4.Februar 2016 (Wer lenkt unser Lebensauto?)

    • 4.Februar 2016 (Wer lenkt unser Lebensauto?)

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      Wer lenkt unser Lebensauto?


      Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. (Johannes 16, Vers 13)

      An Pfingsten wurde dieser Geist ausgegossen, den Jesus zuvor seinen Jüngern zugesagt hatte, und seitdem bekommt jeder, der in der Umkehr und Hinwendung zu Christus zu einem neuen Menschen wird, diesen Geist als Führer und Tröster zur Seite gestellt.

      Dieser Geist schließt uns, bis heute, das Wort Gottes auf und lässt uns erkennen, was gemeint ist. Wichtig ist, dass wir diesen Geist nicht behindern, sondern in uns wirken und uns von ihm leiten lassen. Wir sollten Gott dazu täglich um die ganze Fülle seines Geistes bitten, damit wir mehr und mehr in der Erkenntnis fortschreiten. Wenn Johannes allerdings schreibt, dass dieser Heilige Geist uns in alle Wahrheit leiten wird, dann setzt er voraus. dass wir uns auch von ihm leiten lassen. Und genau da liegt das Problem. Natürlich behauptet fast jeder Christ oder Christliche, er sei vom Heiligen Geist geleitet, aber leider sieht die Wahrheit oftmals ganz anders aus.

      Nur wenn der Heilige Geist uns bestimmt, werden wir mit der Freiheit, die Jesus uns geschenkt hat, richtig umgehen können. Christus hat uns durch sein Sterben am Kreuz die Freiheit geschenkt, die Freiheit von der Schuld und Sünde unseres Lebens, die Freiheit vom Gesetz, von jedem Du musst und Du sollst. Aber diese Freiheit, die Christus uns geschenkt hat, lässt sich nur in der Abhängigkeit von Jesus leben, sonst verfallen wir dem Lustprinzip, fallen auf uns selbst, auf unser Fleisch, auf unsere Triebe herein und sind so auch nicht frei, sondern lassen uns leben, auch wenn wir dabei groß behaupten: "Wir sind so frei!"

      Gehen wir zurück zu unserem „Autobild“. In Wahrheit sind wir doch schlechte Beifahrer. Wie die Galater sind wir doch ständig versucht, vom Beifahrersitz aus dem Fahrer ins Lenkrad zu greifen, um den Kurs zu bestimmen. Der fährt uns einfach zu langsam. Dann fährt er uns wieder zu schnell. Und die Wege, die er wählt, hätten wir niemals ausgesucht.

      Es war für die Christen in Galatien selbstverständlich, dass ihr Leben, also „der Wagen“ Gott gehörte. Sie wussten, dass sie Jesus ihr Neues Leben verdanken. Er ist der Halter ihres Fahrzeugs. Der Lebenswagen ist auf Gott zugelassen. Aber wie und wohin sie heute fahren, wollten sie doch lieber selbst bestimmen. Und sie entscheiden auch, welchen Treibstoff sie verwenden. So hatten die Galater wieder auf dem Fahrersitz ihres Lebens Platz genommen. Jesus darf zwar mitfahren, aber nicht bestimmen. Das Lenkrad halten die Galater fest im Griff. Sie wollen den Kurs selbst bestimmen. Mit dem Gesetz haben sie ihr Lebensauto vollgetankt und fahren los und verwechseln die Gemeinde dabei mit dem Nürburgring und meinen es kommt drauf an, wer schneller und wer besser ist. Kein Wunder, dass da viele auf der Strecke bleiben, dass es in dieser Gemeinde von Beinaheunfällen und tatsächlichen Zusammenstößen nur so wimmelt (Galater 5:15). Sie fahren zwar nach bestimmten Regeln und die meisten hielten sich wohl an Regeln, aber an der Kreuzung pochte jeder auf sein Recht. Da wird keinem Vorfahrt gewährt. Da fährt man nicht miteinander und schon gar nicht hintereinander, da will jeder der erste sein, der schnellste, der beste. Klar, jeder hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Aber wer auf der linken Spur wie eine Schnecke kriecht wird eben, abgedrängt! Das ist diese Lieblosigkeit, die Paulus als „beißen und fressen“ bezeichnete.

      Wenn Paulus hier schreibt: „Lasst euch vom Geist führen!“, muss uns das in die Frage führen; Wer steuert eigentlich mein Lebensauto? Die Frage war nicht, ob die Galater den Heiligen Geist haben, oder wie viel Heiligen Geist sie haben, sondern, ob der Heilige Geist ihr Leben bestimmt. Und diese Frage stellt uns Gott heute genauso.

