29.März 2016 (Praktische Anwendung 2)

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    • 29.März 2016 (Praktische Anwendung 2)

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      Praktische Anwendung II

      Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge. Sie beteten die Geschöpfe an und verehrten sie anstelle des Schöpfers, der doch für immer und ewig zu preisen ist. Amen! (Römer 1:25 NEÜ)

      Paulus schrieb diesen Satz in Bezug auf Homosexualität, aber diese „Verirrung“ ist nur eine Folge von vielen Dingen, wobei die Ursache dieselbe ist und das ist das, was die Bibel „Ungerechtigkeit“ nennt, oder besser „Iniquität“, also Denkmuster und Verhalten, das sich im Widerspruch zu Gottes Gerechtigkeit befindet. Diese „Iniquität“ ist also das Lügengebäude im Herzen und auch im Gewissen der Menschen, das dann die Taten (Sünden) produziert. Die Bibel geht also noch viel weiter als wir, die wir normalerweise Lüge als das Gegenteil von Wahrheit definieren. Das können wir auch am „Hohelied der Liebe“ erkennen:

      „sie [die Agape-Liebe] freut sich nicht an der Ungerechtigkeit [Iniquität], sie freut sich aber an der Wahrheit“ (1.Korinther 13:6)

      Paulus stellt hier der Wahrheit nicht Lüge gegenüber, sondern Iniquität. Sie kommt aus dem rebellischen Herzen unseres „alten Menschen“, das „die Geschöpfe anstelle des Schöpfers anbetet“. Diese „Anbetung“ der Geschöpfe, meist Mitmenschen bleibt uns normalerweise verborgen, wir realisieren das nicht, aber es gibt ein Indiz, an dem wir dieses Fehlverhalten erkennen können und das ist Menschenfurcht. Solange wir diesen „alten Menschen“ noch nicht völlig in den Tod gegeben haben, wird er Gottesfurcht in uns durch Menschenfurcht ersetzen. Und Menschenfurcht ist geistlich gesehen Götzendienst.

      „Siehe, das Auge des Herrn achtet auf die, welche ihn fürchten, die auf seine Gnade harren“ (Psalm 33:18)

      Unser Gott ist ein Gott, der den Anspruch erhebt, unser einziger Gott zu sein. Nichts soll zwischen ihm und uns stehen, absolut nichts. Dafür ist Jesus ans Kreuz gegangen. Aber manches haben wir unbemerkt zum Gott in uns erhoben. Einen solchen falschen Gott, also Götzen, können wir daran erkennen, dass er Furcht in uns schürt, denn Furcht ist eine Form der Anbetung. Ohne diese Furcht würde der „Götzendiener“ bald sein Interesse an seinem Götzen verlieren und ihm absagen.

      Es ist relativ leicht, herauszufinden, was wiedergeborene Christen anbeten, was also ihr Götze ist, man braucht nur darauf zu achten, was sie fürchten. Viele lassen es zu, dass sie ihre Finanzen in Unruhe versetzen, ihr Götze heißt „Besitz“. Sie setzen ihr Vertrauen (in Bezug auf ihren Lebensunterhalt) in erster Linie aufs Geld und nicht auf ihren himmlischen Vater. Manche wiederum begegnen ihren Vorgesetzten oder anderen Autoritätspersonen mit Zittern und Zagen und haben ihnen somit den Platz Gottes eingeräumt. Sie zeigen damit, dass sie sich denen ausgeliefert haben, die „an der Macht“ sind. Andere überfällt das Grauen vor den Auswüchsen der Gesellschaft, sie haben ihre ganze Hoffnung in „den Menschen“ innerhalb eines humanistischen Weltbildes gesetzt. Und so lässt sich diese Liste fortführen. Erkenne ich mich irgendwo wieder?

