8.Februar 2016 (Werke und Frucht)

    • 8.Februar 2016 (Werke und Frucht)

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      Werke und Frucht


      Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, so dass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber vom Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, dass die, welche solche Dinge tun, das Reich Gottes nicht erben werden. (Galater 5:17-21)

      Durch unseren Lebensstil wird deutlich, wer uns bestimmt: Unser Fleisch oder der Heilige Geist! Das hat ja Jesus schon gesagt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Matthäus 7:20). Wie unterschiedlich das aussieht, wenn uns unser Fleisch oder aber der Heilige Geist bestimmt, macht Paulus in den nächsten Versen deutlich. Entscheidend ist, wer bestimmt, wer das Sagen und die Kontrolle hat. Paulus schreibt hier den Galatern, was passiert, wenn sie selbst am Steuer sitzen, wenn also der "alte Adam" fährt. Interessant ist die Tatsache, dass Paulus zwei unterschiedliche Bezeichnungen für den fleischlichen Lebensstil einerseits und den geistlichen Lebensstil andererseits wählt. Dort, wo wir selbst bestimmen - wo in Wahrheit also unser Fleisch - auch unser frommes Fleisch regiert - spricht er von den Werken des Fleisches. Dort, wo wir Jesus bestimmen lassen - wo der Heilige Geist regiert - spricht er von der Frucht des Geistes.

      Durch diesen kleinen, aber entscheidenden Unterschied wird zweierlei deutlich:
      Die Werke des Fleisches habe ich selbst zu verantworten. Ich kann niemand anderen dafür zur Verantwortung ziehen. Sie sind meine Taten. Sie entstehen zwangsläufig als Folge eines egoistischen Lebens. Die Frucht des Geistes kann ich nicht machen. Sie ist nicht das Ergebnis meiner Bemühungen und Anstrengungen, sondern eine geschenkte Auswirkung eines christushingegebenen Lebens. Interessant ist auch, dass die Liste mit den Früchten erheblich kürzer ist, als der so genannte "Lasterkatalog". Den 15 genannten Werken des Fleisches stehen lediglich 9 Früchte des Geistes gegenüber. Und Paulus bemerkt im 21. Vers noch an, dass die Liste mit den Fleischeswerken keineswegs vollständig ist.

      Die größte Überraschung stellt aber die Tatsache dar, dass Paulus von den Werken des Fleisches im Plural und von der Frucht des Geistes im Singular spricht. Es gibt eine Fülle von ganz verschiedenen zerstörerischen Werken, die wir unserem Egoismus - unserem Fleisch verdanken - aber es gibt daneben nur eine Frucht des Heiligen Geistes.

      Dieser so genannte „Lasterkatalog“ ist wie gesagt nicht vollständig: „und dergleichen mehr“ steht da nach diesen 15 lebensgefährlichen Fahrstilen. Paulus stellt hier also keine neuen Regeln auf und auch nicht in seinen anderen Briefen, wo es ähnliche Listen gibt. Paulus gibt uns hier keinen Sündenkatalog zum Abhaken an die Hand, er predigt eben keine Moral, sondern er zeigt konkret auf, was alles passieren kann, wenn wir selbst fahren - wenn wir selbst am Steuer unserer „Lebenskarre“ sitzen - wenn der "alte Adam" in uns die Überhand bekommt, wenn uns unser Fleisch bestimmt. Es ist wichtig, dass wir diese Auflistung hier nicht als gesetzlichen Katalog missverstehen, denn gerade darum geht es Paulus nicht. Es ist nämlich nicht damit getan, dass wir uns jetzt anstrengen und bemühen, um besser zu fahren, sondern es geht darum, dass wir nicht mehr selbst bestimmen, sondern Christus bestimmen lassen. Nur er kann unser Auto - unser Selbst, unser Leben - so lenken, dass wir gut und sicher zu Hause bei Gott ankommen.

      Der Weg der Gesetzlichkeit - den Paulus ja vorher aufs Schärfste als Irrweg bezeichnet - wäre, dass wir uns bemühen und anstrengen es jetzt noch besser zu machen, vorsichtiger fahren, eben moralisch und anständig Lebensauto fahren. Doch durch das, was Paulus in den Versen 22 bis 23 über die Frucht des Geistes sagt, wird deutlich, dass es eben nicht um Moral geht. Frucht können wir nicht machen. Und es ist auch nicht unsere Frucht, die Mühe unserer Arbeit, unser Selbstverbesserung, auch wenn sich das überwiegend so fromm anfühlt (und vor Allem fromm aussieht). Es ist und bleibt die Frucht des Heiligen Geistes, das Ergebnis seiner Mühe in unserem Leben.

      Es geht nicht darum, etwas selbst besser zu machen, also unser Fleisch zu verbessern. Fleisch kann nur Werke des Fleisches produzieren; auch wenn diese heilig aussehen, bleiben es fromme, also religiöse Werke des Fleisches und sind keine Frucht des Heiligen Geistes. Wenn wir unsere Heiligkeit aus uns selbst betreiben, werden wir zwangsläufig zu Pharisäern, auch wenn wir uns als „geistgeleitet“ bezeichnen. Nur wenn wir Christus bestimmen lassen, kann die Frucht des Geistes in unserem Leben heranwachsen.

      Christsein bedeutet Herrschaftswechsel. Nicht mehr ICH, sondern ER! Ich überlasse Christus mein Auto - mein Selbst. Glauben bedeutet demzufolge, dass ich Christus mein Auto - mein Selbst - täglich neu anvertraue. Dass ich wie ein Beifahrer im wirklichen Fahrzeug dem Fahrer blind vertraue - ohne ins Lenkrad zu greifen, ohne das Bodenblech durchzutreten - dass er mich gut und sicher dahin bringt, wofür ich berufen und bestimmt bin und wohin ich letztlich auch selbst hin will.

      „denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen.“ (Philipper 2:13)



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