      Auch wir stehen wie die Galater in der Gefahr der "Rezepttheologie" und damit dem Gesetz zu erliegen und pressen diese Einladung zum Weg des Glaubens in bestimmte Formen. Und so wird der Heilige Geist auf den Aspekt „Kraft“ (Treibstoff) reduziert und wir meinen alle 700 km müssten wir neu tanken, den Heiligen Geist nachfüllen, als wenn sich der Geist Gottes wie Benzin verbrauchen könnte. Oder wir meinen, dass es auf die Zusammensetzung ankommt. Und wir tanken eben nicht nur normal, sondern super plus. Wir machen den Heiligen Geist in unserem Leben daran fest, dass wir bestimmte Gefühle, Erfahrungen, Manifestationen oder Sonstiges erleben. Nur, wenn es super ist, kann es doch der Heilige Geist sein – oder weil es super ist, ist es der Heilige Geist.

      So stehen wir tatsächlich in der Gefahr, die Aussage von Paulus hier völlig auf den Kopf zu stellen. Statt uns vom Heiligen Geist tatsächlich und wirklich bestimmen zu lassen, meinen wir den Heiligen Geist bestimmen zu können, indem wir an bestimmte Orte oder zu bestimmten Rednern fahren, um dort quasi den Heiligen Geist aufzutanken. Oder indem wir bestimmte Formen oder Methoden anwenden, um so nicht nur den Heiligen Geist "normal", sondern eben "super" zu haben.

      Der ehemalige Krefelder Pastor S. Ochs schrieb dazu in einem Essay:

      „Oftmals ohne, dass wir es merken stellen wir neue Gesetze und Regeln auf. Wir zementieren gute und wichtige Erfahrungen, die wir gemacht haben und auf einmal haben wir dann z.B. die feste Regel: "Der Heilige Geist ist am Zungenreden erkennbar!" Nun ist das Gebet in anderen Sprachen, eine von vielen Gaben, aber eben nicht die einzige. Und der Heilige Geist ist daran erkennbar, aber eben nicht nur und schon gar nicht ausschließlich. Und diese Gabe ist schon gar nicht der Ausweis dafür, dass man vom Heiligen Geist geleitet wird. Und um diese Frage geht es Paulus bei den Galatern auch gar nicht. Das war für ihn keine Frage, dass sie den Heiligen Geist haben. Es geht niemals um die Frage, ob wir den Heiligen Geist besitzen, denn der Geist ist Gott und wir können Gott niemals besitzen, es geht immer um die Frage, ob er uns besitzt!


      Und wieder stehen wir in der Gefahr auf unserem Glaubensweg stehen zu bleiben und Blumen zu pflücken, gute und wichtige Erfahrungen festzuhalten, zu konservieren in Regeln und Gesetze zu pressen. Andererseits besteht die Gefahr dass wir das Kind mit dem Bade ausschütten und alles, was wir nicht kennen - aber dennoch biblisch ist - aber eben so anders und nicht so zu kontrollieren ist, uns gleich verdächtig und schwärmerisch vorkommt, obwohl es biblisch ist!

      Wir erliegen immer und immer wieder der Gesetzlichkeit. Auf der einen oder der anderen Seite. Indem wir so genannte "charismatische Erfahrungen" verabsolutieren oder aber völlig ausschließen. Beide Wege sind Irrwege! Wir erliegen immer wieder dem entweder oder, dem Schwarzweißdenken. Dabei hat doch Gott die Farben geschaffen und Gott liebt es bunt. Er hat uns auf den Weg des Glaubens gerufen und lädt uns ein, ihm auf diesem Weg zu vertrauen. Auf diesem Weg gibt es viele unterschiedliche und bunte Blumen. Auf dem Weg Jesus nach werden wir viele unterschiedliche Erfahrungen machen, die wichtig und wertvoll sind, die aber zugleich auch zeitlich und individuell sind, viele wunderschöne, duftende Blumen. Blumen, die am Wegesrand leben, die den Weg begleiten, aber nicht der Weg sind. Blumen, die wir anschauen, riechen und auch anfassen dürfen. Aber wir sollten niemals zu lange bei einer einzigen Blume bleiben. Und wir sollten keine Blume mit dem Weg verwechseln.“

      „Darum »richtet wieder auf die schlaff gewordenen Hände und die erlahmten Knie«, und »macht gerade Bahnen für eure Füße«, damit das Lahme nicht vom Weg abkommt, sondern vielmehr geheilt wird!“ (Hebräer 12:12+13)


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