      Furcht ist demzufolge eine der höchsten Stufen der Anbetung. Satan gibt sich selbst für den Gott dieser Welt aus und verlangt daher diese Furcht von seinen bewussten und unbewussten Anhängern. Er holt sich damit die subjektive Bestätigung, dass er mehr wäre, als nur ein gefallener Engel, mehr als ein besiegter Gegner und mehr als ein zahnloser brüllender Löwe. Durch Furcht erhält Satan einen Grad der Anbetung (und leider auch Macht), die nicht ihm, sondern allein Gott unserm Vater zusteht. So versucht er durch knechtende Angstgeister das zu erreichen, was er schon immer wollte, nämlich sich selbst zu erhöhen und Gott gleich zu machen. Selbst Jesus wurde in der Wüste von Satan herausgefordert:

      „Dieses alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest!“ (Matthäus 4:9)

      Das Wort „anbeten“ lässt sich einfach als „fürchtende Beachtung schenken“ definieren. Satan sagte hier also mit anderen Worten: „Jesus, konzentrier dich auf mich“. Aber nur Gott allein darf unsere ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen und deshalb konterte Jesus:

      „Weiche, Satan! Denn es steht geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen!«“ (Matthäus 4:10)

      Wie oft sagen wir die Unwahrheit, um dadurch jemand anderen nicht zu verletzen, wie unser Gewissen uns bestätigt, aber in Wirklichkeit haben wir doch Angst, der andere könnte uns ablehnen, wütend auf uns sein, oder uns feindschaftlich begegnen. Vor allem in der Gemeinde. Das ist auch einer der wesentlichsten Gründe, warum in den Gemeinden guten Gewissens so viel gelogen wird, in Wort und Tat.

      Ich kannte mal eine Pastorsfrau, die jeden Gottesdienstbesucher umarmte und ihm sagte, wie sehr sie sich darüber freue, dass er da sei. Das machte sie auch bei mir, obwohl ich wusste, dass sie durchaus ihre Schwierigkeiten mit mir hatte. Ich war dann mal so frei und sagte ihr, dass sie das bei mir ruhig lassen könnte, denn ich wäre recht sensibel und würde spüren, dass das nicht der Wahrheit entsprechen würde. Nach einigem hin und her gab sie dann auch zu, dass es ihr beim einen oder anderen schwerer falle, dass sie es aber als eine Art geistliche Übung betrachte. Ich ließ das so stehen, aber letztendlich hatte sie doch zugegeben, dass ihr Verhalten und ihre Worte nicht wahrhaftig waren. Ich brauch wahrscheinlich nicht zu erwähnen, dass ihr Verhalten auf die gesamte Gemeinde abfärbte und dass man sich dort sehr überschwänglich und komplimentierend begrüßte, obwohl das oftmals nicht aus einem wahrhaftigen Herzen kam. Am offensichtlichsten wurde dies immer dann, wenn dann hinter vorgehaltener Hand über den so liebevoll begrüßten getuschelt wurde.

      „Im Vertrauen gesagt“ oder „unter uns gesagt“ sind meistens Gespräche, die aus einem unaufrichtigen Herzen kommen, denn wahrhaftig sind wir, wenn wir auch zu dem stehen, was wir sagen. Ich machte mal einen Bruder darauf aufmerksam, dass sein Aufruf zum sonntäglichen „Opfer“ die Menschen in Gesetzlichkeit leiten würde, woraufhin er mir entgegnete, dass es nicht meine Sache sei, ihm das zu sagen, denn wenn es wirklich so wäre, würde ihn der Pastor nicht bitten, jeden Sonntag die Schäflein zum großzügigen Spenden zu „motivieren“. Also sagte ich das dann dem Pastor. Er bat mich dann leiser zu sprechen, denn das brauche ja nicht jeder hören, aber ich sagte ihm, dass das, was immer ich sage, jeder hören kann, denn es entspricht dem, was in meinem Herzen ist. Das konnte er allerdings nicht verstehen, denn er selbst handhabte das anders.

      Aber auch ich selbst habe oft genug andern gegenüber Dinge vertuscht, beschönigt etc. und dachte, ich würde das tun, um andere nicht zu verletzen, also aus Liebe. Aber inzwischen weiß ich, dass es nicht aus Liebe geschah, sondern um selbst geliebt zu werden oder geliebt zu bleiben. Wenn mich eine Schwester fragt, wie ich ihre neue Frisur finde, würde ich nicht sagen: „Also die Frisur sieht echt Scheiße aus“, denn das würde sie sicherlich verletzen. Aber ich kann ihr doch sagen: „Mir gefiel, ehrlich gesagt, die alte Frisur besser, aber das ist nur meine unmaßgebliche Meinung, anderen gefällt die neue vielleicht total gut“ oder so ähnlich.

