9.März 2016 (Gott oder Mammon)

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    • 9.März 2016 (Gott oder Mammon)

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      Gott oder Mammon


      Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen [oder wurden getauft, untergetaucht]; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan. Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Es kam aber über jede Seele Furcht, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle Gläubiggewordenen [oder Glaubenden] aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war. Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten. (Apostelgeschichte 2:41-47)

      Wenn wir das lesen, dann denkt wohl jeder: „Ja, so sollte es eigentlich sein“ und irgendwie ist man traurig, dass die Praxis in Kirchen und Gemeinden so ganz anders aussieht. Petrus hatte ausschließlich zu Nichtchristen, zu Juden, gepredigt, der Heilige Geist wirkte mächtig und führte die Menschen in Buße. Es war – kann man so sagen – die erste Grossevangelisation, die wir im Neuen Testament finden, man kann sagen, es war überhaupt das Erste, was im Neuen Testament stattfand, denn das Neue Testament beginnt eigentlich nicht mit Johannes dem Täufer oder der Geburt Jesu, sondern mit der Ausgießung des Heiligen Geistes. Die „Gemeinde“ bestand zu diesem Zeitpunkt aus etwa 120 Leuten (Apostelgeschichte 1:15) und am selben Tag wurden 3000 Menschen getauft und der Gemeinde hinzugetan. Wenn wir das überschlagen, dann kamen also auf jeden „Seelsorgehelfer“ damals fast 30 frisch Bekehrte, die zu betreuen waren und die am selben Tag noch getauft wurden. Wenn ich mit Leitern und Pastoren darüber spreche, dann höre ich immer wieder: „Tja – das war damals, heute ist das nicht machbar“ und wenn ich dann frage, wieso nicht, dann werden die in den Bibelschulen gelehrten Argumente runtergebetet und daran kann man bereits erkennen, dass diese organsitatorischen Zusatzlehren ihrer „Pastorenseminare“ den Leitern wichtiger sind, als das, was die Bibel lehrt.

      Die Praxis ist doch so, dass Gemeindeleben sich heute nahezu ausschließlich im eigenen Gemeindezentrum, in der eigenen Kirche oder im eigenen Versammlungsraum abspielt – wie in einem Club innerhalb seiner Clubräume. Das war damals in Jerusalem anders. Moment, sagen jetzt sicher einige, da steht doch ganz klar, dass sie „täglich im Tempel verharrten“, das ist ja dasselbe wie ein Gemeindezentrum. Aber das stimmt so nicht. Der Tempel selbst durfte nur von den Priestern betreten werden. Man traf sich genauer gesagt im Vorhof des Tempels und der glich eher einem Marktplatz als einer christlichen Versammlungshalle (Johannes 2:14+15). Es war das Kommunikationszentrum Jerusalems. Hier erfuhr man den neuesten Klatsch und Tratsch, hier spekulierte man wie ein Wallstreetbroker an den Geldwechseltischen, man kaufte und verkaufte Opfertiere und diskutierte über Gott und die Welt, ähnlich wie auf dem Areopag in Athen oder dem Forum Romanum in Rom. Auch die Pharisäer lehrten und diskutierten dort, dorthin zerrten sie die Ehebrecherin und auch Jesus hielt sich oft dort auf und hatte dort im Alter von 12 Jahren bereits den Schriftgelehrten die Schriften ausgelegt. Nein, das war kein frommer Clubraum, sondern der Platz, auf dem sich das Jerusalemer Leben jeglicher Art abgespielt hatte. Man lief da rum, hörte zu, was die Einzelnen da von sich gaben oder diskutierte eifrig mit. Jeder konnte hier Teil des gesellschaftlichen Lebens sein, auch Fremde und Ungläubige, sofern sie den Eintrittspreis, die Tempelsteuer bezahlt hatten.Und dort, inmitten diesem Ort öffentlichen Interesses spielte sich das Gemeindeleben der ersten jüdischen Christen ab. Wären die Apostel in unserem Leitvers nicht in die Öffentlichkeit gegangen sondern wären in ihrem Versammlungsraum, dem Obergemach geblieben, hätten sie wohl vergeblich auf jemanden gewartet, den sie hätten anpredigen können und niemand wäre der Gemeinde „hinzugetan“ worden.

