2.April 2016 (Emotionale Erpressung 1)

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    • 2.April 2016 (Emotionale Erpressung 1)

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      Emotionale Erpressung (I)


      Ein Bruder, an dem man treulos gehandelt hat, ist schwerer zu gewinnen als eine befestigte Stadt, und Zerwürfnisse sind wie der Riegel einer Burg. (Sprüche 18:19)

      Wir Menschen wurden als kommunikative Wesen geschaffen, zur Beziehung mit Gott durch Jesus und zur Beziehung untereinander. Unser rebellischer Weg ohne Gott hatte natürlich auch Auswirkungen auf unsere Beziehungen, die ihre Muster in uns hinterlassen haben, deshalb brauchen wir auch göttliche Heilung in unseren Beziehungen und vor allem in den Verhaltensschemata, die der Feind durch Andere, aber auch aufgrund eigener Reaktionen darauf, wie z.B. Unverzeihlichkeit, Hass und Rachegelüste, in uns integrieren und verfestigen konnte. Wenn der Heilige Geist uns „in alle Wahrheit“ leiten will, dann gilt das auch für diese Bereiche. Heilung in der Beziehung mit Gott kann nur geschehen, wenn auch Heilung in den Beziehungen zu meinen Mitmenschen entsteht und damit auch Heilung für die Beziehung zu uns selbst, wobei die Priorität natürlich auf der Beziehung mit Gott liegen muss, denn nur so kann ich das Gebot Jesu verstehen:

      „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Lukas 10:27)

      Was unsere Beziehungen und damit auch unsere Seelen, oft bis hin zum Körper, am meisten krank gemacht hat, sind Lügen, Intrigen, Kontrolle und Manipulation anderer, aber auch unsererseits. Einen wichtigen und leider verheerenden Bereich dessen kann man „emotionale Erpressung“ nennen, was geistlich gesehen nichts anderes als Manipulation und Zauberei ist. Man versucht, seinen Willen durchzusetzen, indem man das Gewissen des anderen mit stummen oder lauten Schuldzuweisungen „füttert“ und es damit manipuliert. Anders gesagt: Emotionale Erpressung geht mit Verhaltensweisen einher, die alle nur ein Ziel verfolgen: Schuldgefühle erzeugen, um andere gefügig zu machen.Ich denke, ich brauche nicht betonen, dass dies in kranke Beziehungen geführt hat, von denen wir Heilung brauchen. Viele nun, die sich bekehrt und einer Gemeinde angeschlossen haben, erhalten nun in diesen Gemeinden anstatt Heilung noch mehr solcher Verletzungen, was man dann unter „geistlichem Missbrauch“ verbucht. Ich möchte den Blick auch auf diesen Bereich richten, denn dort ist Missbrauch um so gefährlicher, denn man führt uns erst in den Glauben, in einem von Gott geschützen Raum zu sein, bevor man dann bewusst oder unbewusst zuschlägt. Das Vertrauen in diese Gemeindebeziehungen wird dadurch grundsätzlich zerstört, wie auch das Vertrauen zu Gott zumindest stark angegriffen wird.

      Mit Bedingungen verknüpfte Liebe
      Ob in der Partnerschaft oder in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern, oder aber in der Gemeinde: Wird für Liebe eine Gegenleistung eingefordert, sollten sämtliche Alarmglocken laut läuten. Wahre Liebe ist niemals mit Bedingungen verknüpft. (1.Korinther 13)
      Gemeindebeispiel: Ein Pastor sagte einmal zu mir: „Weißt du, ich würde dich schon gern öfter predigen lassen, aber wenn die Leute dich da dann vorne stehen sehen, mit deinen langen Haaren und deinem Käppi, dann machen sie mich drauf aufmerksam, dass so was nicht geht, ist nicht wegen mir, aber du weißt ja, dass wir niemandem ein Anstoß zum Ärgernis sein sollen.“

      „Wenn Du mich wirklich lieben würdest, dann………….“
      Ähnlich wie bei der Forderung nach einer Belohnung für Liebe, wird bei der Unterstellung, dass es an Liebe mangelt, das schlechte Gewissen ins Spiel gebracht. Der Gegenüber soll seine Liebe ständig beweisen, aber bitteschön nach den Spielregeln des emotionalen Erpressers oder der emotionalen Erpresserin. In den Gemeinden geht’s dabei um sogenannte „Loyalität“.
      Beispiel: „Wenn du wirklich Jesus konsequent nachfolgst, wirst du erkennen, dass ich als Ältester oder Pastor dein geistlicher Vater bin, auf den du hören sollst.“

      „Deine Aufgabe ist es, mich glücklich zu machen!“
      Kein Mensch kann jemand anderen glücklich machen, denn wirkliches dauerhaftes Glück kann nur von Gott kommen. Menschen, die emotionale Erpressung betreiben, sehen das allerdings anders. Sie fordern ihr persönliches Glück von anderen Personen ein.
      Gemeindebeispiel: „Ich weiß, dass mir dieses Seminar sehr guttun würde aber alleine kann ich da nicht hin. Wenn du also wirklich willst, dass es mir besser geht, dann musst du mich dahin begleiten.“

