10.März 2016 (Vom Hirten zum Manager)

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    • 10.März 2016 (Vom Hirten zum Manager)

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      Vom Hirten zum Manager


      So spricht der Herr, HERR: Siehe, ich will an die Hirten, und ich werde meine Schafe von ihrer Hand fordern und will ihnen ein Ende machen, dass sie nicht länger meine Schafe weiden. Und die Hirten sollen nicht mehr sich selbst weiden; und ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen retten, dass sie ihnen nicht mehr zum Fraß seien. (Hesekiel 34:10)

      Nochmals: Es geht mir hier nicht darum, einzelne Gemeinden oder Gemeindeverbände anzuprangern, sondern es soll hier ausschließlich aufgezeigt werden, in welchem Ausmaß die sogenannte Braut Christi bereits von der Hure Babylon infiziert ist. Dass ich dabei den Schwerpunkt heute auf die charismatischen Praktiken lege, liegt einzig und allein daran, dass ich mich dort am besten auskenne, weil ich selbst dazugehöre. Ich denke auch, dass ich mich hier über die Pietisten, die lehren, dass Zeichen,Wunder und Erweckungen mit dem Tod der Apostel aufgehört hätten, nicht weiter auszulassen brauche, denn das würde ja letztendlich bedeuten, dass der Heilige Geist während der Apostelzeit nur eine Art Gastspiel auf Erden gegeben hätte. Wenn dem so wäre, könnten wir unsere Bibeln mit ruhigem Gewissen in die Tonne klopfen. Man versucht mit dieser Aussage lediglich zu legitimieren, warum diese Dinge dort nicht geschehen. Auch das ist Manipulation.

      Viele der charismatischen Gemeinden sind wie die höher spielenden Fußballclubs in Wahrheit Wirtschafts-Unternehmen, mit dem Unterschied, dass dort halt nicht Fußball, sondern Gemeinde gespielt wird. Bei Bayern München zum Beispiel dreht sich nach außen hin alles um Fußball, man spielt Fußball, man redet über Fußball, man analysiert Fußball, man trifft fußballerische Entscheidungen, man lebt Fußball, aber in Wirklichkeit ist das nur die Fassade. Im Herzen dieses Vereins dreht sich letztendlich alles ausschließlich um Macht und Geld, also Mammon.

      Charismatischer Gemeindebau basiert überwiegend auf derselben Managementbasis, nur dass eben die Fassade eine andere ist. Das ist zwar traurig, aber nicht zu übersehen. Und es ist umso trauriger, dass diese Imperien auf dem Rücken der anbefohlenen Schäflein aufgebaut werden, im Gegensatz zu Bayern München, wo die Mitarbeiter wenigstens ordentlich bezahlt werden. Was man in der „Welt“ als „Angestellte“ bezeichnet, hat man in diesen „frommen Tempeln“ durch den Begriff „Diener“ ersetzt, wodurch dieser offensichtliche Missbrauch verborgen wird. Das funktioniert in allen Bereichen. Das Geschäft mit Cds, Videos, Seminaren und Workshop boomt wie nie zuvor, und man verdient sich dabei wirklich ne goldene Nase, denn diese Produkte werden etwas günstiger verkauft, wie die der „Welt“, aber dadurch, dass man keine Löhne zahlt, ist man auf der anderen Seite in der Lage wesentlich günstiger zu produzieren und somit übertreffen die Gewinnspannen „für das Reich Gottes“ diejenigen der „Welt“ um ein vielfaches. Das betrifft auch die in manchen Gemeinden geschaffenen Übernachtungs-möglichkeiten und der Verdacht, dass Seminare und Workshops dazu angeboten werden, damit diese Betten auch gut belegt sind, damit der Rubel rollen kann,, ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Die Leidtragenden sind die „Diener“, die hier hier im Hausmeister-, Reinigungs-, Koch und Service-, Buchhaltungs-,Sekretariats-,Technik-, Deko-Dienst etc. unentgeltlich verheizt werden, indem man sie glaubend macht, sie würden es für Jesus tun. Versteht ihr jetzt, warum Gottes Segen trotzdem teilweise in diese Gemeinden fließt? Er schaut auf das Herz des Einzelnen. Er sieht, dass es total aufrichtig Jesus dienen will und dabei von diesem „System“ für seine eigenen Zwecke gnadenlos ausgenützt wird.

