17.Februar 2016 (Gekreuzigtes Fleisch)

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    • 17.Februar 2016 (Gekreuzigtes Fleisch)


      Gekreuzigtes Fleisch


      Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten. Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach leerem Ruhm streben, einander nicht herausfordern noch einander beneiden! (Galater 5:24-26)

      „...Das Fleisch gekreuzigt...“ - das hört sich furchtbar an, grausam, barbarisch. Es hört sich so an, wie Christen in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gelebt haben: Menschen, deren Leben theoretisch schon vorbei ist, die alles, was Freude macht ablehnen, deren einziger Antrieb noch ist, mit Leidens- und Trauermine möglichst vielen Menschen diese „frohe Botschaft“ weiterzugeben, um damit eine gute Position zu haben, wenn sie dann endlich von diesem Erdendasein erlöst sind und sich über die „Verstocktheit“ ihrer Mitmenschen wundern, die sagen: „Nein danke, das ist nicht das, was ich mir unter Leben vorstelle.“ Mir ging es einst genauso, denn genau das wurde mir vorgelebt, bis ich irgendwann – als bekehrter und frustrierter Jugendlicher – sagte: „Lieber gehe ich in die Hölle, als mit solchen Typen eine Ewigkeit verbringen zu müssen.“

      Auch heute noch gibt es genügend Gläubige, die nach allem aussehen, nur nicht nach „erlöst“, die anscheinend (nach außen hin) einzig und allein aus Selbstdisziplin zu bestehen scheinen und in deren Leben man nichts von Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, oder Sanftmut finden kann, und die so eher ein Negativbeispiel für „erlöstes Christsein“ sind. Sie predigen, man müsse seine Seele kreuzigen, also töten, und übersehen dabei, dass Seele und Leben im Hebräischen ein und dasselbe Wort ist, letztendlich predigen sie ein frommes Harakiri und erzeugen so psychisch kranke seelische Krüppel nach ihrem Ebenbild.

      Könnte es vielleicht sein, dass der begriff „Fleisch“ von den meisten Christen falsch verstanden wird?

      „Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht, die Götzendienst ist; um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams; unter ihnen seid auch ihr einst gewandelt, als ihr in diesen Dingen lebtet. Jetzt aber legt auch ihr das alles ab — Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, hässliche Redensarten aus eurem Mund. Lügt einander nicht an, da ihr ja den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis, nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.“ (Kolosser 3:5-10)

      Ich denke, hier wird deutlich, was Paulus unter „Fleisch versteht“. Es ist nicht pauschal, alles, was nicht „Geist“ ist, also Leib und Seele, sondern nur das, was vom Teufel in uns pervertiert wurde, also alles, was sich in uns gegen Gott und seine Ordnungen erhebt. Wir wollen nochmal das Statement des Paulus als Ganzes lesen:

      „Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten (Begierden).“ (Vers 24)

      Leidenschaft ist eine Emotion, die unser Gemüt völlig vereinnahmt. Sie kann sowohl durch Liebe als auch Hass umfasst sein und beschreibt auch die intensive Verfolgung von Zielen. Ist das alles gegen Gott gerichtet? Wenn ja, wie können dann die Gebote Jesu lauten:
      Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot unter allen ist: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!« Dies ist das erste Gebot. Und das zweite ist [ihm] vergleichbar, nämlich dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« Größer als diese ist kein anderes Gebot" (Markus 12:29-31)

      Wenn dies keine Aufforderung zu leidenschaftlicher Liebe ist, dann weiß ich auch nicht. Oder lesen wir, was die Bibel auch noch zum Thema Lust zu sagen hat:

      „Wird er an dem Allmächtigen seine Lust haben, wird er Gott anrufen zu jeder Zeit?“ (Hiob 27:10)

      „und habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt!“ (Psalm 37:4)

      Jesaja prophezeite über Jesus:
      „Nachdem seine Seele Mühsal erlitten hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben; durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, und ihre Sünden wird er tragen.“ (Jesaja 53:11)


      Wir sehen also, dass Paulus nicht alle Lust und Leidenschaft verteufelt, sondern eben nur den Teil davon, den Satan pervertiert hat, indem er das Objekt, also den Bezug verändert hat. Anstatt unserer Lust und Begierde auf den Schöpfer und alles, was von ihm kommt, zu richten, richtet sie Satan auf das Geschöpf, also auf uns selbst. Wenn wir nun unsere Seele töten, dann vernichten wir die Voraussetzungen, die Gott uns gegeben hat, um ihn, unsern Nächsten und uns selbst zu lieben. Wenn Paulus also vom „Fleisch“ spricht, meint er den „alten Menschen“, den ollen Adam, unsere Selbstverherrlichung und unsern Egoismus. Das wird auch deutlich am Folgesatz:

      „Lasst uns nicht nach leerem Ruhm streben, einander nicht herausfordern noch einander beneiden! (Galater 5:26)

      Leerer Ruhm ist für Paulus jede Art von Ehre und Herrlichkeit, die ein Gläubiger bei Menschen sucht anstatt allen Ruhm dem zu geben, dem er zusteht, nämlich Gott. Biblisch gesehen ist das ein Raub und wir sind eigentlich Lügner, wenn wir das suchen und gleichzeitig beten oder singen: „Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit (Offenbarung 5:8).“ Wir erkennen an dieser Ruhmsucht eindeutig die Handschrift Satans, der sagte, er wolle zum Himmel hinaufsteigen und sich dem Höchsten gleichmachen (Jesaja 14:14)

      Eine Herausforderung ist ursprünglich eine Kampfansage, die man tätigte, indem man man den sogenannten Fehdehandschuh einer Person hinwarf, von der man beleidigt oder in seiner sogenannten Ehre beleidigt wurde oder meinte beleidigt worden zu sein. Ich denke, wir können unschwer erkennen, dass sich dahinter ebenso Stolz verbirgt, eine typische Eigenschaft des „alten Menschen“. Und über Neid brauchen wir, glaub ich, nicht zu reden, denn wir alle wissen, dass aus Neid der erste Mord geschehen war.

      Rudolf Ebertshäuser, ein Bibellehrer aus dem Brüderbund, den ich ansonsten wegen seiner Pfingstler- und Charismatikerphobie nicht zitiere, schrieb (in dem Fall) richtig zu diesem Thema:

      "Wichtig ist es nun, zu lernen, dass mein „Ich“ (meine bewusste Persönlichkeit mit ihren Willensentscheidungen) nicht ein und dasselbe ist wie mein Fleisch. Als von neuem geborener Gläubiger bin ich eine neue Schöpfung in Christus. Ich bin der neue Rudolf, der neue Mensch, Gott entsprechend geschaffen in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit (Epheser 4:24) – nicht mehr der alte Rudolf mit seinen fleischlichen Begierden und Lüsten!

      Als erneuerter Mensch Gottes in Christus bin ich berufen sowie auch befähigt worden , den Impulsen und der Leitung des Geistes Gottes zu folgen, der in mir wohnt, der mich leitet durch das Wort Gottes und durch Sein Zeugnis in meinem Geist. Zugleich kommen aber auch die Impulse des Fleisches noch an mich heran. Ich kann mich entscheiden, dem Fleisch zu folgen – ich kann mich aber auch entscheiden, dem Geist Gottes zu folgen.

      Das Fleisch begehrt nach Selbstverwirklichung, Selbstentfaltung, Erfüllung des Eigenwillens und seiner Lüste. Der Geist begehrt nach Christusverwirklichung, danach, dass das Auferstehungsleben des Christus sich in uns entfalten kann und der Wille Gottes in unserem Leben geschieht.

      Wenn ich dem Wort Gottes und dem Führen des Heiligen Geistes gehorche, dann verleiht mir der Geist Gottes die Kraft, Gehorsamsschritte zu tun, das Fleisch zu überwinden, den Willen Gottes auszuführen. In mir selbst habe ich diese Kraft nicht, aber Christus verleiht sie mir durch Seinen innwohnenden Geist:

      „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus“ (Philipper 4:13).

      Gott gibt mir durch Seinen Geist die mächtige Auferstehungskraft Jesu Christi; Er wirkt in mir das, was Ihm wohlgefällig ist, nach Seiner herrlichen Macht und Stärke, die im Grunde unbegrenzt ist.Wenn ich den Impulsen des Geistes Gottes folge, dann kann der Geist mich tiefer in das Wort und die Vollerkenntnis Gottes führen; ich wachse geistlich zu Christus hin; ich empfange mehr Licht und werde brauchbarer für Gott, komme in innigere persönliche Gemeinschaft mit Ihm.

      Das Ergebnis ist vermehrte Frucht des Geistes; Gott wird in meinem Leben verherrlicht; ich kann in den von Gott vorbereiteten Werken wandeln und bin ein brauchbares Gefäß für Ihn."