23.Februar 2016 (Die Praxis)

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    • 23.Februar 2016 (Die Praxis)

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      Die Praxis


      Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung [Fehltritt, Sünde] übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst! Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen! (Galater 6:1+2)

      Paulus schreibt im Galaterbrief nichts Neues, sondern er knüpft nahtlos daran an, was Jesus ihn nach seiner Bekehrung auf der Straße nach Damaskus gelehrt hatte, denn Paulus hatte Jesus zu dessen Lebzeiten auf Erden nie kennengelernt, auch die anderen Apostel nicht und die vier Evangelien waren zu der Zeit noch nicht geschrieben gewesen. Wir finden dieses Gesetz der Liebe am klarsten formuliert in Johannes 15, wo sich Jesus als Weinstock bezeichnet, uns als Reben und den Vater als den Weingärtner. Der Kernsatz lautet dort:

      „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, gleichwie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 15:12)

      Nachdem der Apostel in den letzten Versen in Galater 5 nochmal klargemacht hatte, dass Christen ihr Fleisch gekreuzigt haben, dass Christen nur aus dem Geist leben können, wenn sie sich auch von ihm leiten lassen und dass demzufolge Christen auch anders miteinander umgehen müssten als die sogenannte Welt, kommt er hier im 6. Kapitel auf die traurige Realität der Christen und des Gemeindealltags zurück. „Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung [Fehltritt, Sünde] übereilt würde...“. Das ist der wahre Gemeindealltag, dass wir von Sündern umzingelt sind und das braucht niemanden zu wundern, denn wir sind ja selbst Sünder bis wir sterben:

      „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.“ (1.Johannes 1:5-10)

      „… so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst!“ Es ist nicht unsere Aufgabe, andere bloßzustellen, sie anzuklagen sie zu verurteilen, zu strafen und/oder zu züchtigen, die in Sünde gefallen sind, sondern sie wieder zurechtzubringen und zwar im Geist der Sanftmut, also im Geist Jesu. Das gilt auch dann und dann erst recht, wenn sie sich an uns selbst versündigt haben.Wer andere zurechtbringen will, der muss vor allen Dingen eins sein: sanftmütig. Doch was ist zu tun, damit die Pflanze der Sanftmut wachsen kann? Man muss auf sich selbst sehen. Wenn wir uns unserer eigenen Fehler- und Sündhaftigkeit bewusst sind, können wir andern gegenüber nicht hart sein. Wenn wir uns der Gnade bewusst sind, die uns vor vielen Fehltritten bewahrt, können wir uns nicht mehr stolz und besserwisserisch über den Gefallenen stellen, sondern begeben uns dienend unter ihn, um ihn aufzufangen und zurechtzubringen. So lange wir uns als geistlich höher stehend, als den eben Gefallenen betrachten, können wir nicht sanftmütig sein. Sanftmut entsteht, wenn wir uns ständig bewusst sind, dass wir ausschließlich aus der Gnade und Barmherzigkeit Gottes leben.

      „Denn wenn jemand meint, etwas zu sein, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst. Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er an sich selbst allein und nicht an dem anderen Ruhm haben; denn jeder wird seine eigene Last tragen“ (Galater 6:3-5)

      Wenn wir auf uns selbst in Wahrheit und Klarheit im Lichte des Heiligen Geistes sehen und so uns selbst anstatt andere beurteilen, führt uns das in Sanftmut. Wenn wir unser Glaubenswerk betrachten und dabei den Satz Jesus vor Augen haben „ohne mich könnt ihr nichts tun“, dann führt uns das in Demut. Mit anderen Worten: Wir sollen unser eigenes Werk im Licht Gottes betrachten (und nicht das Werk mit anderen Werken vergleichen). Wenn wir erkennen können, wie mangelhaft die Arbeit doch ist, die wir für den vollkommenen Herrn tun, dann verschwindet der Hochmut wie von selbst und ausschließlich auf diesem Boden gedeihen die Pflanzen Demut und Sanftmut.

      Im Jahre 1404 stellte Johannes Hus in einer Predigt der damaligen Kirchenobrigkeit folgende rhetorische Frage:„Seid Ihr darin etwa Christi Diener und Knechte, dass Ihr angebt mit Eurer weiten, geschlitzten, verzierten, kostspieligen Kleidung, angebt mit vielen Pferden, mit überflüssigen Palästen, kostbarem Geschirr, angebt, indem ihr die Armen noch besteuert, aber die Reichen und Stolzen verehrt?“ Die Reaktion der damaligen „Geistlichkeit“: Man verbrannte ihn auf dem Scheiterhaufen. Es hat sich seit 1404 nichts Wesentliches geändert. Weder in den Kirchen noch in den Gemeinden, Gruppen und Grüppchen, außer dass die „Gefallenen“ diejenigen, die sie zurecht bringen wollen, nicht mehr offiziell verbrennen dürfen.

      Aber der Heilige Geist sagt mir immer wieder, dass dies nicht unser Fokus sein darf. Gemeinde fängt für den Heiligen Geist nicht beim Pastor oder den Ältesten, sondern bei mir ganz persönlich an. Da hab ich in der Vergangenheit oftmals einiges falsch gemacht. Auch wenn es de facto richtig war, was ich angeprangert hatte, geschah dies wie bei Johannes Hus nicht in Liebe und Sanftmut, sondern anklagend und verurteilend. So muss ich heute gestehen, dass diese Aktionen nicht geistgeleitet waren, obwohl ich das damals dachte. Das Bestreben des Heiligen Geistes ist es, uns in das Bild Jesu umzugestalten, ein lebenslanger Prozess. Wo wir in diesem Prozess stehen, zeigen uns nicht unsere Wunder, die wir erleben, und auch nicht unsere geistlichen Erkenntnisse oder Gebetserhörungen. Es wird für uns und andere sichtbar an der Art und Weise, wie wir mit unseren Geschwistern umgehen.

      „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“ (Matthäus 11:29)

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