      Ständiges Appellieren an eigene, oftmals überzogene Moralvorstellungen
      Wem Sprüche wie „Es ist Deine Pflicht als Tochter, Ehemann, etc.“ bekannt vorkommen, befindet sich garantiert in einer Umgebung, in der emotionale Erpressung zum Alltag gehört. Eventuell dienen auch die 10 Gebote als unterstützender Faktor. Überhaupt lässt sich vieles, was mit der Kirche zu tun hat, bei emotionaler Erpressung anwenden. Notfalls wird auch Gott als Vergeltung übende Instanz der begangenen „Sünden“ herangezogen.
      Gemeindebeispiel: „Wenn du weiterhin dem Wort Gottes ungehorsam bist und deinen „Zehnten“ nicht bezahlst, wird Gott dich auch nicht segnen.“

      Mit Hilfe der Opferrolle Schuldgefühle erzeugen
      „Schau, wie schlecht es mir geht!“ – „Noch niemals hatte ich etwas Gutes!“ – „Was muss ich denn noch alles ertragen!“ – oder ähnliche Sprüche heißen im Klartext nichts anderes als: „Kümmere Dich gefälligst mehr um mich, damit es mir besser geht!“ Dass Aussagen dieser Art von einem leidvollen Gesichtsausdruck begleitet werden, versteht sich von selbst. Bei bereits gut „Antrainierten“ funktioniert die Opferrolle auch nonverbal. Ein gequälter Blick, eventuell unterstützt mit Stöhnen oder Tränen, erreicht oftmals mehr als Worte.
      Gemeindebeispiel: „Freut mich für dich, dass du heute Abend beim Geburtstag von Bruder XXX bist. Wird bestimmt lustig. Nein, ich kann da nicht hin, ich muss noch in der Küche helfen und dann den Versammlungsraum putzen und neu bestuhlen, ihr wollt ja morgen alles schön und ordentlich haben und wenn ich das nicht mache, macht es ja sowieso niemand.“

      Menschen zitieren, die sich besser verhalten
      Der Vergleich mit anderen fällt für den Betroffenen immer negativ aus, damit ein schlechtes Gewissen entsteht. Beispiele: „Die Nachbarin von gegenüber wird täglich von ihrer Tochter besucht. Du kommst nur einmal die Woche.“ – „Hans weiß, was sich gehört, im Gegensatz zu Dir.“ – „Andrea bekommt ständig von ihrem Mann Blumen geschenkt und ich von dir nur an meinem Geburtstag.“
      Gemeindebeispiel: In anderen Gemeinden wirst du nicht gefragt, ob du dann und dann Zeit hast, da ordnen die Geschwister alles den Gemeindebelangen unter. Auch Prediger Y und Prophet Z würden niemandem im Lobpreisteam dulden, der sich nicht gern und freiwillig zwei Stunden vor der Versammlung zum gemeinsamen Gebet einfindet.“

      Durch Schweigen Schuldgefühle erzeugen
      Wird Schweigen als Strafe über Stunden, Tage oder sogar Wochen praktiziert, handelt es sich zweifelsohne um eine Strategie, die ein schlechtes Gewissen auslösen soll. Das Schweigen wird für gewöhnlich von einem tief beleidigten Gesichtsausdruck begleitet. Manchmal liegt nur eine Vermutung vor oder es fehlt jegliche Kenntnis über „das Verbrechen“. Eine klärende Aussprache, die Licht ins Dunkle bringen könnte, wird es aber niemals geben.
      Gemeindebeispiel: Derjenige, meist „rangmäßig“ Untergeordnete, wird nicht mehr begrüßt, man meidet jeden Kontakt und beeinflusst andere Schäflein, es in Bezug auf Bruder X oder Schwester Y genauso handzuhaben.

      Lügen und Verdrehen der Wahrheit
      Mit der Ehrlichkeit nimmt es der/die emotionaler Erpresser/-in in der Regel nicht allzu genau. Vor allem wenn es das eigene Verhalten betrifft, kommt es häufig zu der Aussage: „Das habe ich nie gesagt bzw. nie getan!“
      Hier brauchen wir keine speziellen Beispiele, denk ich.

      „Es gut meinen“
      „Ich habe es doch nur gut gemeint“, heißt eigentlich „Ich traue Dir nichts zu und habe deshalb schon alles für Dich geregelt, nach meinen Vorstellungen natürlich. Wieviele wurden schon in unseren Gemeinden mit der Bibel erschlagen, weil man es ja angeblich nur gut gemeint hatte. „Ich habe es doch nur gut gemeint“ verhindert Buße und Entschuldigung und legitimiert nahezu jeden Missbrauch.

