26.Januar 2016 (Unsere Berufung)

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    • 26.Januar 2016 (Unsere Berufung)

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      Unsere Berufung


      13 Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder... (Galater 5:13a)

      Bleiben wir mal beim Adler. Stellen wir uns einen Adler vor, der seit Geburt auf einer Farm gefangen gehalten wird, der an einer 50m langen Kette an einem Bein in der Mitte des Hofs angepflockt ist und dem man die Flügel fixiert hat, damit er niemals auf die Idee kommt, diese zu benutzen. Er kann sich auf dem ganzen Hof quasi frei bewegen, rennt den Hühnern hinterher, wird von den Gänsen geärgert, frisst aus demselben Trog wie die Schweine und kann aus dem schlammigen Tümpel trinken, aus dem alle trinken. So geht das tagaus, tagein – er kennt nichts anderes. Aber glücklich ist er nicht, weil er tief im Inneren immer wieder spürt, dass es das nicht ist, wofür er gemacht ist.

      So geht es uns Menschen im Allgemeinen. Wir laufen im Kreis, drehen uns um Fressen, Trinken, Konsumieren und vermeiden es tunlichst, an die Grenzen unserer Ketten vorzudringen, weil wir so damit konfrontiert werden, dass wir Gefangene sind. Dann haben wir uns bekehrt und die Ketten wurden zerbrochen und unsere Flügel wurden geheilt. Trotzdem laufen wir weiter im Kreis und vermeiden es ängstlich unsere Flügel zu benutzen, vom Fliegen ganz zu schweigen. Kennt ihr das? Also ich kenn das gut, denn so lebte ich mein „Neues Leben in Christus“ viele Jahre meines Lebens. Ich war frei, befreit aber ich lebte weiterhin wie der Gefangene, der ich davor war. Manchmal sah ich andere ehemals Mitgefangene fliegen und wurde neidisch, bezeichnete sie als Spinner und bekämpfte sie gemeinsam mit denen, die genauso drauf waren wie ich.

      So ging es auch dem Volk Israel, nachdem es aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit worden war. Jetzt waren sie zwar frei, mussten aber durch die Wüste latschen, hoffen, dass sie auch jeden Tag eine Wasserquelle fanden, kein Schnitzel und keine Lasagne, sondern täglich musste man sich nach dem Manna bücken. Was war das für eine Freiheit. Und dann noch dieser Überflieger Mose, der ihnen das mit seiner Befreiungsaktion eingebrockt hatte, der ihnen einen Gesetzeskatalog aufs Auge drückte, der schlimmer war als die Verordnungen der Ägypter. Bei denen mussten sie zwar überhart arbeiten und wurden ausgebeutet, aber immerhin hatten sie gutes, abwechslungsreiches Essen und es gab auch Raum für Feste und Wein, Weib und Gesang, war zwar alles mit Götzendienst verbunden gewesen, aber schön war es doch und das alles war in der Wüste vorbei und Geschichte geworden. Mose achtete da streng drauf. So hatten sie sich die Freiheit nicht vorgestellt und so eine Freiheit wollten sie auch nicht, denn sie waren in ihren Herzen Sklaven geblieben, obwohl sie frei waren. Und so wundert es nicht, wenn wir lesen:

      „Und alle Kinder Israels murrten gegen Mose und Aaron; und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach, dass wir doch im Land Ägypten gestorben wären, oder noch in dieser Wüste sterben würden! Und warum führt uns der Herr in dieses Land, dass wir durch das Schwert fallen, und dass unsere Frauen und unsere kleinen Kinder zum Raub werden? Ist es nicht besser für uns, wenn wir wieder nach Ägypten zurückkehren? Und sie sprachen zueinander: Wir wollen uns selbst einen Anführer geben und wieder nach Ägypten zurückkehren!“ (4.Mose 14:2-4)

      Wenn wir ehrlich sind, geht es uns nicht viel anders, als diesen Israeliten. Deshalb schreibt Paulus:

      „Und lasst euch nicht dieser Weltzeit gleichförmig machen, sondern lasst euch umgestalten durch die Erneuerung eurer Gesinnung, damit ihr beurteilen könnt, was der Wille Gottes ist, das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ (Römer 12:2)

      Mit „dieser Weltzeit“ meint Paulus das Weltsystem, die Sklaverei. Satan kann uns da nicht wieder hineinkidnappen, da gehen wir freiwillig zurück, nachdem er uns diese Sklaverei in rosa Farbtönen vor Augen geführt hat, wenn wir unseren Denksinn, unsere Wesensart nicht umgestalten lassen. Jesus sagte:

      „Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken? oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!“ (Matthäus 6:31-33)

      Hier geht es nicht in erster Linie um Essen, Trinken und Kleidung, sondern um die Vorratshaltung, letztendlich um Kontrolle, die Dinge im Griff zu haben. Genau hier muss die Veränderung unseres Denksinns anfangen. Wir geben das aus der Hand und legen es in Gottes Hand. Aus unserer Kontrolle unter seine Kontrolle. Was Jesus hier als Heiden bezeichnet, sind die Menschen, die „dieser Weltzeit gleichförmig sind“ (Römer 12:2), die sich letztendlich nur um sich selbst drehen und versuchen, möglichst alles unter Kontrolle zu haben. Genährt werden diese Kontrollzwänge durch Ängste, etwas zu verlieren oder zu kurz zu kommen und zwar im materiellen wie auch zwischenmenschlichen Bereich und durch Stolz, denn für jeden Status und jede Position, die wir durch diese Kontrollzwänge erreichen, können wir uns selbst auf die Schulter klopfen gemäß dem uralten Werbeslogan: „Haste was – biste was“.

      „Und er [Jesus] sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Das Feld eines reichen Mannes hatte viel Frucht getragen. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun, da ich keinen Platz habe, wo ich meine Früchte aufspeichern kann? Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter aufspeichern und will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und sei guten Mutes! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast?“ (Lukas 12:16-20)

      Das gesamte sogenannte Wohlstandsevangelium hat diesen Kontrollzwang zur Grundlage, deshalb kann man durch ein Verharren in dieser Irrlehre niemals in Freiheit finden, sondern wird, je mehr man hat, immer mehr von Stolz und Kontrollzwängen beherrscht, denn man macht sich dadurch „dieser Weltzeit gleichförmig“, und verpasst so diesen Zwängen nur einen frommen Anstrich.

      Erst wenn wir wirklich anfangen, nach dem wir es erkannt haben, Bereich um Bereich unseres Lebens unter Gottes liebende und fürsorgliche Kontrolle zu stellen, indem wir sie ihm immer wieder in unseren Gebeten in die Hand geben, beginnt die Veränderung unseres Denksinns, denn wir können diesen nicht selbst wirklich und dauerhaft verändern. Das kann nur Gott und deshalb schrieb Paulus auch nicht „verändert euren Denksinn“, sondern „ lasst euch umgestalten durch die Erneuerung eurer Gesinnung“. Das bedeutet es auch, wenn Paulus in 1.Korinther 15:31 schreibt: „Täglich sterbe ich, so wahr ihr mein Ruhm seid, Brüder, den ich in Christus Jesus, unserem Herrn, habe.“ Indem wir unsere eigene Kontrolle ans Kreuz nageln, sterben wir, kapitulieren wir wirklich vor Gottes Autorität, begeben wir uns wirklich in bedingungslose Abhängigkeit von Gott, in der die Freiheit liegt, zu der wir berufen sind.

      „Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ein Gewinn.“ (Philipper 1:21)

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