es bei der emotionalen Erpressung. Man wünscht sich nichts mehr, als sich des anderen sicher zu sein. Man glaubt, ohne ihn nicht leben zu können. Doch ihn unter Druck zu setzen, ist der sicherste Weg, ihn zu verlieren. Also bekennen wir diese Verlustängste Gott und geben diese Menschen ganz bewusst aus unserer Hand und legen sie in Gottes Hand. Das ist leicht gesagt, aber sehr schwer getan. Deshalb muss das immer wieder geschehen, sobald wir erkennen durften, dass wir mal wieder mit Manipulation gearbeitet haben. Es ist ein Loslassprozess und innerlich wissen wir ja, dass dieser geliebte Mensch nirgends sicherer und geborgener ist als in Gottes Armen. Dass uns das so unendlich schwerfällt, zeigt uns, dass wir diesem Menschen eine gottähnliche Position in unserem Leben eingeräumt haben. Wir merken das auch daran, dass wir Angst davor haben, dass Gott uns diesen Menschen nehmen könnte. Auch das sollten wir an den Thron Gottes bringen, denn es zeigt uns, dass wir Gottes Liebe zu uns nicht vertrauen, auch wenn wir das in unseren Gebeten beteuern. Vielleicht triggern [Trigger = Schlüsselreiz, der oftmals aus einer posttraumatischen Störung kommt] in diesen Situationen auch Begebenheiten von früher, wo wir Freunde oder sonstige geliebte Menschen verloren haben. Auch das sollten wir Gott bekennen mit allen Emotionen und auch allen Reaktionen, die wir dabei hatten. Und wir sollten diesen Menschen vergeben, dass sie sich von uns abgewandt haben. Und zwar immer wieder, wenn da wieder was triggert. Der Teufel wird sagen: „Brauchst du keine Vergebung aussprechen, denn das hast du ja schon damals. Ist doch alles vergeben und im tiefsten Meer versenkt.“ - Klar, hat Gott vergeben, sobald wir etwas bekannt haben, aber wenn da in uns nichts mehr gegen diese Person wäre, würde auch nichts mehr triggern. Der Feind benutzt diese Trigger um uns emotional runterzuziehen und so Ängste vor Gott zu erzeugen, die verhindern sollen, dass wir ihm wirklich kindlich vertrauen können, er manipuliert also damit unsere Gefühle. Der Heilige Geist aber benutzt sie, um uns zu zeigen, wo wir noch Heilung brauchen. Verzeihen und Vergebung aussprechen sollte also unsere Antwort auf diese Trigger sein, dann führen sie uns in Wahrheit und Vertrauen und werden uns somit zum Segen.
      • Ich bin nicht gut genug
      Wenn Gott uns, die wir durch das Blut Jesu seine Kinder geworden sind, irgendwo hinstellt, dann hat er auch für die Voraussetzungen gesorgt, dass wir an diesem Platz siegreich sein können, das betrifft jede einzelne Herausforderung, die in unserem Leben auf uns zukommt. Das gehört zu den wichtigsten Aussagen des Paulus:

      „Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung [Prüfung, Herausforderung] betroffen. Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt.“ (1.Korinther 10:13)

      Wenn wir daran zweifeln, glauben wir nicht wirklich, dass Gott uns mit vollkommener Liebe liebt, denn Treue ist ein wesentlicher Teil seiner Liebe. Deshalb versucht der Verkläger immer den Blick auf unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten zu richten, was uns das Gefühl gibt, dass wir einem anderen nicht genug bieten können, oder dass es nichts oder wenig Liebenswertes an unserer Person gibt. Er führt uns damit in Versuchung, die Bindung auf manipulative Weise herstellen zu wollen. Wir versuchen dann gern, den jeweiligen Anderen festzuhalten, mit Drohungen (wenn Du mich verlässt, bringe ich mich um), mit Schuldzuweisungen (ich habe auf meine eigenen Interessen verzichtet) oder mit Demütigungen (ohne mich würdest du in der Gosse landen). Wenn wir wirklich glauben, dass Gott uns auch in unserer Schwachheit unendlich und vollkommen liebt, dann gibt uns diese Liebe auch die Kraft, durch Situationen durchzugehen, in denen wir von anderen abgelehnt oder ausgestoßen werden und brauchen uns nicht mehr von Verlustängsten leiten lassen, die uns in Manipulation treiben wollen. Das ist es auch, was Jesus meint, wenn er sagt:

      "Wenn jemand zu mir kommen will, muss ich ihm wichtiger sein als sein eigener Vater, seine Mutter, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister und selbst sein eigenes Leben; sonst kann er nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14:26 NEÜ).