      Um emotionalen Erpressungsversuchen zu entgehen, müssen wir zuerst mal erkennen, dass der Verkläger der Brüdern und Schwestern hier am wirken ist, auch in den „gesalbtesten“ Christen. Die von ihm durch andere Geschwister oder Leiter in unser Gewissen gestreute Anklage sind der wunde Punkt, an dem der/die emotionale Erpresser/-in den Hebel ansetzt. An dieser ohnehin schon offenen Wunde lässt sich noch ein Vielfaches an Schmerz erzeugen. Für gefühlsmäßige Manipulation sind Schuldgefühle unverzichtbar, denn sie machen gefügig und führen im Extremfall bis zur vollkommenen Selbstaufgabe. Der einzige Schutz, den wir davor haben ist das Wissen, dass der Heilige Geist uns niemals verurteilt, er wird uns korrigieren, aber niemals anklagen oder uns mithilfe von Gewissensmanipulation zum Handeln nötigen. So sind die Geister eigentlich recht gut zu unterscheiden. Sobald wir dem Ankläger nachgeben, ist meist ein Teufelskreis gestartet, wo wir nur sehr schwer wieder rauskommen, das gilt nicht nur für Partnerschaften, sondern alle unsere Beziehungen, auch und besonders innerhalb der Gemeinde. Widerstand gegen emotionale Erpressung ist kein egoistisches Handeln, auch wenn es der Erpresser bzw. die Erpresserin so einstuft. Schließlich soll jeder sein Leben in Verantwortung vor Gott so gestalten, wie er es für richtig empfindet, solange niemand geschädigt wird. Nur wer sich selbst in einem ausgeglichenen, versöhnten Zustand mit Gott befindet, kann andere Menschen unterstützen. Erzwungener Beistand stellt letztendlich für beide Parteien keine heilende und zufriedenstellende Lösung dar.

      Hier noch ein paar Tips:
      1. Das erste klar und deutlich ausgesprochene „NEIN“ geht wahrscheinlich relativ schwer über die Lippen. Doch Übung macht den Meister. Einmal ausprobiert, fällt die nächste Verweigerung schon etwas leichter.
      2. Ein „NEIN“ darf nicht zurückgezogen werden, auch nicht nach Bitten, Betteln, Geschrei und erneuten Drohungen. Einknicken gibt dem Erpresser seine bisherige Machtstellung sofort wieder zurück.
      3. Sich rechtfertigen kommt einem Schuldgeständnis gleich. In der Kürze liegt die Kraft, deshalb zu einem „NEIN“ nur wenige Worte hinzufügen, wie etwa, „Nein, das sehe ich anders.“ – „Nein, da habe ich schon was vor.“ – „Nein, ich lasse mich von Dir nicht mehr unter Druck setzen.“ – „Es tut mir zwar leid für Dich, aber ich kann dir nicht helfen.“ Auf keinen Fall auf Diskussionen oder Streitgespräche einlassen.
      4. Eskaliert die Situation, hilft nur Distanz. Deshalb so schnell wie möglich den Dialog einigermaßen vernünftig zum Abschluss bringen, gegebenenfalls verabschieden und den Raum bzw. die Wohnung verlassen.
      5. Wenn es nicht anders geht, empfiehlt sich ein räumlicher Abstand für längere Zeit (oder manchmal auch für immer)
      6. Wird Schweigen als emotionale Erpressung eingesetzt, hilft vielleicht der Satz: „Okay, wenn Du nicht mit mir sprechen willst, dann lassen wir es eben. Ganz nach Deinem Wunsch.“
      7. Rückschläge sind Erfahrungswerte und sollten nicht als Niederlagen bewertet werden. Es sei denn, das schlechte, manipulierte Gewissen gewinnt erneut die Oberhand und der Widerstand wird aufgegeben, was den Erpresser bzw. die Erpresserin stärker macht als zuvor. Emotionale Erpressung lässt sich nicht auf Anhieb abschütteln. Geduld mit sich selbst ist hier gefragter denn je.
      Das sind jetzt alles psychologische Tipps, die auch wir als Gläubige durchaus berücksichtigen können, aber sie können die Führung durch den heiligen Geist nicht ersetzen. Nehmt jede Handlung, mit der man versucht, euch zu erpressen oder euch ein schlechtes Gewissen zu machen sofort ins Gebet. Fragt den Heiligen Geist, ob eventuell schuldhaftes Verhalten unsererseits vorliegt und wenn ja, dann bringt das vor Gott (und eventuell auch vor dem, an dem wir schuldig geworden sind) in Ordnung. Und dann widersteht. In Liebe und Klarheit. Denkt immer dran, dass wir nicht gegen die Erpresser kämpfen, sondern gegen die Mächte, die dahinter stehen.

      „Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! Was darüber ist, das ist vom Bösen.“ (Matthäus 5:34)



      Diese Andacht entstand mit Zuhilfenahme der Gedanken der Seite „Emotionale Erpressung“
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