      Jeder Pastor, der eine Bibelschule besucht oder ein Theologiestudium absolviert hat, weiß das und trotzdem wird das geschickt ausgeblendet und man macht die Gläubigen glaubend, das eigene Gemeindezentrum sei der neutestamentliche Tempel. Aber in Wirklichkeit kann man das mit unseren Versammlungsräumen nicht vergleichen. Keiner, der an denen vorbeikommt, würde jemals auf die Idee kommen, da einfach reinzugehn. Der Gast, der es dennoch wagt, kommt aus dem Umfeld eines Gemeindemitglieds und wurde dazu eingeladen. Man kümmert sich dann um den Gast und taxiert, ob er bereits gläubig ist und versucht ihn der Gemeinde einzuverleiben. Ein Gaststatus über längere Zeit wird überwiegend nicht geduldet, wenn der Mensch sich bekehrt hat oder bereits ist, man drängt ihn dann in den meisten Gemeinden, einen Gemeindeaufnahmeantrag zu stellen. Ein Leiterteam prüft den dann, fragt bei bereits Gläubigen oftmals in der alten Gemeinde über deren Erfahrung mit dem neuen Schäflein nach und wenn nichts dagegen spricht, darf es durch Unterschrift Mitglied in der Gemeinde XY werden. Diese Praxis können wir nirgends in der Schrift finden und wir ahnen, dass bereits hier das Wirken des Heiligen Geistes durch ein Kontrollsystem ersetzt wird.

      Meist folgt dann ein Glaubensgrundkurs oder eine Jüngerschaftsschulung, wo der Neuling durch die jeweilige Gemeindebrille unterrichtet wird und wo man ihm dringend ans Herz legt, seinen „Zehnten“ als Mitglied auch ins „Kornhaus“ zu bringen, wie es im alten Testament zu lesen ist, und man betont immer wieder, dass dieser „Zehnte“ nicht in die sonntägliche Kollekte gehört, sondern überwiesen werden soll. Das macht man dem neuen Mitglied dann besonders schmackhaft, indem man ihm eine jährliche Spendenquittung über diesen Betrag vor Augen malt, die dann steuerlich geltend gemacht werden kann. Wären die Leiter ehrlich, dann würden sie zugeben, dass es aber nicht um die Spendenquittung geht, sondern darum, dass für sie so einfach nachprüfbar ist, wer seinen „Zehnten“ zahlt und wer nicht. Abgesehen davon, dass dieser „Zehnte“ im Neuen Testament nie erwähnt wird und dass das „Kornhaus“ im alten Testament eine Priesterschaft darstellt, die es im Neuen Testament gar nicht mehr gibt, will man so sicherstellen, dass das Geld der Gläubigen nicht dort landet, wo ihnen der Heilige Geist das aufs Herz legt, sondern in der Gemeindekasse. Auch hier können wir erkennen, dass Fragmentierung Kontrolle und Manipulation am Werk ist.

      Irgendwann folgt der jährlich im Vorraus festgelegte Taufsonntag und natürlich braucht man für dieses Event Täuflinge. So forstet man im Vorfeld meist die Gemeindeliste durch und spricht die infrage Kommenden daraufhin an, verordnet einen Taufkurs und macht oft an dessen Teilnahme ein Getauftwerden fest. Man fragt sich hier natürlich, wieso die Apostel diese Praktiken nicht hatten. Wieso braucht ein Täufling sämtliche theologischen Grundlagen über Taufe? Wenn jemand sich wirklich durch die Überführung des Heiligen Geistes bekehrt hat, hat er sein altes aus sich selbst gelebtes Leben in den Tod gegeben und möchte hinfort ein neues Leben unter der Führung des Heiligen Geistes leben. Ich bin der Ansicht, dass wenn dieser nicht bereit ist, das durch die Taufe sofort öffentlich zu bezeugen, dass dann diese Bekehrung nicht in letzter Konsequenz stattgefunden hat und dieser Überzeugung waren die durch den heiligen Geist geleiteten Apostel in der gesamten Apostelgeschichte wohl auch. Wir sehen das auch an der Geschichte von Philippus und dem äthiopischen Kämmerer:

      „Da tat Philippus seinen Mund auf und begann mit dieser Schriftstelle und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus. Als sie aber auf dem Weg weiterzogen, kamen sie zu einem Wasser, und der Kämmerer sprach: Siehe, hier ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden? Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so ist es erlaubt! Er antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist! Und er ließ den Wagen anhalten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.“ (Apostelgeschichte 8:35-38)

      Auch die 3000 von denen in unserem Leittext berichtet wird, wurden noch am selben Tag getauft. Wozu also ein Taufseminar? Die Vermutung liegt nahe, das man auch in diesem Taufkurs Gemeindelehre vermittelt indem man Taufe und Ortsgemeinde miteinander verknüpft, was oftmals darin gipfelt, dass man den Täufling in die Gemeinde hinein tauft. Letztendlich wird durch so ein irgendwann oft lange nach der Bekehrung durchgeführtes Ritual eine eigentlich unbiblische, weil unvollständige Bekehrung legalisiert. Im gleichen Atemzug aber wird die Landeskirche an den Pranger gestellt, weil sie die unbiblische Babybesprengung durch die Konfirmation bestätigt und die Katholiken, weil sie dazu die Firmung erfunden haben. Nach meiner Ansicht bleibt unbiblisch unbiblisch, egal wer sich dieser Methoden bedient und keiner von denen, die unbiblische Dinge praktizieren sind berechtigt, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Auch hier ist natürlich Zauberei am Werk, denn dass man es versäumt hat, den Täufling biblisch korrekt und zum göttlichen Zeitpunkt zu taufen, kehrt man natürlich unter den Teppich.