      Psychologisch ist man dort in der Führungsetage bestens geschult und arbeitet überwiegend nach dem Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“. Man kennt ja die Schäflein und ihre Defizite aus der Seelsorge und kann so jeden leicht in einen immer umfassenderen Dienst treiben, bis das Schäflein irgendwann in Burnout landet, aber auch das ist kein Problem, denn das nächste Schäflein steht schon bereit, dessen Platz dann lückenlos einzunehmen. Solch ein Gemeindebau kann nur gelingen, wenn man „Ziegelsteine“ verwendet, wären die Schäflein wirklich „lebendige Steine“ würde schnell offenbar, wer hier der Bauherr ist.

      Das alles fängt kurz nach der Aufnahme in die Gemeinde an und man nennt es fromm „in den Dienst bringen“. Zuerst wird oftmals der natürliche Geltungsdrang des Schäfleins benutzt, um ihm das Maul nach Gaben wässerig zu machen. Man macht sogenannte Gabentests und wenn dabei nichts Brauchbares herauskommt, bleibt immer noch die Gabe der Prophetie, denn jeder hat schon mal was geträumt, was irgendwie ein wenig in Erfüllung gegangen ist. So kommt es, dass dann Menschen im Gottesdienst aufstehen und sagen: „So spricht Gott, der Herr...“ obwohl in Wirklichkeit ihre Seele oder ein ganz anderer Herr aus ihnen spricht und nur wenn man eine gute Menschenkenntnis hat, kann man den Stolz auf diese „Gabe“ in den Worten dieser Menschen erkennen. Das gilt auch für so manchen Propheten, den man extra aus irgendwoher einfliegen lässt, um die gefrusteten und ausgebrannten Schäflein dann wieder auf einheitlichen Kurs zu bringen. Sollte er Dinge prophezeihen, die nicht in den Bauplan der Leitung passen, kann er sicher sein, dort niemals mehr eingeladen zu werden.

      In manchen Gemeinden richtet sich der Dienst in einer Gemeinde auch nach deren Bedürfnissen. So zitiert man z.B. die junge Schwester X vor die Gemeindeleitung, die ein Herz für Kinder hat, im Kinderdienst dient und die auch von den Kindern ins Herz geschlossen wurde, sehr zum Leidwesen von Schwester Y und Z, die schon lange in diesem Dienst sind und fleißig ihren „Zehnten“ zahlen und deshalb einen guten Draht zum Leiterteam haben. Man sagt dann der Schwester X dort in etwa: „Der Heilige Geist hat uns gezeigt, dass er dich tiefer in Demut führen will, Schwester. Deshalb sollen wir deinen Dienst an den Kindern vorerst aussetzen und du sollst dienen, indem du die Toiletten reinigst.“ Verschwiegen wird, dass die Schwester, die das zuvor gemacht hatte, zufällig gerade krank geworden ist oder diesen Dienst quittiert hatte. Ist nur ein (leider wahres) Beispiel von vielen, aber damit kommen wir zu einem weiteren babylonischen Merkmal.