      Als ich gestern meine Mutter im Krankenhaus besuchte, erzählte sie mir, wie meine Schwester sie vorgestern mit dem Rollstuhl durchs Krankenhaus gefahren hätte und wie sie die dort in den Fluren aufgehängten Gemälde betrachtet hätten und schloss mit den Worten, aber das war mir dann doch fast schon zuviel. Ich fragte sie, warum sie meiner Schwester das nicht gesagt hätte und sie sagte: „Die Susanne hatte sich soviel Mühe gegeben und hat mir das alles voller Freude gezeigt und da wollte ich sie doch nicht enttäuschen. Ich entgegnete, dass sie sowas auf jeden Fall sagen solle, denn es wäre lange nicht so schlimm, wie wenn der andere merkt, dass Interesse nur vorgetäuscht wird. Sie sagte es daraufhin heute meiner Schwester und meine Schwester bestätigte meine Worte und sagte: „Du musst mir das unbedingt sagen, denn wenn du mir das nicht sagst, das ist dann wirklich schlimm für mich.“ Was ich ihr nicht sagte, war, dass hinter diesem „ich will sie doch net enttäuschen“ eigentlich „ich hab Angst, dass sie mir dann nicht mehr die Zuneigung entgegen bringt, die ich brauche“ steht, sie ist 87 und das wäre dann für ihre Gehirnaktivität doch zuviel des Guten gewesen, aber hier kann ich das so schreiben. Wir tun gut daran, diese rücksichtnehmende Halbwahrheiten, Unwahrheiten oder auch das Schweigen aus Rücksicht, überwiegend der Kategorie Menschenfurcht zuordnen.

      Zu den schwerwiegendsten Fehlern, die mich daran gehindert haben, wirklich die Dinge zu tun, die Gott für mich vorbereitet hatte, gehört, dass ich auf diese Art Menschenfurcht in meinem Leben zugelassen und akzeptiert habe, obwohl ich immer wieder betonte, dass ich Furcht nicht kenne. Diese Form von Menschenfurcht hat wohl jeder in sich drin, es sei denn, man ist von Natur aus furchtloser Evangelist, dem völlig egal ist, was andere Menschen über einen denken oder grenzenloser Egoist; zu beiden gehöre ich ganz sicher nicht. Daher stand bei mir als begrenzender Faktor bei allem, was ich gemacht habe, immer der Gedanke, was andere Menschen wohl dazu sagen würden. Sowas nennt man Menschenfurcht – und ist so schnell wie möglich zu überwinden, indem wir das Erkannte im Gebet Gott bekennen und darüber Buße tun, uns von sämtlichen Angstgeistern lossagen und auch unsere Befreiung davon im Glauben annehmen und indem wir den Heiligen Geist bitten, uns immer mehr für Menschenfurcht zu sensibilisieren.

      „Versuche ich so etwa, den Beifall von Menschen zu gewinnen und Menschen zu gefallen - oder nicht doch vielmehr Gott? Wenn ich jetzt Menschen gefallen wollte, dann wäre ich kein Diener von Christus mehr.“ (Galater 1:10 NEÜ)

      Mir persönlich hat es geholfen, ein paar Tage über diesen Bibelvers nachzudenken, darüber zu meditieren, ihn „sacken zu lassen“. Und dann den Entschluss zu fassen, dass mich Menschenfurcht nicht mehr beeinflussen soll. Und wenn doch ein Gedanke in die Richtung kommt, dann erinnere ich mich an den Vers und entscheide mich bewusst dafür, mich nicht von den Gedanken anderer davon abhalten zu lassen, das zu tun, was Gott mir gesagt hat. Und davon gibt es regelmäßig immer wieder Gelegenheiten.

      Paulus sagt klipp und klar: Wenn ich Menschen gefallen möchte, dann bin ich nicht mehr Knecht oder für uns sicher deutlicher „Sklave Christi“. Und als genau das bezeichnen sich eine Reihe von Aposteln (siehe z.B.: Philipper 1:1; Jakobus 1:1; Judas 1; 2.Petrus 1:1). Und das ist keine Floskel: Paulus und den anderen Aposteln war klar: Wir gehören nicht mehr uns selbst, wir sind nicht mehr unser eigener Herr: Jesus ist unser Herr, wir sind seine „Liebessklaven“ . Und wenn wir das tun, was er uns aufgetragen hat, dann tun wir nichts Besonderes, sondern machen nur unseren Job in Wahrheit und Klarheit und Liebe.

      „So soll es auch bei euch sein. Wenn ihr alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sagt: 'Wir sind Sklaven, weiter nichts. Wir haben nur unsere Pflicht getan.'" (Lukas 17:10 NEÜ)

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