      Man sollte sich auch hin und wieder fragen, warum das soziale Gefälle in unseren Kirchen und Gemeinden von dem in der „Welt“ nicht zu unterscheiden ist, warum es da eigentlich Superreiche und Superarme gibt. Ist das biblisch? Laut dem, was wir hier in der Apostelgeschichte lesen ist es das nicht: „Alle Gläubiggewordenen [oder Glaubenden] aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe, sparten sie an und bauten daraus Gemeindezentren“. Steht das hier wirklich? Ich lese in meiner Bibel:

      „...waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war.“ (Apostelgeschichte 2:44+45)

      Keine einzige Gemeinde in der Apostelgeschichte hatte ein eigenes Gemeindezentrum, nicht mal einen eigenen Versammlungsraum. Alle versammelten sich in den jüdischen Synagogen der jeweiligen Städte, in denen man es ihnen seitens des Vorstehers erlaubte, meist auf Grund dessen, dass der Jude Paulus ein ausgezeichneter Gesetzeslehrer war und weil er keine neue Religion lehrte, sondern die Erfüllung des jüdischen Glaubens in Christus. Damit will ich nicht sagen, dass Gemeindezentren prinzipiell falsch seien, aber wenn sie auf dem Rücken der Bedürftigen gebaut werden, dann stimmt doch die Umsetzung der Gebote Jesu nicht mehr. In der Praxis sieht das so aus, dass man dem Hartz IV-Bruder, der sich die monatlichen Fahrtkosten in die Gemeinde vom Mund absparen muss, im seelsorgerlichen Gespräch empfiehlt, doch endlich seinen Glauben einzusetzen und den „Zehnten“ zu bezahlen, dann würde Gott auch "die Schleußen des Himmels öffnen" und seinen Mangel ausfüllen. Vom „Zehnten“ mal abgesehen, ist das wirklich Gottes Aufgabe? Haben in unserem Bibelabschnitt die Reichen gebetet, dass Gott die Armen versorgt? Nein. Sie gaben ab, was sie zuviel hatten und versorgten damit diejenigen, die zuwenig hatten. Sie taten also ganz praktisch, worüber heute in den Gemeinden im besten Fall hochgeistlich lamentiert wird, man hat nicht mehr den einzelnen Bedürftigen vor Augen, sondern das goldene Gemeindekalb und das ist Götzendienst. Aber auch das wird geschickt vertuscht und „weggezaubert“, denn würde man wieder anfangen, den Heiligen Geist eine Gemeinde bauen zu lassen, würde dieses System in sich zusammenbrechen.

      Wir sehen, dass bereits die grundlegendsten Dinge in den Kirchen und Gemeinden nicht stimmen, dass es also hinter den Gemeindefassaden gewaltig stinkt. Haben die heutigen Christengemeinden „Gunst beim ganzen Volk“? Nein, im Gegenteil. Tut der Herr täglich dazu? Auch hier ein klares Nein, denn wenn in den Kirchen und Gemeinden jährlich zehn „Neue“ dazukommen und im selben Zeitraum acht die Gemeinde wieder verlassen und vier sterben, kann man ja wohl nicht von Wachstum sprechen. Das war nicht immer so. Als die Pfingstbewegung nach Deutschland kam, wurden die Pfingstgemeinden nach diesen biblischen Grundsätzen gebaut und der Zulauf war wirklich enorm. So enorm, dass sie den Evangelikalen des Gnadauer Bundes und der Evangelischen Allianz, in deren Gemeinden so gut wie nichts (mehr) passierte, ein Dorn im Auge war (Berliner Erklärung). Aber das hat sich inzwischen geändert. Man nennt das ökumenisch Annäherung. Warum? Ganz einfach, weil auch diese Pfingst-Bewegung des Heiligen Geistes inzwischen Teil des christlich babylonischen Systems geworden ist, christlich als Fassade und babylonisch als verborgenes System.

      Gott segnet schon (noch) einige Gemeinden aufgrund der Hingegebenheit Einzelner, aber dieses System, dem überwiegend gedient wird, hat er niemals gesegnet, würde er es wirklich (wie behauptet) tun, würden wir dieselben Ergebnisse wie in unserem Text der Apostelgeschichte sehen.

      „Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!“ (Matthäus 6:24)

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