      Die Leiter lieben es, Heiliger Geist zu spielen. „der Heilige Geist hat mir gezeigt“, „der Heilige Geist möchte für diese Gemeinde“, Der Heilige Geist (oder Gottes Kraft) ist mächtig am Wirken“ und ähnliches, ich denke, wir haben es alle schon mal gehört. Auch hier ein paar Beispiele, wo offensichtlich wird, dass eben nicht der Heilige Geist am Wirken ist, obwohl es so deklariert wird. So wurde in einer Gemeinde „vom Geist geleitet“ geschult, man solle beim Evangelisieren in erster Linie auf seriös wirkende Menschen zugehn, am besten Ärzte, Anwälte, Pädagogen etc., denn der Heilige Geist bevorzuge „gutes Material“. Ein anderer predigte, der Heilige Geist wolle durch ihn diese Gemeinde beauftragen, die Macht der rot-grünen badenwürttembergischen Landesregierung im Gebet zu zerbrechen. Hier wird’s offensichtlich, dass der Heilige Geist für persönliche oder Gemeindeziele missbraucht wird, meistens jedoch verläuft diese blasphemische Manipulation wesentlich subtiler, in Predigten, persönlichen Gesprächen und Seelsorge. Wenn mir jemand sagt: „Bruder ich habe folgendes vom Herrn für dich empfangen“ dann werd ich extrem vorsichtig. Ich hörs mir an, aber überprüfe es sehr genau und wenn der Herr dieses Wort nicht auf andere Weise unmissverständlich bestätigt, dann weise ich es weit von mir im Namen Jesu.

      Trotzdem bin ich Charismatiker und auch überwiegend in einer charismatischen Gemeinde tätig. Ich betrachte es als meine Aufgabe dort Manipulation und den Einzug falscher oder unausgewogener Lehren zu bekämpfen, solange man mich lässt. Das geschieht einzig und allein dadurch, dass ich mich mit den Verantwortlichen diesbezüglich im persönlichen, vertraulichen Gespräch auseinandersetze, ohne mit dem Finger auf sie zu zeigen und ohne sie zu verurteilen und vor allem ohne mich an Diskussionen darüber in der Gemeindeöffentlichkeit zu beteiligen. Das möchte ich jedem von euch auch empfehlen. Sprecht mit den Leitern, niemals über die Leiter. Und lasst, wie auch Paulus schreibt alles in Liebe geschehen. Denkt daran, dass es nichts grausameres gibt, als Wahrheit ohne Liebe und dass vor allem die von evangelikal pietistischer Seite unter der Tarnkappe „Liebe zur Wahrheit“ erhobenen Zeigefinger inzwischen das Ausmaß von Kreuzzügen und mittelalterlicher Inquisition angenommen haben, also auf der fleischlichen Ebene stattfinden, wo das de- oder re-kontextierte (aus dem Zusammenhang gerissene oder in einen anderen Zusammenhang eingepflanzte) Wort Gottes eingesetzt wird, um anders denkende Brüder und Schwestern zu diskreditieren und zu diffamieren. Daran können wir gut erkennen, welcher Geist dahinter steht, auch wenn sie es angeblich noch so gut meinen. Aber auch die andere, eher charismatische Seite fällt vom Pferd, wenn sie eine Liebe untereinander praktiziert, die nicht in der Wahrheit des ausgewogenen Wortes Gottes stattfindet. Diese Liebe wird dann auch fleischlich und öffnet Irrlehren und Manipulation Tür und Tor. Paulus schrieb: „die (Agape)-Liebe freut sich an der Wahrheit“ und das bedeutet doch, dass diese Liebe Grundlage dafür ist, dass man die oftmals harte und grausam empfundene Wahrheit ertragen kann.

      Aber wenn wir in unseren Gemeinden Manipulation bekämpfen wollen, dann muss das bei und in uns selbst anfangen, und das soll auch hier in unseren Betrachtungen den Schwerpunkt bilden. Dieser Blick auf und in uns hilft uns auch, den „babylonisch befallenen“ Geschwistern in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen, denn der Heilige Geist wird uns dann immer wieder darauf hinweisen, dass unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut ist. Wenn wir diesen auf uns selbst gerichteten Scheinwerfer des Heiligen Geistes ignorieren, werden wir in diesem geistlichen Kampf untergehn, indem wir ohne es zu bemerken mit denselben Waffen zurückschlagen, denn das führt uns selbst in Herzenshärte, Stolz und Überheblichkeit, also mit Sicherheit nicht in das Bild Jesu, in Sanftmut und Barmherzigkeit.

      „Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.". (Matthäus 11:29+30)

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