      • Der Andere soll herausfinden, was ich möchte
      Wenn wir dieser Ansicht sind, dann ist der Maßstab für Liebe und Zuneigung eines Menschen zu uns seine Fähigkeit, unsere Wünsche von den Augen abzulesen. Wenn das nicht geschieht, weil es kaum möglich ist, Unausgesprochenes zu erraten, fangen wir oftmals an, mit erpresserischen Methoden doch zum Ziel zu kommen. Dahinter steht oftmals der unausgesprochene Wunsch, für den andern eine Art Gott zu sein, um den sich gefälligst alles zu drehen hat, würden wir diesen Wunsch aussprechen, wäre sofort der Stolz und die Überheblichkeit offenbar, die diesen Wunsch in uns forcieren. Deshalb versteckt der Feinde diese seine eigenen Charaktermerkmale hinter dem „Spiel“: „Rate mal, warum es mir so schlecht geht“, mit dem wir den Anderen zwingen wollen, uns mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, als er es eigentlich möchte. Meist läuft das dann anfangs nonverbal ab, überwiegend in Körpersprache und Mimik bis hin zur Kommunikationsverweigerung, bis dann der andere irgendwann mal fragt, was denn los sei. Man greift dann zur Lüge und sagt mit verletzter Mine „nichts“, wodurch man dem Anderen ein schlechtes Gewissen macht, um ihn zum Nachdenken zu zwingen. Bei "Profis" kann dieses „Spiel“ tage-, ja sogar wochenlang andauern, oftmals hat man es bereits als Kind von Vater oder Mutter „gelernt“. Meistens hat man dieses Verhalten auch auf Gott übertragen. In Zeiten, wo wir nichts von Gott hören oder spüren, denken wir dann, er sei sauer auf uns und beginnen dann akribisch nachzuforschen, warum das so ist. Aber Gott spielt keine „Spielchen“ mit uns. Er braucht unsere Aufmerksamkeit nicht, sein „Selbstwertgefühl“ leidet nicht unter unserer teilweisen Ignoranz. Er liebt uns und möchte mit uns in einer vollkommenen Liebesbeziehung leben und in keinem kranken Abhängigkeitsverhältnis, denn dahin führt dieses Verhalten, wenn es nicht bereits vorher zum Bruch gekommen ist.
      • Ich komme zu kurz
      Eine andere Variante der unausgesprochenen Wünsche ist das Gefühl, zu kurz zu kommen, benachteiligt zu sein. Das ist dann der Fall, wenn wir nicht sagen, was wir wollen und auch glauben, kein Recht auf unsere Wünsche zu haben. Oder vermuten, sie doch nicht erfüllt zu bekommen. Und bei allem entwickeln wir einen Neid auf all diejenigen, bei denen es anders läuft. Auch dieses Verhalten ist oftmals ein Relikt aus der Kindheit, anstatt klar zu artikulieren, was wir wollen, sind wir neidisch auf diejenigen, denen das dem Anschein nach zufliegt. Welch abgrundtiefe Bosheit hinter diesem Verhalten steckt, können wir gut erkennen, wenn wir die Geschichte von Kain und Abel lesen.

      „Und der Herr sprach zu Kain: Warum bist du so wütend, und warum senkt sich dein Angesicht? Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, so darfst du dein Haupt erheben? Wenn du aber nicht Gutes tust, so lauert die Sünde vor der Tür, und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber sollst über sie herrschen!“ (1.Mose 4:6+7)

      Gott sagte das, bevor Kains Neid zum Mord führte. Stolz und Neid sind ein dämonisches Geschwisterpaar, wo eins ist, findet man auch das andere und hinter der Angst, zu kurz zu kommen, verstecken sich diese beiden grundsätzlich. Wahrscheinlich bringen wir niemanden um, aber wir versuchen dann diese Menschen abzuwerten, um uns selbst dadurch zu erhöhen. Aber was sagt Jesus dazu?

      „Wer sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ (Matthäus 23:12)

      Dies sollen nur ein paar Punkte sein, an denen der Heilige Geist an uns arbeiten will, denn solange wir – auch ohne es zu wissen – diesen Mächten der Lüge, Intrige, Manipulation und Erpressung dienen, können wir nicht in die Wahrheit geleitet werden, auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen, nicht mehr zu lügen. Der Weg in die Freiheit ist es, alles loszulassen, was man bisher mit Gewalt und Manipulation an sich gerissen hatten, denn wir nehmen die Menschen dadurch genauso gefangen wie wenn wir unverzeihlich sind und solange wir das tun, können wir die Freiheit der Kinder Gottes, für die wir geschaffen wurden, nicht in Anspruch nehmen, im Gegenteil. Viele körperliche und psychische Belastungen haben ihre Ursache in eben diesem Fehlverhalten. Erst wenn wir die „befallenen“ Bereiche wirklich unter die Kontrolle des Heiligen Geistes gegeben haben, haben wir uns auch unter die Hand Gottes gedemütigt und empfangen Heilung, nicht indem wir ihn mit frommen körperlichen Übungen wie Knien oder auf dem Boden (im Staub) liegen zu beeindrucken suchen. Dieses "Demütigen" ist ein Prozess, der zwar schwierig und langwierig ist, den aber Gott vom ersten kleinen Schrittchen an segnet und bestätigt. Er wird uns erhöhen, wenn wir gelernt haben, uns wirklich zu erniedrigen.

      „So unterwerft euch nun Gott! Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch; naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch! Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid! Fühlt euer Elend, trauert und heult! Euer Lachen verwandle sich in Trauer und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.“ (Jakobus 4:7-10)

      .